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Kultur „Das Theater kann sich nur selbst retten“
Nachrichten Kultur „Das Theater kann sich nur selbst retten“
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00:15 02.10.2016
„Ich muss für eine Figur werben, auch wenn ich sie nicht verstehen kann“: Klaus Maria Brandauer gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspielern. Foto: dpa Quelle: epa apa Oczeret
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Herr Brandauer, Sie sind mit der musikalischen Lesung „Faust - ein gefesselter Prometheus“ am 3. Oktober in Hannover zu Gast. Welche Musik passt am besten zu Faust?

Es würde jede Musik passen, die es ermöglicht, die Gedanken und Worte weiter klingen zu lassen, die einen Resonanzraum für die Texte schafft und die den Faden weiterspinnt. Worte und Noten müssen sich gegenseitig verstärken, in Brand schießen. Starke Texte brauchen eine ebenso starke Musik, es muss quasi auf Augenhöhe weitergehen, so wie in der Oper. Sonst funktioniert es nicht, weil es keine innere Notwendigkeit gibt.

Goethe, Mann, Heine, …: Welches ist der beste Faust-Stoff?

Der Faust-Stoff an sich ist für uns so bedeutungsvoll, weil er einen zutiefst deutschen Konflikt beschreibt: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.“ Dass sich mit Goethe, Thomas Mann und Heinrich Heine die unterschiedlichsten großen Dichter dem Thema stellen, ist doch ein Ausweis dafür, dass uns das etwas angeht. Es gibt keinen Grund, die Texte miteinander zu vergleichen und zu bewerten. Wir versuchen da jetzt eine Schneise hindurchzuschlagen und das auf unsere Weise zu verorten.

Zuletzt haben Sie Shakespeares „Sommernachtstraum“ in Hannover als One-Man-Show aufgeführt. Jetzt sind sie wieder fast allein auf der Bühne zu sehen. Haben andere Schauspieler neben Ihnen dort keinen Platz?

Das ist Blödsinn, ich spiele derzeit so viel Theater wie lange nicht mehr: „König Lear“ am Burgtheater in Wien und „Der zerbrochene Krug“ am Berliner Ensemble. Und dann mache ich noch Abende, wo Musik im Spiel ist, weil ich da besonders gern dabei bin. Und auch da habe ich immer Partner auf der Bühne, manchmal ein ganzes Orchester oder auch nur einen Pianisten - so wie jetzt Sebastian Knauer. Ich sage immer, die Schauspieler müssen singen und die Musiker sprechen. Dadurch entsteht das Gesamtkunstwerk, zu dem wir alle hinwollen. Mit Musik ist dieser Weg eben besonders schön!

Wie ist das denn nun mit den Bösewichten: Liegen die Ihnen besonders? Und warum erscheint das so?

Ob sie mir besonders liegen, kann ich gar nicht beurteilen, es sind oftmals die besseren, weil interessanteren Rollen. Es ist nötig, einen Täter auch als Opfer zu zeigen, weil nur das ihn menschlich machen kann. Wenn das nicht gelingt, dann schafft man es nicht, das Publikum auf die Reise mitzunehmen. Ich muss für eine Figur werben, auch wenn ich sie nicht in allen Punkten verstehen kann. Bei extremen Figuren ist der Abgrund größer, der zu überbrücken ist. Vielleicht macht das ihre Attraktivität aus?

Sie stehen für das klassische Theater des Wortes und der Emotion. Sind Sie der Retter dieses Theaters?

Das Theater kann sich nur selbst retten, wenn es das denn nötig hat. Ich sehe viele Aufführungen, die mir gut gefallen und dann ist da immer auch viel Mist dabei. Das war vor vierzig Jahren auch schon so. Das Theater hat schon einige Krisen überstanden, man darf das nicht so hochhängen. Theater ist etwas zum Hingehen, es findet am Abend zwischen Bühne und Zuschauerraum statt und zwar immer wieder. Das Feuilleton ist wichtig, aber es ist nicht mit dem Theater an sich zu verwechseln.

Interview: Isabell Rollenhagen

Am Montag, 3. Oktober, 19.30 Uhr tritt Klaus Maria Brandauer gemeinsam mit dem Pianisten Sebastian Knauer in der Staatsoper auf. Karten unter Telefon : (05 11) 99 99 11 11.

Zur Person

Klaus Maria Brandauer ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Schauspieler. Der mit zahlreichen Preisen geehrte Österreicher hatte auch in Hollywood Erfolg: Für „Jenseits von Afrika“ erhielt er eine Oscar-Nominierung, im James Bond „Sag niemals nie“ spielte er den Bösewicht. Seit 1972 ist der 1943 geborene Brandauer Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater.

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