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Aufrüttelnde Lehrstunde im Kapitalismus

"Wem gehört die Welt" Aufrüttelnde Lehrstunde im Kapitalismus

Wer zieht die Strippen in der Welt? Hat die Politik alles unter Kontrolle oder übernehmen Finanzakteure das Ruder? In seinem Buch "Wem gehört die Welt?" fühlt Hans-Jürgen Jakobs den Machtverhältnissen im Kapitalismus auf den Zahn und malt den Zuhörern bei Leuenhagen und Paris ein düsteres Bild.

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Wem gehört die Welt?: Journalist Hans-Jürgen Jakobs liest bei Leuenhagen & Paris

Quelle: Linda TONN

Hannover. Die wahren Herrscher über die Welt agieren im Verborgenden. Ungeachtet von der Öffentlichkeit haben sie sich ein Imperium errichtet, basierend auf undurchsichtigen Netzwerken, Einfluss, Macht und Vermögen. "Das große Geld ist anonym", sagt der Volkswirt und Journalist Hans-Jürgen Jakobs und zeichnet den Zuhörern bei Leuenhagen & Paris ein düsteres Bild der globalisierten Welt, in der sich alle so gemütlich eingerichtet haben.

Der frühere Chefredakteur des Handelsblatts, der als Wirtschaftsredakteur für die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel geschrieben hat, will in seinem ambitionierten Report "Wem gehört die Welt?" nicht weniger als die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus aufdecken und erklären. Seine These: Schon jetzt zieht eine kleine Minderheit von Finanzakteuren die Strippen der Politik - Neokapitalismus nennt Volkswirt Jakobs dieses Phänomen.

Allerdings sind es keine Verschwörungstheorien, die der Autor und sein Team von 50 Journalisten auf den rund 700 Seiten darlegen. Auch wenn die Geschichten von Männern wie Larry Fink wie aus einem Wirtschaftskrimi klingen. Fink führt die Serie der 200 Porträts an, mit denen Jakobs sich den Verflechtungen von Macht und Politik nähert. Der US-amerikanische Unternehmer ist der Kopf des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock, der über die fast unvorstellbare Summe von 4,9 Billionen Dollar verfügt und Teilhaber in allen führenden Unternehmen der Welt ist.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stellt in diesem Größenverhältnis einen Bruchteil dar - deutliche Zahlen, die während der knapp zweistündigen Lesung für verständnisloses Kopfschütteln sorgen. Mit seinen leicht verständlichen Essays, die den Machern des Neokapitalismus, ihrer Macht und ihren Einflussbereichen ein Gesicht geben sollen, rüttelt der 60-Jährige auf, beinahe wie ein Aufklärer in einer undurchsichtig gewordenen Weltwirtschaft. 

Fast scheint es, als spiele die Politik in dem voluminösen Werk nur eine Nebenrolle. Allerdings werden zaghafte Lösungen angeboten. Dass Trump zum US-Präsident gewählt werde, die Briten für den Brexit stimmten und populistische Strömungen wie der Front National in Frankreich zunähmen, zeige nur, dass die Globalisierung ein Akzeptanzproblem habe, so Jakobs. Das System müsse korrigiert werden. Dafür sei es noch nicht zu spät.

Hans-Jürgen Jakobs, "Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus", KNAUS, gebunden 36 Euro.

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