Volltextsuche über das Angebot:

24°/ 11° wolkig

Navigation:
„Jugend musiziert“ gehen ältere Teilnehmer aus

Wettbewerb „Jugend musiziert“ gehen ältere Teilnehmer aus

Dem Wettbewerb „Jugend musiziert“, der an diesem Wochenende auf der Regionalebene in Hannover beginnt, gehen die älteren Teilnehmer aus – und dem Landesjugendorchester die Mitglieder.

Voriger Artikel
Ägypten fordert offiziell Büste Nofretete zurück
Nächster Artikel
Dietmar Hübner: „Philosophie kann klären“

Diese drei Jungen haben Spaß beim Musizieren – und noch genug Zeit dafür.

Quelle: Kristoffer Finn

Die musikalische Bildung im Land ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Durch eine bundesweit vorbildliche Zusammenarbeit zwischen den Schulen und außerschulischen Organisationen wie Musikvereinen, Musikschulen oder Posaunenchören können viele Kinder, die teilweise zuvor keine Chance auf eine musikalische Ausbildung hatten, ein Instrument lernen oder im Chor singen. Der Bereich boomt: Noch immer kommen neue Ideen und Initiativen dazu, noch immer werden es mehr Kinder, die an solchen Projekten teilnehmen.

Vor lauter Begeisterung über diese Entwicklung hat man offenbar eine wichtige Frage aus den Augen verloren: Was passiert, wenn die Kinder, deren Begeisterung für die Musik einmal geweckt ist, Jugendliche werden? Die jüngsten Zahlen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“, der an diesem Wochenende auf der Regionalebene in Hannover beginnt, lassen aufschrecken: Während die ältesten Teilnehmer 1998 mit mehr als 20 Prozent noch fast die größte Gruppe waren, ist ihr Anteil in diesem Jahr mit 1,32 Prozent nahezu bedeutungslos. Auch wenn diese Zahlen in Hannover extrem sind: Daniela Aßmus von der hannoverschen Organisation des Wettbewerbs kann in jedem Jahr feststellen, dass sich der Trend zu erhöhten Teilnahmerzahlen in den unteren Altersgruppen bei den oberen nicht fortsetzt. Tatsächlich ist dort auch in den absoluten Zahlen ein Rückgang zu beobachten. Ein „deutlicher Bruch“ sei auch in diesem Jahr bei Jugendlichen ab 15 Jahren zu beobachten, sagt sie.

Für Hannes Piening vom Landesmusikrat Niedersachsen ist das längst kein Zufall mehr: „Wir haben in den vergangenen Jahren bei allen Regionalwettbewerben im Land einen signifikanten Rückgang der älteren Teilnehmer“, sagt er. Als wichtigsten Grund dafür nennt Piening die höheren Anforderungen in der Schule, vor allem durch die verkürzte Schulzeit bis zum Abitur. Dem stimmt auch Klaus Bredl vom Landesverband niedersächsischer Musikschulen zu: „Die Leistungsbereitschaft der Jugendlichen ist nach wie vor da – nur ihre Zeitfenster werden immer schmaler“, sagt er. Während die älteren Schüler an den Musikschulen früher wie selbstverständlich neben dem Instrumentalunterricht noch in Kammermusikgruppen oder im Musikschulorchester gespielt hätten, müssten sie heute oft darauf verzichten, um für die Schule zu arbeiten. In den vergangenen Jahren sei sehr viel in die frühkindliche Breitenarbeit investiert worden, findet Bredl, Lösungen für die Probleme der Folgezeit gebe es aber nicht. „Da ist nicht weitergedacht worden“, sagt er.

Dringenden Handlungsbedarf sieht man auch bei musikalischen Förderprojekten wie dem Landesjugendorchester, denen die Teilnehmer ausgehen. Der Aufwand, gute Musiker zu finden, sei in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, sagt Hannes Piening: „Vor zehn Jahren hatten wir bei einem Flötenprobespiel noch fünf Bewerber. Heute können wir schon von Glück sagen, wenn es einer ist.“

Abschreckend wirken dabei für viele Schüler offenbar die zeitintensiven Arbeitsphasen des Orchesters in den Ferien – sie wollen oder müssen die unterrichtsfreie Zeit zum Lernen nutzen. Durch die verkürzte Schulzeit bis zum Abitur bleiben viele Jugendlichen außerdem nicht so lange in dem Ensemble wie in den vergangenen Jahren. Waren die jungen Musiker früher noch mit 19 Jahren im Orchester, spielen sie heute nur bis 17 oder 18. „Ausgerechnet dann, wenn die Jugendlichen den Werken musikalisch und technisch gut gerecht werden können, gehen sie schon wieder weg“, sagt Piening. Das Niveau, das man vom Landesjugendorchester bislang gewohnt ist, werde man so bald nicht mehr halten können.

Am Sonnabend (9–17 Uhr) und Sonntag (9.30–13.30 Uhr) wird der Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in den Bereichen Bläser- und Streicherkammermusik, Klavier und Harfe in der Musikschule Hannover, Maschstraße 22–24 ausgetragen. Alle Vorspiele sind öffentlich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Langenhagen
Die Schüler der Orchesterklasse spielen auf der Bühne des Theatersaals eine eigene CD ein.

Die Klasse 10.6 der IGS Langenhagen hat sich einiges vorgenommen: Die Schüler der Orchesterklasse wollen nach sechs Jahren des gemeinsamen Spielens zum Abschluss eine eigene CD herausbringen. Wenn alles klappt, wird das Produkt im Juni auf den Markt kommen.

mehr
Mehr aus Kultur
David Garrett im HCC

Stargeiger David Garrett begeistert das Publikum am Freitagabend im HCC.