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Kultur Marina Perezagua über „Hiroshima“
Nachrichten Kultur Marina Perezagua über „Hiroshima“
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02:16 14.06.2018
Die Schriftstellerin Marina Perezagua. Quelle: FIL VIA EFE
Hannover

Geht’s noch ein bisschen größer? Wer mit der Explosion einer Atombombe beginnt und seitenlang über verbranntes Fleisch schreibt, hat ja eigentlich kaum Chancen, die Dramatik seiner Erzählung noch zu steigern. Doch der 1978 in Sevilla geborenen Autorin Marina Perezagua gelingt das. Die Bombe mit dem Namen „Little Boy“, die am 6. August 1945 in knapp 600 Metern Höhe über Hiroshima explodierte, zerstörte wesentliche Teile des Körpers der Erzählerin, die in dem Roman „Hiroshima“ nur als H. bezeichnet wird. Die Bombe verbrannte ihre Haut, und sie machte sie zur Frau. Zuvor war H. ein Hermaphrodit. Nun hat sie durch eine Verletzung das Geschlecht gefunden, dem sie sich zugehörig fühlt. Detailliert beschreibt die Autorin auch sexuelle Praktiken ihrer zur Frau gewandelten Protagonistin.

H. lernt Jim kennen, einen Kriegsveteranen, der in japanischer Kriegsgefangenschaft Schlimmes erlebt hat. Hier muss der Leser detaillierte Schilderungen von Folter aushalten. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Jims Adoptivtochter.

Der Debutroman von Marina Perezagua ist eine Geschichte über die Hibakusha genannten Überlebenden der Atombombe, über das, was Menschen eineinender antun können, über das Finden und Ausleben der eigenen Sexualität, über ein selbstbestimmtes Leben und über die Liebe. Das ist ein bisschen viel auf einmal. Zumal die Autorin auch eine gewisse Leidenschaft entwickelt, die Grenzen des Sagbaren durchaus zu sprengen.

Marina Perezagua: „Hiroshima“. Klett-Cotta. 374 Seiten, 24 Euro. Am Montag, 18. Juni, ist die Autorin um 20 Uhr zu Gast im Literarischen Salon der Uni Hannover, Königsworther Platz 1. Sie spricht mit der Romanistik-Professorin Anja Bandau.

Von Ronald Meyer-Arlt

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