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Jahundertsänger Franz Mazura gastiert in Hannover

Rekordhalter aus Salzburg Jahundertsänger Franz Mazura gastiert in Hannover

Gäbe es einen Rekord im Rekordhalten bei Opernsängern – er würde wohl von Franz Mazura gehalten.Schließlich dürfte es kaum jemanden geben, der so lange auf der Bühne steht, wie der 1924 in Salzburg geborene Bassist. Nun singt er an der Staatsoper Hannover.

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„Die suchen mich hier noch immer“: Franz Mazura in der Kantine der hannoverschen Staatsoper.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Nachdem Franz Mazura zunächst als Schauspieler in Detmold engagiert war, gab er vier Jahre nach Kriegsende in Kassel sein Operndebüt. Von dort ging es über Stationen in Braunschweig und Mannheim bald auf die großen und auch nicht ganz so großen Bühnen der Welt.

Keine Oper ohne Mazura

Fragt man ihn, in welchem deutschen Opernhaus er in seiner langen Karriere noch nicht aufgetreten sei, hat er eine einfache Antwort parat: „In keinem.“ Und in Frankreich habe er auch überall gesungen. Weiße Flecken auf Mazuras Gastspielkarte gibt es höchstens in einigen ehemaligen Ostblockstaaten, die eine Zeit lang nur schwer zu bereisen waren. Vor allem war der Sänger Stammgast in Wien und New York, in Bayreuth und bei den Festspielen seiner Heimatstadt.

Ein Ende dieser außergewöhnlichen Karriere ist derweil nicht abzusehen. Gerade ist er in Hannover als Abraham in Giorgio Battistellis neuer Oper „Lot“ zu erleben – und in der nächsten Spielzeit ist der 93-Jährige bereits für Hans Werner Henzes Oper „Der junge Lord“ engagiert.
Dass er derzeit so häufig die Bahnreise von Mannheim nach Hannover antritt, liegt vor allem an seinem guten Verhältnis zum hiesigen Opernintendanten Michael Klügl. Vor neun Jahren hatte der ihn für die Produktion von Karl Amadeus Hartmanns Oper „Simplicius Simplicissimus“ engagiert und dabei endlich den ersten negativen Eindruck korrigiert, den Mazura kurz nach dem Krieg von Hannover gewonnen hatte: Nach einem Liederabend hatte ein hannoverscher Rezensent zwar den Sänger gelobt und seinen Lesern nahegelegt, sich dessen Namen zu merken – dann aber eben diesen Namen als „Hans Mazzura“ angegeben. „Die suchen mich hier noch heute“, sagt der Sänger.

Inzwischen hat er eine herzliche Zuneigung zur hannoverschen Staatsoper als „Ensembletheater alter Schule“ gefasst. Sie ist aber bei Weitem nicht der einzige Ort, an dem Mazura noch aktiv ist. Vor zwei Jahren war er bei Daniel Barenboims jüngsten Berliner „Meistersingern“ mit von der Partie. Alban Bergs „Lulu“ – sein langjähriges Paradestück – hat er zuletzt noch in Mailand und in Wien auf die Bühne gebracht.

Jedes Jahr zwei neue Rollen

Mazura war sich auch auf dem Höhepunkt seiner Karriere nicht zu schade, jenseits der prestigeträchtigen Landeplätze des Opern-Jetsets aufzutreten. Und er ist bis heute neugierig auf neue Rollen geblieben. „Für mich war früh klar, dass ich mich nicht nur auf die üblichen fünf Partien meines Faches beschränken wollte.“ Er ist seinem Vorsatz treu geblieben, in jedem Jahr mindestens zwei neue Stücke zu lernen – und hat inzwischen ein konkurrenzlos breites Repertoire.

Franz Mazura singt in „Lot“: wieder am 14. und 28. Mai.

So kam es, dass der Bassist als Einspringer eine Vorstellung sogar mehrfach retten konnte. In einer Mannheimer „Parsifal“-Vorstellung hat er einmal kurzfristig die Rollen von Gurnemanz und Klingsor an einem einzigen Abend übernommen. Eine vergleichbare Kraftanstrengung steht ihm in Hannover aber nicht mehr bevor: Die Partie des Sir Edgar in Henzes „Der junge Lord“ ist eine stumme Rolle.

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