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10. Literaturfest Niedersachsen eröffnet

Galerie Herrenhausen 10. Literaturfest Niedersachsen eröffnet

In der Galerie Herrenhausen wurde das 10. Literaturfest Niedersachsen eröffnet – Charles Brauer und Christian Erdmann lasen dabei Texte von und über Herman Melville, Jack London und Ernest Hemingway. 24 Veranstaltungen stehen bis Ende September auf dem Programm. 

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Bei der Eröffnung des Literaturfest in der Galerie Herrenhausen lesen Charles Brauer und Christian Erdmann. 

Quelle: Hagemann

Hannover. Keine Zeile schrieben sie, ohne etwas riskiert zu haben. Drei Schriftsteller, drei Abenteurer. „Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst“, formulierte es Ernest Hemingway. „Es ist gut, das Gewitter zu reiten“, sagte einst Jack London. Und Herman Melville heuerte vier Jahre auf einem Walfänger an, bevor er seinen „Moby Dick“ zu Papier brachte. Wer also eignet sich besser als diese weltberühmten Autoren, um ein Lesefestival unter dem Motto „Abenteuer“ einzuläuten? Gestern Abend wurde das 10. Literaturfest Niedersachsen eröffnet. Die Galerie Herrenhausen war ausverkauft, zur Zuhörerschaft zählte auch etliche Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Und auf der Bühne? Erweckten die Schauspieler Charles Brauer und Christian Erdmann altbekannte Abenteuer zu neuem Leben.

„Wilde Dichter“ war die Lesung in der vor barocker Freskenmalerei strotzenden Galerie überschrieben.  

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„Wilde Dichter“ war die Lesung in der vor barocker Freskenmalerei strotzenden Galerie überschrieben. Der Titel beruht auf dem Buch „Wilde Dichter – Die größten Abenteurer der Weltliteratur“ von Rüdiger Barth und Marc Bielefeld. Gestern traten die beiden Autoren als Dramaturgen in Erscheinung, hatten für das Literaturfest eine packende Collage komponiert. Charles Brauer trug Auszüge aus ihrem Buch vor, skizzierte das Leben und Streben von Melville, London, Hemingway. In Wechselbeziehung dazu las Christian Erdmann Originalpassagen aus „Moby Dick“, „Das Feuer im Schnee“ und „Der alte Mann und das Meer“. Und der ganze Saal konnte es spüren: Hier hatten drei wagemutige Männer Literatur gelebt. Ob Meuterer, Austernpirat oder Stierkämpfer – ihre Biografien sind wahre Abenteuerromane.

Goldgräberstimmung

Als das Schiff „Excelsior“ 1897 in San Francisco anlegt und Goldgräber von unglaublichen Funden in Kanadas Wildnis berichten, bricht der Irrsinn aus: Der Reichtum ruft. 100000 Männer – unter ihnen Jack London – , treten die 3000 Kilometer lange Reise zum Klondike an. Doch Zehntausende kommen ums Leben. Eine lebensfeindliche Natur bei minus 50 Grad fordert ihren Tribut, wohlhabend werden nur wenige. Und heute? Die Goldgräber des 21. Jahrhunderts stürzen sich auf den Neuen Markt und holen sich im Aktientaumel blutige Nasen – aber halt nur im übertragenen Sinn.

Der 80-jährige Brauer und der halb so alte Erdmann traten mit der Gelassenheit langjähriger Bühnenprofis auf. Spannende Texte brauchen keine überbordende Theatralik. Je 20 Minuten widmeten die Vorleser den drei verblichenen Literaten – das hätte ruhig ein wenig mehr sein dürfen. Doch da gab es ja noch die Hamburger Bluesband „WellBad“. Eine dieser beseelten Gruppen, die jedes herausgekrächzte Wort, jeden Ton der E-Gitarre und jeden Schlag der Drums körpersprachlich umsetzen, in ruckendes Zucken und entrücktes Mienenspiel. Sänger Daniel Welbat, stimmlich zwischen Tom Waits und Leonard Cohen angesiedelt und in Herrenhausen als Frontmann zwischen römischen Herrschern und prallen Putten unterwegs – auch das war durchaus abenteuerlich.

24 Veranstaltungen bis Ende September 

Für die Macher des Literaturfestes hat der Nervenkitzel gerade erst begonnen: Wird man auch im Jubiläumsjahr wieder bei einer Auslastung von 90 Prozent landen, so wie in den neun Jahren zuvor? 24 Veranstaltungen stehen bis Ende September auf dem Programm, von der literarischen Nachtwanderung in Gartow über die Schatzinsel-Lesung auf einem Emsdampfer bis zum „Fernweh auf Schienen“ ab Bahnhof Bruchhausen-Vilsen. Bislang drehte sich das von der VGH-Stiftung ins Leben gerufene Festival um zeitlose Themen wie „Liebe“ und „Aufbruch“, „Zeit“ und „Freiheit“ – da dürfte das diesjährige „Abenteuer“ allemal konkurrenzfähig sein. In seinem Grußwort wies der Stiftungs-Vorstandsvorsitzende Friedrich v. Lenthe darauf hin, dass die Institution in den 15 Jahren ihres Bestehens schon mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben hat, um 790 karitative, wissenschaftliche und kulturelle Projekte zu fördern. Das niedersächsische Literaturfest ist sicher eines der lohnendsten.

  • Eintrittskarten für das bis Sonntag, 27. September laufende Festival kann man im Internet unter www.literaturfest-niedersachsen.de oder unter Telefon 0800/45 66 54 00 erwerben.
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