Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
So punkig ist das neue Album von Jennifer Rostock

„Genau in diesem Ton“ So punkig ist das neue Album von Jennifer Rostock

In der vergangenen Woche machten Jennifer Rostock mit einem politischen Musikvideo auf sich aufmerksam, obwohl die Pop-Punkband von solchen Themen bisher die Finger gelassen hat. Auch auf ihrem neuen Album "Genau in diesem Ton" gibt sich die Band politisch. 

Voriger Artikel
Warum wird man eigentlich 96-Hooligan?
Nächster Artikel
Auf dem Sprung: „The Dog Days are Over“

Frontfrau Jennifer Weist.

Quelle: Archiv

Usedom. Jennifer Rostock meldet sich mit einem neuen Album zurück. Doch ihr wohl bekanntester neuer Song befindet sich gar nicht auf der Platte. Vergangene Woche lud die Band ein Video auf ihrer Facebook-Seite hoch, darauf zu sehen und zu hören sind Sängerin Jennifer Weist und Keyboarder Johannes Walter. In gut zwei Minuten finden die beiden deutliche Worte für AfD-Wähler („Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“) - und sorgten im Netz für Furore. Mehr als 13 Millionen Mal wurde das Video angeklickt, über 215 000 Mal geteilt. Doch nicht jeder findet den Song gut, schon kurz nach der Veröffentlichung fand Sängerin Weist einen Drohbrief in ihrem privaten Briefkasten. Gegen den sie nun strafrechtlich vorgehen will.

Es wundert nicht, dass Jennifer Rostock sich in den Wahlkampf zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern eingemischt hat. Die Wahlberliner Weist und Walter stammen schließlich aus dem Bundesland, allerdings nicht aus Rostock, sondern von der Insel Usedom. Und es war gesellschaftskritischer Punkrock, mit dem die Band überhaupt erst aufgefallen ist.

Obwohl sie von Politik sonst eher die Finger lässt. Bei Jennifer Rostock geht es mehr um Menschen, Meinungen und das, was rauskommt, wenn man macht, was alle anderen tun. Am liebsten beackert Sängerin Weist in ihren Songtexten soziale Ungleichheit, Sexismus und Homophobie - neben all den Stücken über Selbstverlust und -findung, Alkohol und Feierei. Natürlich gibt es die auch auf dem neuen Album „Genau in diesem Ton“.

Von den kritischen Stücken bleibt jedoch nach dem ersten Hören am meisten im Gedächtnis haften. Wahrscheinlich wegen der bildhaften Sprache („Ich seh’ hier so viele Männer und so wenig Eier“) und der Wut, die in Weists Stimme mitschwingt. Für „Irgendwas ist immer“ und „Neider machen Leute“ findet Weists Stimme sogar zu der alten Hysterie zurück, die auf dem Debütalbum „Ins offene Messer“ so schön nach Rebellion klang. Man merkt allerdings, dass Weist seitdem Gesangsunterricht nimmt. Denn die unsauberen Kiekser in den oberen Tonlagen sind weg.

Trotz Wutattitüde ist Jennifer Rostock aber keine reine Punkband. Der Opener „Uns gehört die Nacht“ kommt als harmloser Poprock daher, der in jeder Disco gespielt werden könnte. Und „Wir waren hier“ könnte man glatt für ein Stück aus dem Repertoire von Silbermond halten. Für „Hengstin“ allerdings bedient sich Jennifer Rostock gekonnt an schweren Hip-Hop-Beats und Sprechgesang. Denn was könnte besser zu einem Song über die Reduzierung von Frauen auf ihren Körper passen als die Musik von Rappern wie 50 Cent und Co., bei denen Sexismus zum guten Ton gehört?

Mit „Genau in diesem Ton“ führt Jennifer Rostock fort, was eigentlich erst mit dem dritten Album „Mit Haut und Haar“ begonnen hat. Eine ausgewogene Mischung aus Wutpunk, massentauglichem Pop und schnörkellosen Balladen, gesungen von einer stimmlich immer ausgereifteren Jennifer Weist. Dass sie aber gern noch ein bisschen politischer werden kann, dürfte die Reaktion auf den AfD-Song bewiesen haben. Und Shit-storms hat die Band ja in den vergangenen sieben Jahren immer wieder an sich abprallen lassen, frei nach der Devise im Song „Neider machen Leute“: „Kann man liken, kann man lassen. Kann man nur nichts gegen machen.“

Isabel Christian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Billy Talent in Hannover

Billy Talent in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss-Life-Hall.