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Kultur Frau Hahn, können Sie sich an alle Ihre Konzert erinnern?
Nachrichten Kultur Frau Hahn, können Sie sich an alle Ihre Konzert erinnern?
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09:25 16.03.2018
Hilary Hahn. Quelle: Michael Patrick O'Leary
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Hannover

 Hilary Hahn spricht fast akzentfrei deutsch – nicht nur, weil ihre Vorfahren auf der Pfalz kommen: Sie spricht auch makellos japanisch. Fragen beantwortet sie aber doch lieber auf englisch – und wird wegen ihres rustikalen Baltimore-Akzents sofort recht schwer zu verstehen.

Frau Hahn, Sie zählen auf Ihrer Website fortlaufend die Menge der Konzerte, die Sie gegeben haben. Während wir sprechen, sind es 1594 Konzerte. Erschreckt Sie eine so hohe Zahl manchmal? 

Das sieht vielleicht viel aus, aber es ist ja mein Beruf und ich habe mein erstes Konzert mit zehn Jahren gegeben. Zählen Sie doch einmal die Menge der Mahlzeiten, die Sie in Ihrem Leben gegessen haben: Das ist so ähnlich und ergibt sicher auch eine erstaunliche Zahl. So gesehen gebe relativ wenig Konzerte. Viele von meinen Kollegen kommen auf sehr viel mehr. Ich versuche, möglichst jeden Auftritt zu genießen. Es macht einfach Spaß, das einmal als Übersicht zu sehen und zu überlegen, an wie viele Konzerte ich mich noch gut erinnern kann. 

Ein halbes Dutzend dieser Konzerte haben Sie in Hannover gegeben. Wie sieht es da mit der Erinnerung aus? 

Außer ein oder zwei Rezitals habe ich mehrfach mit der NDR Radiophilharmonie gespielt. Ein phantastisches Orchester! Hannover ist eine interessante Stadt mit eigener Geschichte, aber vor allem im Musikbereich auch sehr international. Eine gute Kombination. Die Zuhörer sind herzlich und interessiert, und dann gibt es auch noch den See vor dem Konzertsaal, an dem man schön spazieren gehen kann. Also: jede Menge gute Erinnerungen. 

Jetzt kommen Sie mit der „Serenade“ von Leonard Bernstein nach Hannover. Wie ist das Verhältnis einer Amerikanerin zum berühmtesten amerikanischen Musiker der Klassikwelt? 

Ich bin in einem Alter, in dem ich ihn hätte persönlich treffen können, doch unsere Pfade haben sich nie gekreuzt. Neulich habe ich aber seine Tochter kennengelernt. Und natürlich kenne ich viele Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet haben. In Amerika ist er eine zentrale Figur, nicht zuletzt wegen seiner Fernseh- und Radioserie, in der jungen Leuten Musik erklärt hat. Die „Serenade“ habe ich auf meiner ersten Europareise vor 25 Jahren gespielt. Interessanterweise kam der Impuls dazu aber nicht aus den USA, sondern von dem ungarischen Dirigenten Ivan Fischer, der mich mit dem Stück damals nach Budapest eingeladen hat. 

Hat es etwas zu bedeuten, dass Sie das Stück genau ein Vierteljahrhundert später wieder in Europa spielen? 

Ich liebe die „Serenade“ sehr, habe sie aber lange nicht gespielt, weil es etwas kompliziert ist, dass Orchester sie ins Programm nehmen. Bernsteins 100. Geburtstag in diesem Jahr hilft da natürlich. Ansonsten habe ich aber keine Agenda, was Programme betrifft. Am liebsten spiele ich die Musik, die ich gerade auch gerne höre. Dabei liebe ich den Kontrast, ich will eigentlich alles machen, was die Klassik zulässt. 

Das ist auch an Ihrem neuen Album zu erkennen, auf dem Werke von Bach und Mozart neben ganz neuen Stücken stehen. Im Begleitheft dazu sind lauter Bilder von Ihnen zu sehen, die Ihre Fans gemalt haben. Wie kommt man zu so einer Galerie? 

Das weiß ich eigentlich auch nicht. Ich zeichne selbst gern und freue mich sehr, wenn ich so etwas nach einem Konzert geschenkt bekomme. Ich zeige die Bilder seit einiger Zeit auf meiner Website, das ist vielleicht eine Motivation für den einen oder anderen. Die Leute wissen, dass ich so etwas sehr mag. Und für mich ist es sehr interessant, zu sehen, was ihnen so alles einfällt. 

Vielleicht kommen nach dem Konzert in Hannover ein paar Bilder dazu. Gibt es ein Motiv, das Sie sich schon immer gewünscht haben? 

Viele Leute malen ihre Bilder, während sie Musik hören. Das ist ein kreativer Prozess, den ich nicht durch Vorgaben einschränken will: Bei mir gibt es freie Auswahl!

Zur Person

Hilary Hahn ist 1979 im US-Bundesstaat Virginia geboren und in Baltimore aufgewachsen. Ihre Vorfahren kommen aus Deutschland. Ihr Debütkonzert gab sie 1989, seither gehört sie zu den erfolgreichsten Geigern der Gegenwart. Beim Label Deutsche Grammophon ist gerade ihr Album „Retrospective“ erschienen, auf dem sie neben Neueinspielungen von Mozart und Max Richter ihre Lieblingstitel aus bisherigen Aufnahmen versammelt – darunter auch eine Paganini-Aufnahme mit Eiji Oue. Am Sonntag, 18. März, 19.30 Uhr, spielt sie mit dem Houston Symphony Orchestra unter Leitung von Andrés Orozco-Estrada im Kuppelsaal. Auf dem Programm stehen Werke von Bernstein und Dvorák. Kartentelefon: (05 11) 12 12 33 33.

Von Stefan Arndt

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