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Bei Till Brönner vergeht die Zeit wie im Flug

Jazz-Konzert Bei Till Brönner vergeht die Zeit wie im Flug

Till Brönner hat am Mittwochabend im Theater am Aegi gastiert. Vor dem Auftritt war das Jazz liebende Publikum etwas gespalten, doch der Auftritt des Trompeters beeindruckte. Er spielte ein Programm, dass über zwei Stunden seine Karriere reflektierte.

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Streiten sich zwei Jazzkenner nach dem Konzert im Theater am Aegi. Sagt der eine, ohne den smarten, medienerfahrenen Brönner wären nur 50 Leute hier. Sagt der andere, der Brönner würde aber auch ein Repertoire spielen, mit dem 1200 Menschen im ausverkauften Theater am Aegi etwas anfangen können. Etwa die beiden Songs zur Zugabe „Killing Me Softly“ von Roberta Flack  und den Welthit „Happy“ von Pharrell Williams. Das Repertoire wäre egal, meckert später der andere Jazzexperte. Brönner könne spielen, was er will. Die Songs hätten ihn nicht berühmt gemacht, sondern vielmehr seine Interpretationen. Dass dabei Brönner als adretter Anzugträger auftritt, der sich gewählt und passend zur Logik seiner Trompeten- und Flügelhornsoli auszudrücken weiß, hat wohl auch nicht bei der Karrierefindung geschadet.

Ein zweistündiges Programm, das seine Karriere gut reflektierte: Jazz-Trompeter Till Brönner gastierte im Theater am Aegi.

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Dem Popstar unter Deutschlands Jazzern dürften solche Diskussion reichlich schnuppe sein. Er lässt sich im Theater am Aegi feiern. Und das zu Recht. Er spielt ein Programm, dass über zwei Stunden seine Karriere reflektiert: edel arrangierten Soul-Jazz („Bumpin“), Funkiges („Blue Eyed Soul Medley“), herzerweichende Balladen („Once Upon A Summertime“) und relativ wenig von der neuen CD „The Good Life“. Ein Repertoire, dem Brönner und sein exzellent aufeinander eingespieltes Team einen eigenen, höchst eleganten Anstrich gibt.

Dabei erklärt Brönner gerne, warum er einen Film-Soundtrack wie „Three Days Of A Condor“ interpretiert. Oder einen Bossa Nova. Oder den Klassiker „Nature Boy“, bei dem er die in Hannover beheimatet Sängerin Kim Sanders als Gastsängerin auf die Bühne bittet.

Brönner ist ein Jazz-Vermittler, kein Bilderstürmer. Im gelingt das Kunststück, den Jazz aufzuhübschen, ihn mehrheitsfähig zu machen, ohne ihn seiner Tiefe und Ausdruckskraft zu berauben. Das Herzstück des Abends ist das Zusammenspiel mit Saxophonist und Flötist Markus Lindgren - Unisonopassagen wie im Blindflug, Dialoge voller Witz und Inspiration. Brönner gibt dem Zuhörer des Gefühl, er sei mitten dabei, wenn Kreativität sich logisch den Bann bricht, ohne in Beliebigkeit auszufransen. Dabei ist seine Band bis in’s Detail durchorganisiert - ganz nach dem Vorbild des legendären 70er-Jahre-Labels CTI. Schlagzeuger David Haynes, Bassist Christian von Kaphengst, die beiden Keyboarder Jasper Soffers und Jo Barnikel sowie Gitarrist Bruno Müller legen Brönner und Lundgren einen dezent groovenden Soundteppich, auf dem sich wunderbare Akzente setzen lassen. Ein Konzert, bei dem die Zeit wie im Flüge vergeht.

Von Bernd Schwope

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