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Kultur Professor Boerne singt
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00:15 28.03.2016
Von Daniel Alexander Schacht
Singen von Mond- und Sehnsucht: Jan Josef Liefers im Aegi. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Hallo, und einen wunderschönen guten Abend“ - so jovial begrüßt Jan Josef Liefers an diesem Abend das Publikum im Aegi. Zuvor hat er sich schon mit dem Song „Tiere im Wald“ als poetischer Neoromantiker mit Hasenmaske unter einem Bühnenbaum präsentiert, der so recht nur zu diesem Lied passt. Und E-Gitarrist Johann Weiß hat mit einem seiner langen, schluchzenden Gitarrenriffs klargestellt, dass diese Musiker mehr können als Softrock, Schlager und Chanson. Aber eben auch das. Und damit kommt Radio Doria seit Jahren gut an. Ebenso wie mit der Prominenz ihres lockeren Frontmanns, der auch Musikverächtern als der gestelzte Professor Boerne aus dem erfolgreichen Münster-„Tatort“ bekannt ist.

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"Ich habe noch ein zweites Standbein beim Film": Jan Josef Liefers garnierte seine Show im Theater mit unterhaltsamen Ansagen.

„Radio Doria“, hat Liefers vor dem Start der jüngsten Tour gesagt, „ist keine Liefers-Show.“ Schon klar. Aber nicht zuletzt wegen Liefers füllt sich der Saal des Aegi fast vollständig mit einem Publikum, in dem die meisten alle Songs kennen. Und das mehrheitlich aus Frauen besteht, und zwar gut zur Hälfte aus Müttern, wie Liefers mit der bereitwillig befolgten Bitte um ein Handaufzeigen feststellt. Eine junge Dame aus dem Publikum holt er auf die Bühne („Darf ich bitten - oder tanzen wir erst?“), dreht zur Rumba ein, zwei Runden mit ihr und bringt sie zum Platz zurück. „Ich bin aus einer Zeit“, sagt der 51-Jährige dazu, „da brachten wir die Mädels noch nach Hause, wenn wir mit ihnen fertig waren.“ Der Saal birst vor Lachen, Applaus prasselt, Wangen röten sich. Der Macho-Spruch geht hier einfach so durch, er dient ja als launige Einlage für den Übergang zum Song „So sieht man sich wieder“, der vom sentimentalen Erinnern an vermeintlich längst vergessene Zeiten handelt.

Das können viele im Saal nachempfinden. Denn Jan Josef Liefers und Radio Doria - das ist ein Mehrgenerationenprojekt, welches die Oma mit dem Enkel besuchen kann. Das ist ein Publikum, das auch Liefers‘ Kommentare schätzt, in denen er sich, ethisch unwidersprechlich, für Flüchtlingshilfe und gegen Rüstungsexport ausspricht. Und das auch dankbar klatscht, wenn er mit seiner „Tatort“-Prominenz kokettiert („Ich hab‘ noch ein zweites Standbein beim Film“). Geboten werden vor allem die zumeist von Liefers getexteten Songs der aktuellen CD „Freie Stimme der Schlaflosigkeit“, die von Mondsucht und Sehnsucht, von Glück und Schmerz, vom Älterwerden und Irgendwiedochjunggebliebensein handeln. Spätestens mit dem davon erzählenden Song „Verlorene Kinder“ hält es die meisten nicht auf ihren Sitzen. Zwar überprüft keiner die Liefers-Behauptung, dass die Sitzreihen nicht verschraubt und somit leicht zu entfernen seien. Aber von jetzt an tanzen fast alle eben in ihren Reihen, winken, klatschen und singen mit.

Kein Zweifel, das ist alles harmonisch arrangiert, mit treibenden Offbeats unterlegt, von einer perfekten Licht- und Nebelschau begleitet. Doch dass das Sextett (Liefers eingerechnet) musikalisch eigentlich breiter aufgestellt ist, steht auch außer Zweifel. Das demonstriert Radio-Doria-Bassist Christian Adameit als Sänger einer angemessen hardrockigen Version eines Stücks von Police. Dabei hält sich Liefers zurück, er greift dafür später noch zum Banjo und, fast dylanesk, zur Mundharmonika. Police und Punk und so, sagt Liefers später, das seien doch Vorbilder, an denen man wachsen könne.

Wir könnten auch anders, das demonstrieren solche musikalischen Exkurse. Doch dann würde Radio Doria vermutlich nicht so gut als Mehrgenerationenprojekt funktionieren. Und das fänden wohl (fast) alle im Saal schade. Stattdessen feiert man im Aegi lieber die eigene Begeisterung. Und die ist nach der zweiten Zugabe so riesig, dass Publikum und Band einander gegenseitig beklatschen. Und dass Liefers von der Bühnenmitte herab das Publikum mit seinem Ipad filmt und dabei den Abend in zwei Worten zusammenfasst: „Voll krass.“

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