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Kultur Johannes Oerding mit Pop im kultivierten Rahmen
Nachrichten Kultur Johannes Oerding mit Pop im kultivierten Rahmen
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00:15 02.10.2017
Begleitet von 70 Musikern der NDR-Radiophilharmonie: Johannes Oerding. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Am Anfang, zwischen dem Eröffnungsstück „Tetris“, der Pop-Hymne „Wenn du lebst“ und dem von den Zuschauern im ausverkauften NDR Sendesaal mehrheitlich mitgesungen Hit „So schön“ wirkt der Mann mit Hut - ganz Profi - allerdings alles andere als aufgeregt. Eher schon freudig erregt. So viele Menschen im Sitzen vor und hinter ihm hätte er noch nie erlebt, scherzt der Hamburger. Und fährt fort. Das wäre ein „kultivierter Rahmen“ hier, mit den Symphonieorchester wirke seine „banale Vier-Akkord-Musik“ gleich intelligenter. Er fragt, ob er seine Zuhörer nun duzen darf oder siezen muss. Die Antwort ist großes Gelächter.

Johannes Oerding und Band spielen gemeinsam mit der NDR Radiophilharmonie im großen Sendesaal.

Für die Menschheit sind die beiden Abende im NDR Funkhaus ein kleiner Schritt, für den Popstar Oerding ein großer. Er ist noch relativ jung im Musikgeschäft, sein aktuelles Album „Kreise“ ist erst sein Fünftes. Aber alle waren sie erfolgreich. Mehr noch als vor ausverkauften Hallen zu spielen muss es ihn wie ein Ritterschlag vorkommen, seine Werke in diesem Rahmen veredelt interpretieren zu dürfen. Diese Ehre ist sich Oerding sehr wohl bewusst.

Von 70 klassischen Musikern begleitet zu werden schaffen sonst nur Popstars, die 20 Jahre nach dem Karrierezenit noch mal mit dem „Top Of The Pops“-Wanderzirkus die Klassik-goes-Pop-Karte ziehen. Oerding darf das jetzt schon. Und badet in einem Meer aus gefühlsintensivierenden Streichern und jubilierenden Bläsern, geerdet von den knackigen Rhythmen seiner angestammten Band. Auf diesem von Enrique Ugarte kontrastreich arrangierten Klangzauber entfaltet sich Oerdings warme, nuancierte Stimme, als wäre dies die natürlichste Umgebung für sie. Seine vor allem weiblichen Fans fühlen in diesem Kontext noch mehr, was der Oerding ihnen mit sich euphorisch steigernden Songs wie  „Weiße Tauben“, „Unser Himmel ist derselbe“ und dem abschließenden „Alles brennt“ sagen will. Zur Zugabe steht der ganze Saal. Und alle sind sich einig: Das war ja so was von „So schön“.

Von Bernd Schwope

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