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In Klagenfurt beginnt das Wettlesen zum Ingeborg-Bachmann-Preis

Literatur In Klagenfurt beginnt das Wettlesen zum Ingeborg-Bachmann-Preis

Anachronistisch? Konformistisch? Oder sogar überflüssig? An Kritik an den Tagen der deutschsprachigen Literatur, wie das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis offiziell heißt, mangelt es nicht. Am Mittwochabend eröffnet der Schweizer Autor Urs Widmer mit einer Rede den Wettbewerb.

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Der ehemalige Hildesheimer Student Leif Randt liest in Klagenfurt beim Ingeborg-Bachmann-Preis.

Quelle: Privat

Von Donnerstag an stellen 14 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Klagenfurt noch unveröffentlichte Texte vor und buhlen um den 35. Bachmann-Preis.

Dass Autoren für jeweils 30 Minuten lesen und anschließend Juroren eine halbe Stunde lang den Text diskutieren – alles vor laufender Kamera –, finden manche Kritiker ziemlich gestrig. In Zeiten, in denen ein Teil der jungen Literaturszene ins Netz abgewandert ist, erscheint das von Marcel Reich-Ranicki ersonnene Wettlesen tatsächlich altmodisch. Doch gerade in dem Anachronismus liegt der Charme von Klagenfurt: Wenn sich Hunderte von Zuhörern im ORF-Fernsehstudio und Zehntausende Fernsehzuschauer zur selben Zeit auf einen Text konzentrieren, verweist das auf die Anfänge von Literatur: Da sitzt einer und erzählt den anderen eine Geschichte.

Die Wiener Literaturkritikerin und Übersetzerin Karin Fleischanderl, die einige Jahre Mitglied der Jury war, bezweifelt allerdings, dass in Klagenfurt die beste Geschichte prämiert wird. Der Wettbewerb, sagte sie nach dem vergangenen Wettlesen, klopfe die Manuskripte in erster Linie auf „Verwertbarkeit und Verkäuflichkeit“ ab.

Das ist ein harsches, wenn nicht gar vermessenes Urteil über die Juroren. Doch die Kritik der Wienerin verweist auf die Tatsache, dass Klagenfurt eben nicht nur ein hohes Fest der Literatur, sondern auch des Literaturbetriebs ist. Lektoren und Literaturagenten halten dort Ausschau nach Talenten – und auf solche, die den Verlagen Geld und Renommee einbringen könnten, blicken sie mit besonderem Interesse.

Inwieweit Prosa neue Themen und Formen sucht und inwieweit sie gängige Muster bedient, um erfolgreich (und gut verkäuflich) zu sein, wird wahrscheinlich Urs Widmer beleuchten. Der Schweizer, der mit seinen Romanen „Der Geliebte der Mutter“ und „Das Leben des Vaters“ zum Bestsellerautor wurde, hat seine Eröffnungsrede unter die Überschrift „Von der Norm, der Abweichung und den Fertigteilen“ gestellt.

Wie sich Norm, Abweichung und Fertigteile zueinander verhalten, wird man in diesem Jahr bei 14 Autoren beobachten. Mit Leif Randt, dessen Debütroman „Leuchtspielhaus“ im vergangenen Jahr Eindruck gemacht hat, und Thomas Klupp sind gleich zwei Absolventen des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben beim Wettbewerb vertreten. Klupp, der für seinen Roman „Paradiso“ 2009 den Nicolas-Born-Debütpreis des Landes Niedersachsen erhalten hat, ist mittlerweile Dozent in Hildesheim. Gerade erst in Niedersachsen gewohnt hat Gunther Geltinger: Der Autor war drei Monate lang Stipendiat im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus.

Besonders gespannt kann man auf Maja Haderlap sein, die in Klagenfurt lebt. Die Autorin stellt einen Ausschnitt ihres ersten Romans „Engel des Vergessens“ vor, der im Göttinger Wallstein Verlag erscheint. Die 50-Jährige erzählt, autobiografisch gefärbt, von einem Mädchen, dessen Familie zur slowenischen Minderheit Kärntens gehört. Das klingt nicht nach Fertigteil-Literatur, sondern nach einer intensiven Spurensuche. 3sat überträgt von Donnerstag (10.15 Uhr) an, Livestream unter bachmannpreis.eu.

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