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Kultur Jazz-Club feiert sein 50-Jähriges
Nachrichten Kultur Jazz-Club feiert sein 50-Jähriges
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00:15 01.09.2016
Von Rainer Wagner
Auf Zeitreise durch die Jazzgeschichte: Irvin Mayfield. Quelle: Behrens
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Hannover

Auf den ersten Blick sieht das nach einem Rechenfehler aus. Doch dass sich die Jazz-Club-Macher bei ihrem Ausflug in den großen NDR Sendesaal nicht verrechnet hatten, zeigte schon der enorme Besucherandrang. Und programmatisch ging die Rechnung auch auf, als man zur Feier den Geist New Orleans beschwor.

Zwar stand die legendäre „Wiege das Jazz“ längst im Schatten von Chicago und New York, als die Jazzfreunde in Hannover sich 1966 ordentlich organisierten. Da war sogar das erste New Orleans Revival schon wieder am Abklingen. Aber erstens hatten die hiesigen Jazzfreaks in den zwei Jahrzehnten nach dem Krieg ja viel Musikgeschichte nachzuholen. Und zweitens bewies Stargast Irvin Mayfield mit seinem Quintett, dass und wie der „Spirit of New Orleans“ lebt. Dass er zu Hause gerade etwas Ärger mit Zuschüssen und Spendengeldern für sein New Orleans Jazz Orchestra hat, passt ja auch zum Klischee der schwülen Südstaatenmetropole.

Mayfield ist ein Komponist, der nicht nur die Jazzgeschichte kennt und lebt. Da klingt der Orchesterpart, den die hiesige Lothar Krist Hannover Big Band gewohnt souverän serviert, in seinem „African Beat“ schon mal wie ein Echo auf Ravels „Bolero“.

Zweimal eine Stunde lang nimmt Mayfield die rasch animierten Fans mit auf eine Zeitreise durch die History of Jazz. Er beschwört die traditionellen Paraden der Jazzmusiker, und er führt selbst als Leittrompeter die Abschlussparade quer durch den Sendesaal an: Da kommt selbst der Fußboden ins Beben.

Natürlich wird der legendäre „Mardi Gras“ beschworen, der jährliche Faschingstrubel. Aber Mayfield widmet auch der aktuellen „Black Lives Matter“-Kampagne eine Art Requiem und tönt nicht nur auf seiner Trompete aggressiv, wenn er den Krieg ums Öl und gegen die Umwelt zum Leitmotiv nimmt. Eine Haiti-Reise hat ihn zu seinem „Voodoo Love Call“ inspiriert. Der Bayou-Sound darf nicht fehlen, und bisweilen stachelt er Lothar Krists Mannen an, als stünde gleich eine Big Band Battle an. Selten wird das Banjo geschlagen, aber zur Skiffle Musik vergreift sich Irvin Mayfield dann doch nicht.

Mayfield ist einer jener Trompeter, die sich anhören, als würden sie sich mit dem legendären „Hummelflug“ warmspielen. Aber sein Saxofonpartner Ricardo „Jojo“ Pasqual steht ihm an Fingerfertigkeit und heißem Atem nicht nach. Für den sanfteren Sound ist nicht zuletzt die warmherzige Sängerin Amber Matthews zuständig.

An New Orleans liebt Mayfield, dass die Leute dort noch zum Jazz tanzen. Das ist in den Sitzreihen des Sendesaals eher etwas schwierig, aber es reißt die Leute dann doch von den Stühlen, wenn Mayfield und seine Musiker zum Abschluss noch einmal die Jazzgeschichte im Schnelldurchgang durchstreifen.

Zum Abkühlen nach diesem gefeierten Auftritt stand für die Begeisterten noch Groove & Chill im notorisch überakustischen Foyer auf dem Programm, wo es DJ „Tiga“ Schwope mit Wattunterstützung leichter hatte als Achim Kück, der zum Einlass auf seinem Klavier gegen die lärmende Vorfreude des wartenden Publikums anspielte. Die freudige Erwartung war immerhin angebracht gewesen.

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