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Incubus meldet sich mit seichtem Album zurück

Crossover-Band Incubus meldet sich mit seichtem Album zurück

Ein ruhiger Drahtseilakt: Nach fünf Jahren Pausen meldet sich die Crossover-Band Incubus mit einem seichten Album zurück – und muss sich Vergleiche mit Take That gefallen lassen.

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Die US-amerikanische Band Incubus kehrt mit einem seichtem Sound zurück.

Quelle: dpa

Ob jemand vom rechten Weg abkommt, ist immer auch eine Frage der Perspektive. Denn möglicherweise führt ja auch ein Richtungswechsel auf diesen ohnehin nicht bestimmbaren Pfad. Wer hätte beispielsweise Mitte der sechziger Jahre gedacht, dass sich die Beatles durch ihre plötzliche Experimentierfreudigkeit von einer Teenieband zu einer der stil­prägendsten Gruppen des vergangenen Jahrhunderts mausern sollten? Ob mit erweitertem Bewusstsein oder nicht, sei mal dahingestellt.

Für Incubus ließe sich diese Blickwinkelfrage derzeit ebenfalls diskutieren. Wobei im Gegensatz zu den Beatles natürlich noch unklar ist, wohin die Reise der Crossover-Truppe letztlich gehen wird. Fakt ist jedenfalls, dass die Band um Sänger Brandon Boyd und Gitarrist Mike Einziger mit ihrem aktuellen Album „If Not Now, When?“ ein ganz neues Incubus-Kapitel aufgeschlagen hat – und zwar ein sehr, sehr ruhiges. Die Bandmitglieder wissen, dass sie damit ein Wagnis eingegangen sind. Das Cover, auf dem Brandon Boyd balancierend auf einem Seil zu sehen ist, drückt es aus: ­Incubus 2011 – ein Drahtseilakt?

Häufung ruhiger Stücke ist für Fans zu viel

Gut, Balladen der Gruppe sind nichts Neues. Schließlich waren die Amerikaner erst durch das seichte „Drive“ im Jahr 2001 einem größeren Publikum aufgefallen. Aber die neuerliche Anhäufung ruhiger Stücke ist für manchen Fan zu viel. Incubus muss sich im Netz bereits mit Boybands wie den Backstreet Boys oder Take That vergleichen lassen. Für Rockmusiker dürfte es kaum ein vernichtenderes Urteil geben. Ähnlich erging es zuletzt auch den eigentlich gitarrenlastigen Killers, die sich für das jüngste Synthiepopalbum „Day & Age“ und die Single „Human“ von Fans beschimpfen lassen mussten. Auch Rockbands wie Linkin Park oder Dredg legten zuletzt mit poppigen Ausflügen bei ihrer Anhängerschar eine Bauchlandung hin.

Gitarrist Einziger entgegnet in Interviews, dass fehlende Aggressivität in den Stücken nun mal seinem aktuellen Lebensgefühl entspreche. Lässt man die vergangenen fünf Jahre seit Erscheinen des vorigen Albums „Light Grenades“ Revue passieren, liegt ein ruhigerer Incubus-Sound auch näher als der Cross­over-Funk der Anfangsjahre. Nach der Tour 2007 hatte die Band eine längere Pause angekündigt, die fünf Musiker gingen eigene Wege. Brandon Boyd widmete sich der Malerei. Mike Einziger begann ein Musikstudium in Harvard. Das Tourleben, das Studio, die Proben – alles schien weit weg. Entspannt fanden die Musiker wieder zusammen. Das spiegelt eben auch das neue Album wider.

Doch „If Not Now, When?“ muss nicht zwingend der Beginn einer ruhigeren Incubus-Ära sein. „Es ist ja nicht das letzte Album, das wir machen“, sagt Einziger. Das klingt ein bisschen nach Einknicken. Den Rockfans bleibt aber die Hoffnung, dass der Gitarrist auf Tournee seine Aggressivität wiederfindet – und den Distortion-Knopf an seinem Verstärker.

Incubus: „If Not Now, When?“

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Von Redakteur Stephan Fuhrer

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