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Frau Hundertmark, was ist das Besondere an „Horror“?

Theater am Aegi Frau Hundertmark, was ist das Besondere an „Horror“?

Seit Dienstag gastiert das Stück "Horror" im Theater am Aegi. Neben der für Theaterstücke außergewöhnlichen Thematik ist die Umsetzung filmischer Effekte mit viel Blut bemerkenswert. Wir haben die Hauptdarstellerin Silke Hundertmark interviewt.

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Silke Hundertmark im Bühnenbild des Stücks "Horror".

Quelle: Franson

Hannover. Seit Dienstag gastiert das Stück "Horror" des schwedischen Regisseurs Jakop Ahlbom im Theater am Aegi. Neben der für Theaterstücke außergewöhnlichen Thematik ist die Umsetzung filmischer Effekte auf der Theaterbühne bemerkenswert. Die letzten beiden Vorstellungen sind am Sonnabend um 17 Uhr und um 23 Uhr im Theater am Aegi. Karten gibt es unter (0511) 12 12 33 33.

Silke Hundertmark (44) hat Modernen Tanz an der Hochschule von Amsterdam studiert. In „Horror“ erkundet sie als Hauptdarstellerin das scheinbar verlassene Haus ihrer Kindheit, in der ihre sadistischen Eltern immer noch ihr Unwesen treiben.

 „Horror“ heißt die neue Show des schwedischen Regisseurs Jakop Ahlbom. 

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Hallo Frau Hundertmark, was ist das Besondere an „Horror“?

Viel Blut. Die Gruselatmosphäre und zum Ende hin ein unglaubliches Crescendo. Wir sind viele Leute, insgesamt acht, auf der Bühne – das Stück ist komplett durchchoreografiert. Gerade weil wir mit Effekten arbeiten, muss das Timing super präzise und genau sein. Es ist zwar eine Horrorgeschichte, aber nicht nur für Horror-Liebhaber. Das würde dem nicht Genüge tun.

Inwiefern?

Ich find’s nicht nur gruselig abschreckend. Die Geschichte ist dramatisch und hat poetische Momente, die das Gefühl ansprechen.

Sie sind ausgebildete Tänzerin und kennen Vorführungen ohne Sprache. Fiel Ihnen das bei dem gefühlsbetonten Stück „Horror“ genauso leicht wie bei anderen Produktionen?

„Horror“ war für mich eine besondere Herausforderung. Ich bin die Protagonistin und das heißt durch mich wird die Geschichte erzählt. Es hat eine Weile gedauert die Körpersprache zu finden, die es braucht, um Angst zu vermitteln so ganz ohne Schreien. Die Hauptdarstellerin ist eher passiv und die Dinge geschehen ihr. Die Herausforderung liegt da im Minimalen.

Außergewöhnlich  an „Horror“ ist ja auch, dass bestimmte Effekte, die der Zuschauer nur aus dem Film kennt, plötzlich – mit technischen Tricks – auf der Theaterbühne stattfinden. Zum Beispiel kriecht eine Hand wie von Geisterhand über die Bühne. Was war am schwierigsten zu realisieren?

Die Leiche, die sich mitten in der Luft auflöst. Und auch das Blut war eine Herausforderung: Das war auch ein richtiges Getüftel, weil es erst unkontrolliert überall hinspritzt oder es ist nur so’n Flatschen auf dem Boden. Am Anfang musste die erste Reihe im Publikum rot nach Hause gehen. Hier sitzt das Publikum weiter weg. Es ist rundum sicher in Hannover (lacht).  

Können Sie mir einen Trick verraten?

Nein, darf ich nicht. In meinem Vertrag habe ich unterschrieben, dass ich nichts verrate. Aber wir haben im Publikum Leute, die bis zu fünfmal zurückkommen, weil sie so gerne rausfinden würden, wie es funktioniert. Beim ersten Mal sieht man ja auch noch nicht alles und denkt, da hat man vielleicht was verpasst, weil man grade woanders hingeguckt hat.

Mögen Sie eigentlich Horror?

Nein, ich bin kein großer Horrorfan. Das Spielen macht total viel Spaß, weil es dynamisch ist und die Musik ist hinreißend. Nach 170 Vorstellungen ist mir nicht langweilig, ich entdecke immer etwas Neues.

Die Story von „Horror“ ist nicht nur blutig – sondern auch sehr spannend. Nimmt man da was mit nach Hause?

Das ganze Blut auf jeden Fall (lacht). Das Inhaltliche lasse ich im Theater. Jakop ist ja mein Mann und wir haben zwei Kinder, die sind mittlerweile elf und fünfzehn, aber als wir 2013 mit „Horror“ anfingen hat das schon viel Eindruck gemacht auf sie. Natürlich sind die Proben auch Thema bei uns Zuhause am Frühstückstisch.

Ist während einer Vorstellung schon einmal etwas schiefgegangen?

In einer Szene muss ich von einem Moment auf den anderen ein Kleid anziehen. Einmal ist das schiefgegangen und ich musste dann in Unterwäsche eine Essensszene spielen, die auch noch eine der dramatischten ist. Das Publikum merkt von solchen Momenten meist nichts. Wir mussten aber auch schon die Show unterbrechen in London, weil der Showrauch einen Alarm ausgelöst hat. Gerade vor dem Hintergrund, dass kurz vorher die Anschläge waren, war das eine heftige Situation.

Ihr habt „Horror“ bereits ist London und Amsterdam aufgeführt, seit Dienstag spielt ihr in Hannover. Ist das Publikum hier anders?

Die Bandbreite ist sehr groß. London ist ein wahnsinniges Extrem: Da wird das Stück auch mal fast totgelacht und es gibt viel Szenenapplaus. Wir sind erstaunt wie ruhig das Publikum in Hannover ist – Aber auch total glücklich über den guten Applaus.

Am Sonnabend fängt die letzte Vorstellung erst um 23 Uhr an – also mitten in der Nacht...

Das hatten wir so auch noch nicht. Die 23-Uhr-Vorstellung ist ein Experiment und wir sind schon sehr gespannt darauf.

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