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00:16 02.10.2015
Von Stefan Arndt
Allein auf der Bühne: Marina Graumann bei der ersten Vorrunde in der Musikhochschule.Foto: JJV Quelle: JJV
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Eine Violine ist kein Flügel: Man kann sich nicht dahinter verstecken. Für Geiger ist das Instrument eher eine Verlängerung des eigenen Körpers. Und man übertreibt nur wenig, wenn man damit nicht nur an Kinn, Arm oder Finger denkt, sondern auch die Seele. Im Klang der Violine schwingt stärker als bei den meisten anderen Instrumenten auch die Persönlichkeit eines Musikers mit. Wer allein auf der Geige spielt, gibt viel von sich preis.

Es ist also eine erhebliche Herausforderung, vor der die Teilnehmer des Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs derzeit stehen: Gleich in der ersten Vorrunde müssen sie sich in der hannoverschen Musikhochschule mit zwei Solostücken präsentieren. Um mit ihnen zu bestehen, braucht man nicht nur bemerkenswerte technische und musikalische Fertigkeiten. Man braucht auch viel Mut.

Vielleicht hat Johann Sebastian Bach deshalb schon vor mehr als 300 Jahren zur Aufmunterung und auch zur Versicherung seines ungewöhnlichen Ansinnens statt eines Titels die italienischen Worte „sei solo“ über seine Sonaten und Partiten für Geige allein geschrieben - du bist allein. Tatsächlich wirkt die Bühne des Richard-Jakoby-Saals sehr groß und sehr leer, wenn ein einzelner Geiger dort auftritt und den Wettbewerb mit der intimsten Musik beginnen muss, die das Geigenrepertoire bereithält.

Da überrascht es nicht, wenn etwa Marina Graumann den Vormittag ein wenig zögerlich eröffnet. Nervosität ist hier ein sehr nachvollziehbares Gefühl - und doch kann es fatal sein, denn in Konkurrenz zu 34 überaus versierten Kollegen kommt es auf jede Note an. Dass die Russin selbst eine überragende Virtuosin ist, beweist sie aber in einer Solo-Sonate von Eugène Ysaÿe. Kein Doppelgriff scheint zu weit, kein Lauf zu schnell und kein Lagenwechsel zu schwierig: Graumanns Vortrag ist hier eine Demonstration technischer Stärke.

Ein Prüfstein ganz anderer Art ist die „Romanze“ von Joseph Joachim, dem Namensgeber des Wettbewerbs. Sein Stück gehörte bislang in jeder Ausgabe zum Pflichtprogramm, und doch gewinnen manche junge Musiker ihr immer noch neue Seiten ab. Amalia Hall aus Neuseeland etwa bot eine ungewohnt zügige und doch zarte Variante, die ebenso aufhorchen ließ wie ihr lichtes Bach-Spiel. Für sie könnte sich die weite Anreise gelohnt haben: Es wäre ebenso schade wie verwunderlich, wenn man ihr im Laufe des Wettbewerbs nicht noch öfter begegnen würde.

Ob dieser Eindruck sich bestätigt und wer noch zu den Anwärtern auf den höchstdotierten Geigenpreis der Welt gehört, wird man in den kommenden Tagen genauer hören können. Heute wird die erste Runde mit Werken von Bach, Ysaÿe und Joachim ab 10 Uhr fortgesetzt, im zweiten Teil der Vorrunde präsentieren sich alle Teilnehmer von Mittwoch bis Freitag in der Musikhochschule noch einmal mit einem individuell zusammengestellten Recital. Freitag um 17 Uhr wird dann verkündet, welche zwölf Teilnehmer es in das Halbfinale geschafft haben.

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