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"Gurre-Lieder": Jubel für Konzert der Superlative

Kunstfestspiele Herrenhausen "Gurre-Lieder": Jubel für Konzert der Superlative

Es war ein Konzert der Superlative: Ingo Metzmacher, neuer Intendant der Kunstfestspiele Herrenhausen, hat im nahezu ausverkauften Kuppelsaal Arnold Schönbergs gewaltige "Gurre-Lieder" dirigiert. Mit von der Partie waren rund 500 Mitwirkende aus neun Chören und zwei Orchestern der Stadt.

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Volles Haus: Musiker und Sänger bei der Aufführung der "Gurre-Lieder" im Kuppelsaal.

Quelle: Rainer Droese

Hannover. Da muss Ingo Metzmacher mit beiden Händen zugreifen. Am Ende des Konzerts im Kuppelsaal wuchtet er die gewaltige Partitur von Arnold Schönbergs "Gurre-Liedern" zugeschlagen doch lieber quer auf das Dirigentenpult - die Noten sind so großformatig, dass sie sonst leicht herunterfallen könnten, wenn die Solisten sich beim Applaus daran vorbeischlängeln müssen. Fast zärtlich legt der Dirigent dann noch einmal eine Hand auf das Titelblatt: ein Dank an den Komponisten, der ihm, rund 500 Musikern aus Hannover und mehr als 3000 Zuhörern im bestens besuchten Kuppelsaal einen außergewöhnlichen Vormittag bereitet hat.

Es war ein Konzert der Superlative: Ingo Metzmacher, neuer Intendant der Kunstfestspiele Herrenhausen, hat im nahezu ausverkauften Kuppelsaal Arnold Schönbergs gewaltige "Gurre-Lieder" dirigiert. Mit dabei: rund 500 Mitwirkende aus neun Chören und zwei Orchestern der Stadt.

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Die Aufführung der "Gurre-Lieder" war Teil der Kunstfestspiele Herrenhausen, die Metzmacher seit diesem Jahr als Intendant leitet. Und sie wurde zu einem Signal für die neue Popularität des anfangs wenig beliebten Festivals: So viele Menschen haben sich noch nie für die Kunstfestspiele interessiert. Vermutlich werden es nun noch mehr werden, denn die "Gurre-Lieder" boten jede Menge Anlass, sich zu begeistern. Zum Beispiel das Stück selbst, das wegen seiner enorm großen Besetzung und der vielen technischen und konditionellen Schwierigkeiten, die es den Mitwirkenden stellt, nur sehr selten zu hören ist. Umso größer ist der Eindruck, wenn es tatsächlich einmal gespielt wird. In Hannover war das zuletzt vor 20 Jahren der Fall.

Da kann das Herz einen Sprung machen

Metzmacher dosiert den romantischen Überschwang des noch tonalen Stücks des späteren Erfinders der Zwölftonmusik sehr vorsichtig. Nur selten ist die ganze Macht des riesigen Orchester mit Musikern der NDR Radiophilharmonie und von der Musikhochschule und der neun Chöre im vollen Glanz zu erleben. Dann aber wirken die Klänge geradezu körperlich auf die Zuhörer ein. Wenn kurz vor Schluss erstmals die Frauenstimmen in das Stück einstimmen, kann das Herz des Zuhörers schon einen Sprung machen.

Auch ohne solche Momente der Überwältigung wäre die Aufführung außergewöhnlich genug gewesen. Metzmacher hat aus den Musikern und Sängern in kurzer Zeit ein erstaunlich homogenes Ensemble geformt, das sehr präzise zusammenspielt und flexibel wie ein Kammerorchester wirkt, wenn es darum geht, kurzfristige Korrekturen etwa der Lautstärke vorzunehmen. Dass Hannover gute Chöre hat, ist allgemein bekannt. Hier präsentieren sich nun Mädchenchor und Knabenchor, Bach-, Brahms- und Figuralchor, die Cappella St. Crucis und das Junge Vokalensemble, der Kammerchor und das Collegium Vocale als ein echtes Superensemble.

Singen als faszinierender Hochleistungssport

Beeindruckend ist auch die Riege der Solisten: Vor allem Tenor Stephen Gould ist auch physisch extrem gefordert - und klingt dabei doch stets souverän: Singen als faszinierender Hochleistungssport. Großes Format haben auch Sopranistin Anja Kampe, Altistin Okka von der Damerau und Thomas Quasthoff, der Schönbergs eingeschobenes Melodram als Sprecher besonders plastisch und stimmstark gestaltet.

Für ihn wie für viele andere Mitwirkende hebt Dirigent Metzmacher mitten in seiner kompexen Arbeit hin und wieder den Daumen, um seine Zufriedenheit zu demonstrieren. So locker und souverän ist kaum ein anderer Dirigent. Seine Rückkehr nach Hannover ist in jeder Hinsicht ein Glücksfall.

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