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Kultur Jimmy Eat World begeistern 1400 Zuschauer
Nachrichten Kultur Jimmy Eat World begeistern 1400 Zuschauer
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15:58 31.05.2018
Hingabe, Schweiß und Skinny Jeans: Jimmy-Eat-World-Sänger Jim Adkins im Capitol. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

„It’s been a long time, hanover“, ruft Jim Adkins. Und er hat Recht: Es ist wirklich lange her. Anfang der 2000er spielten Jimmy Eat World zuletzt in Hannover, im UJZ Korn. Damals war der Andrang so groß, dass die US-Amerikaner spontan ein Zusatzkonzert gaben. Am Mittwoch hat die Band um Jim Adkins im Capitol gespielt.

Und fast zwanzig Jahre später ist der Andrang immer noch groß: Das Capitol ist ausverkauft, die Zuschauer stehen eng gedrängt, singen mit, jubeln und tanzen zu dem unbekümmerten Post-Hardcore. Die Gitarrenriffs sind noch genauso prägnant („Futures“), die Texte eindringlich („Pain“). Die Bühne ist größer als damals und aus die Anfang 20-jährigen Schulfreunden sind mittlerweile alle Anfang 40. Auch die Melodien des neunten Studioalbums „Integrity Blues“ (2016) kommen sehr viel glatter und polierter daher, nicht mehr so roh wie noch ‘99 auf „Clarity“.

Prägnant und eindringlich: Jimmy Eat World haben am Mittwoch im ausverkauften Capitol gespielt. Hier sehen Sie die Bilder des Abends.

Vor der Bühne tummeln sich Mittvierziger neben Mittzwanzigern – einige Fans sind mitgewachsen, einige dazugekommen. Einige der Lieder, die sie an diesem Abend spielen, haben sie bereits im UJZ Korn zum Besten gegeben, „Bleed American“ oder „Lucky Denver Mint“ etwa. Gehört haben das damals die wenigsten: Auf die Frage, wer beim letzten Konzert dabei war, gehen nur wenige Hände im Capitol hoch.

Zwei Stunden spielen Jimmy Eat World gefühlvoll („Hear You Me“) und treibend („Bleed American“). Es ist verdammt warm im Capitol, nach wenigen Minuten kleben Adkins die Haare auf der Stirn, der Hals glänzt schweißnass. Die Melodien sind locker, der Sound leicht und nicht zu überladen, oft ruhig und einfühlsam. Adkins, Tom Linton, Rick Burch und Zach Lind beweisen oft an diesem Abend, dass sie keine Angst vor Entschleunigung haben.

Es geht um verlorene Liebe („I Will Steal You Back“) und Zukunftsangst („Futures“). Gerahmt von fahlem Straßenlaternenlicht singt Adkins hinebungsvoll Zeilen wie „Hey, don't write your-self off yet“ („The Middle“) oder „Love ain’t some magical thing“ („Love Never“) – so klingt Coming-of-Age ohne die übliche Kitsch-Ästhetik. Dazu tragen die Bandmitglieder Skinny Jeans, Schlabbershirt und lange Haare – Jimmy Eat World könnte wohl auch heute noch bei Abschlussbällen auftreten, ohne dass es komisch wäre.

Wie zeitlos die Lieder sind, zeigt auch das kürzlich veröffentlichte „The Middle“-Cover vom 16-Jährigen Schauspieler Gaten Matarazzo („Stranger Things“) – als Jimmy Eat World den Song 2001 veröffentlichte, war Matarazzo nicht mal geboren.

Aber ob die Abschlussball-Vibes weitere 18 Jahre halten? Für das nächste Hannover-Konzert sollte sich Jimmy Eat World vorsichtshalber nicht allzu lange Zeit lassen.

Von Kira von der Brelie

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