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Kultur Reuter erhält Sachbuchpreis des NDR
Nachrichten Kultur Reuter erhält Sachbuchpreis des NDR
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00:20 28.11.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Ausgezeichneter Autor: Joachim Knuth (links), Programmdirektor NDR Hörfunk, überreicht Christoph Reuter die Urkunde für den Sachbuchpreis 2015. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Taschenkontrollen beim Einlass sind nicht die Regel, wenn im Schloss Herrenhausen ein Autor ausgezeichnet wird. Aber jetzt wurde am Eingang sehr intensiv in die Taschen der Besucher geschaut. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Zeiten ein wenig gewandelt haben, das liegt vor allem an einem der Preisträger. Christoph Reuter erhielt am Mittwoch den mit 15.000 Euro dotierten NDR-Kultur-Sachbuchpreis für „Die schwarze Macht“ - eine gründliche Recherche über den Aufstieg der Terrororganisation „Der islamische Staat“ und eine tiefe Analyse über deren Strategien zur Machtentfaltung.

„Man sieht zurzeit genauer hin, wer zum Feiern kommt“, erklärte Joachim Knuth, Programmdirektor NDR Hörfunk, die Eingangskontrollen. In seiner Eröffnungsrede sagte er: „Wir tun gut daran, verstehen zu wollen, was vor sich geht: Warum die Terrororganisation IS so mächtig hat werden können, dass sich Menschen von weither angezogen fühlen, verblenden und sich zum Mord anstiften lassen.“ Reuters Buch, sagte er, sei ein Werk, das dem Impuls der Aufklärung folge. Und: „Aufklärerisches Denken will die Welt heller machen.“

Der Preisträger Christoph Reuter im Gespräch mit HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt. Quelle: Hagemann

Das versucht auch ein anderes Werk. In „Auftrag: Menschenraub“ berichtet die Historikerin Susanne Muhle über die Entführungen von Bundesbürgern durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Auch dieses Buch, so betonte Knuth, trage „zum Verständnis der Gegenwart“ bei.

Die Gala im Schloss Herrenhausen ist traditionell zwei Büchern gewidmet. Neben dem NDR-Kultur-Sachbuchpreis wird auch der „Opus Primus“-Preis der Volkswagenstiftung verliehen. Susanne Muhle erhält den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis für ihre Studie, in der sie nachweist, dass zwischen 1950 und 1989 etwa 400 Personen in West-Berlin und der Bundesrepublik von der Stasi entführt worden sind. Einige der damaligen Täter leben immer noch unbehelligt unter uns.

Lehrreich sind beide Bücher. In ihrer Laudatio zu Christoph Reuters „Die schwarze Macht“ sagte die Publizistin Hilal Sezgin („Artgerecht ist nur die Freiheit“), dass man aus dem Buch viel über die Perfidie des IS lernen könne. „Es ist ein phänomenales Buch“, sagte Sezgin und lobte die „unglaubliche Akkuratesse und Wahrheitstreue“, mit der Reuter den „Islamischen Staat“ beschreibt. Und sie lobte die Zurückhaltung des Kriegsreporters: „Er ist sehr diskret. Ob in Interviews, Reportagen oder in diesem Buch: Er kokettiert nicht mit seiner Rolle.“ Sezgin warnte davor, den IS zu unterschätzen. Man sollte in ihm nicht nur „einen Haufen bärtiger Trottel erblicken, denen man mit ein paar Bomben den Kopf zurechtrücken könnte“.

Der Aufstieg des IS, seine Zusammensetzung aus Militärs und Geheimdienstleuten aus Saddam Husseins aufgelöster Armee und die „paranoide Kontrollbesessenheit“ seiner Führer waren Thema des anschließenden Gesprächs von Christoph Reuter und Hendrik Brandt, dem Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Reuter sagte, dass sich die Situation ein wenig geändert habe, die Medien seien heute - besonders nach dem Anschlag von Paris - eher bereit, sich mit einem komplizierten Sachverhalt wie der Existenz des IS zu beschäftigen.

Aber wie bringt man die Erkenntnisse über Terrorgruppen wie den IS an die Öffentlichkeit? Diese Frage versuchte eine von Ulrich Kühn moderierte Talkrunde mit Christoph Reuter, Hilal Sezgin, Hendrik Brandt, Joachim Knuth und Wilhelm Krull, dem Generalsekretär der Volkswagenstiftung, zu beantworten. Ein Ergebnis: Wer tief recherchierte Analysen will, sollte auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Heute gebe es „ein gigantisches Maß an Desinformation“, meinte Christoph Reuter, umso wichtiger sei es, skeptisch zu bleiben.

Und Hilal Sezgin betonte, dass es nicht nur Professoren seien, die auszeichnungswürdige Sachbücher schreiben würden, sondern auch Journalisten.

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Ausgezeichneter Autor: Joachim Knuth (rechts), Programmdirektor NDR Hörfunk, überreicht Christoph Reuter die Urkunde für den Sachbuchpreis 2015.
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