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Kultur Juan Diego Flórez und die NDR Radiophilharmonie bei Pro Musica
Nachrichten Kultur Juan Diego Flórez und die NDR Radiophilharmonie bei Pro Musica
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02:16 18.04.2018
Jugendliche Emphase, aber immer stilvoll: Juan Diego Flórez mit Dirigent Ricardo Minasi und der Radiophilharmonie. Quelle: Nele Haller/NDR
Hannover

 Hier die Opernpremiere, dort zeitgleich das Gastspiel eines Opernweltstars. Das sieht nach einer schwierigen Entscheidung aus, doch zumindest den Melomanen, denen Stimmzauber wichtiger ist als die möglicherweise überambitionierte Bildersprache einer Neuinszenierung, fiel die Wahl nicht schwer. Zumal Praktiker und Pragmatiker wussten, dass sie die neue „Aida“-Produktion der hiesigen Staatsoper noch öfter sehen können, dass aber Juan Diego Flórez nicht alle Tage nach Hannover kommt. 

Noch ein paar mehr Besucher hätte man diesem Pro-Musica-Konzert im Kuppelsaal aber doch gegönnt, zumal die NDR Radiophilharmonie dieses Heimspiel zum Abschluss einer kleinen gemeinsamen Tournee souverän absolvierte. Nicht immer haben Sängerstars ein so konzentriert aufspielendes Orchester als Partner. Und einen so kompetenten Dirigenten wie Ricardo Minasi, der Stimmung und Spannung gleichermaßen abrufen kann: ein Mann mit Zukunft. 

Wie spannend so eine Entwicklung sein kann, wenn sie glücklich verläuft, zeigt der Star des Abends. Der Peruaner ist derzeit wohl der beste seines Fachs. Doch der 45-Jährige nicht nur ein ebenso virtuoser wie wohlklingender „Tenore di grazia“ ist, der die berühmt-berüchtigten neun hohen Cs des Tonio aus Donizettis „Regimentstochter“ souverän abfeuern kann. Flórez bewährt sich mit kluger Arienwahl auch als lyrischer Tenor. 

Jüngst hat er eine CD mit Mozart-Arien vorgelegt: Als „Zauberflöten“-Tamino startet er - nach der pointierten „Titus“-Ouvertüre zum Auftakt - in Hannover auch seine Arienauswahl. Selten wird „dies Bildnis“ so „bezaubernd schön“ besungen. Mit klarem, lyrischem Ton, mit jugendliche Emphase, aber immer stilvoll. In der konventionelleren Mozart-Arie aus „Il re pastore“ darf er ganz unaufgeregt und doch aufregend ein kleines Koloraturenfeuerwerk abbrennen, ehe es nach einer punktgenauen „Giovanni“-Ouvertüre zu Glucks „Orphée“ geht: kämpferisch in der Anrufung der Götter, schmerzvoll in der Klage um seine Eurydice; Flórez kommentiert diesen Stimmungswandel mit einem lakonischen „I have to reset“. Da er bei seinen kleinen Ansagen seine Stimme eher schont, verstehen das allerdings wohl nur die Vornesitzenden, aber das Singen ist schließlich wichtiger als das Sprechen. 

Für Donizettis „Lucia di Lammermoor“ marschiert das ganze Blech der Radiophilharmonie auf, Baßposaune inbegriffen. So entstehen die düsteren Farben, vor denen Flórez die Grabgesänge des Ernesto anstimmt. 

Bei zwei Massenet-Arien mischt der Tenor charmante Eloquenz ein und belässt dem liebesverwirrten „Werther“ die angemessene Jungenhaftigkeit. Als Herzog von Mantua ist er mal der „terrible guy“ (O-Ton Flórez), mal der klagende Liebende. Den Hallodri des „La donna è mobile“ lässt er allerdings weg und rundet sein Verdi-Bild als Alfredo aus der „Traviata“. 

Da ist die Begeisterung groß. Flórez greift zur Gitarre. Erst widmet er seiner anwesenden Ehefrau die Schnulze „Deine Liebe ist mein ganzes Leben“ und adelt den deutschen Schlager durch Schmalzverzicht, danach wird es lateinamerikanisch. Die Taubenbeschwörung „Cu-cu-rru-cu-cu paloma“ darf nicht fehlen. Und kein Latino Tenor geht ohne „Granada“; die Schmonzette wird vom Star, dem gut gelaunten Orchester und seinem noch besser aufgelegten Dirigenten als augenzwingernde Show mit ungewollter Rosenentblätterung präsentiert. 

Da waren alle von den Beinen. Bellisimo? Besser: Belcantissimo!

Von Rainer Wagner

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