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Kultur Jelinek Dramatikerin des Jahres
Nachrichten Kultur Jelinek Dramatikerin des Jahres
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09:31 09.06.2011
Elfriede Jelinek ist zum vierten Mal zur Dramatikerin des Jahres gewählt worden. Quelle: dpa (Archiv)
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Mühlheim

So oft erhielt niemand sonst den Mülheimer Preis: Zum vierten Mal ist Elfriede Jelinek zur Dramatikerin des Jahres gewählt worden. Die fünfköpfige Jury der Mülheimer Theatertage entschied sich in der Nacht zum Mittwoch mit drei der fünf Stimmen für die österreichische Literaturnobelpreisträgerin. Ausgezeichnet wird Jelinek für ihre Collage „Winterreise“, die sich gegen sechs Stücke anderer Dramatiker durchsetzte. Der Publikumspreis ging an Nurkan Erpulat und Jens Hillje für ihre Satire „Verrücktes Blut“. Insgesamt kamen für den Dramatikerpreis 119 Stücke infrage, die in der Spielzeit 2010/2011 auf deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt wurden.

Mit ihrer „Winterreise“ lehnt sich Jelinek an Franz Schuberts und Wilhelm Müllers gleichnamigen Liederzyklus an. Sie schafft eine trostlose gesellschaftliche Kälte in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Collage beschreibt verschiedene Aspekte der Gesellschaft - von der herzlosen Reaktion der Öffentlichkeit auf die Befreiung von Natascha Kampusch über den Finanzskandal um die Hypo Alpe Adria und die Bayerische Landesbank bis zur Verelendung alter Menschen, die grausam im Stich gelassen werden.

Dabei verweist Jelinek auch auf die Position des Künstlers in einer aufs Materielle versessenen Welt. Sie vergleicht sie mit einem Bettler, an dem die Menschen achtlos vorbeigehen. Nur scheinbar stehen die Szenen unverbunden nebeneinander: Tatsächlich verwebt die Dramatikerin sie zu einem System, gegen das sich die „Winterreise“ richtet.

Nach Jelinek fand Fritz Kater viel Anerkennung für sein Stück „we are blood“. Fritz Kater ist das Pseudonym von Armin Petras, dem Leiter des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin. Kater variiert sein Hauptthema einmal mehr: die Ungerechtigkeiten, die Menschen aus dem Osten in der vereinigten Bundesrepublik erleiden.

Die mit dem Publikumspreis ausgezeichnete Satire „Verrücktes Blut“ von Erpulat und Hillje spielt in der Schulwelt: Eine Lehrerin muss sich - zunehmend verzweifelt - dem Macho-Gehabe ihrer türkischstämmigen Schüler stellen. Als einem der jungen Männer eine Pistole aus der Tasche und ihr in die Hände fällt, ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf. Mit vorgehaltener Waffe sorgt sie für Ruhe und bringt ihren Schülern Schiller nahe. So sieht Erziehung im 21. Jahrhundert aus.

dpa

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