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Kultur Musical Factory Hannover zeigt "Non(n)sens" im Sofaloft
Nachrichten Kultur Musical Factory Hannover zeigt "Non(n)sens" im Sofaloft
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00:15 02.10.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto Tim Schaarschmidt / da capoDas Musical Non(n)sense Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Hannover ist City of Music. Aber noch längst nicht City of Musical. Das zu ändern, hat sich Julia Goehrmann vorgenommen. Die musicalerprobte Schauspielerin und Sängerin hat eine Gesellschaft für Musicalproduktion gegründet. Die „Musical Factory“ soll ein bisschen Broadway-Glamour nach Hannover bringen. Jetzt hatte die erste Produktion der Factory Premiere: das Musical „Non(n)sens“ über fünf Nonnen, die nach einem Unglücksfall im Orden (erheblicher Mitgliederschwund durch tödliche Fischsuppe) eine Benefizgala veranstalten, um die gestorbenen Ordensschwestern würdevoll unter die Erde zu bringen.

Spielort: eine Art Lagerraum im Möbelhaus Sofaloft. Als Regisseur konnte Julia Goehrmann Gerhard Weber gewinnen, den früheren Intendanten der Landesbühne, der Hannover 2004 verlassen hatte, um das Theater Trier zu leiten. Jetzt ist er eigentlich im Ruhestand.

Jubeln für Mutter Oberin

Was wäre das für eine großartige Geschichte für ein Musical: Eine Sängerin wird zur Produzentin, engagiert vier tolle Kolleginnen, die singen und tanzen und schauspielern können, überzeugt ihren früheren Regisseur doch noch einmal inszenatorisch tätig zu sein, gewinnt bekannte Musiker, mischt ein Möbelhaus auf und gewinnt die Herzen der Stadt im Sturm. Nur diesen verstockten Kritiker, der es hasst, im Takt mitzuklatschen, der sich weigert, ins geforderte „Wooo, Wooo“-Gejubel einzustimmen, wenn Mutter Oberin erscheint, den vermag sie nicht zu überzeugen. Aber egal: Am Ende wird der alte Mann einfach niedergesungen und übertanzt. Ja, das wäre ein tolles Musical.

Und es wäre wohl auch spannender, stichhaltiger und nachvollziehbarer als „Non(n)sens“. Das Off-Broadway-Musical von Dan Goggin, das immerhin in 26 Sprachen übersetzt wurde, hat den Nachteil, in weiten Teilen nur eine Nummernrevue zu sein: Jede Nonne darf mal an die Rampe und ihre Geschichte erzählen. Das ist oft nicht sehr zwingend. Problemlos hätte man den einen oder anderen Song (eingängige Melodien zwischen Pop und Gospel) streichen können. Und müssen. Dem Stück hätte das gut getan – zweieinhalb Stunden Spieldauer (mit Pause) sind zu lang.

Das Kreuz mit dem Laufsteg

Wobei: Das Ensemble ist hochprofessionell und wirklich großartig. Dorina Pascu als Mutter Oberin schafft es, mit einem strengen Blick die ganze Szene vereisen zu lassen. Angelina Arnold als vergessliche Maria Amnesia würde auch auf der Opernbühne bestehen können, und Victoria Müller als Schwester Maria Hubert hat viel Schwung und jede Menge Feuer. Eine Entdeckung!

Aber die hervorragenden Darsteller haben mit den Problemen des Raums zu kämpfen. Die Bühne im Möbelhaus ist eine Art Laufsteg in Kreuzform. Der Vorteil: Die Darstellerinnen sind den Zuschauern immer sehr nah. Der Nachteil: Das Spiel zerfasert. Regisseur Gerhard Weber kennt die Probleme solch einer schlauchartigen Raumbühne. Stets werden nur wenige Zuschauer direkt angespielt. Weil sich die anderen leicht ins Abseits gestellt fühlen können, sorgt er dafür, dass überall etwas passiert. Und das ist dann leicht zu viel. So werden Aktionen oft sinnlos verdoppelt.

Weil alles immer in Bewegung sein muss, wirkt manches zerfuchtelt, verzappelt und überinszeniert. Als hätte man Angst vor ein bisschen Einkehr und Konzentration – und das bei einem Stück über Nonnen.

„Non(n)sens“: Bis 19. November im Sofaloft, Jordanstr. 26.

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