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Auf der Spur des Besonderen

Junges Philharmonische Orchester beim NDR Auf der Spur des Besonderen

Auch in diesem Sommer stimmt wieder die Mischung beim Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen. Gleich zu Beginn seines Konzertes im Großen NDR-Sendesaal muss es sich hellwach präsentieren.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Hannover . Dreimal lässt Mendelssohn Bartholdy zu Beginn seiner Ouvertüre zu „Ruy Blas“ markante Blechbläserakkorde erschallen. Diese erklingen als drei Weckrufe, zwischen denen die Streicher zweimal Anlauf nehmen, um schließlich nach dem dritten Ertönen das Hauptthema mit Esprit funkeln zu lassen. Hellwach musste sich also das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (JPON) gleich zu Beginn seines Konzertes im Großen NDR-Sendesaal präsentieren.

Auch in diesem Sommer stimmt wieder die Mischung beim JPON. Die „Fünfte Jahreszeit“ nennt das Orchester die zweiwöchige Proben- und Konzertphase, bei der Musikstudenten, qualifizierte Laien und zukünftige Profis zusammenkommen. Unter den 120 Mitgliedern (die allesamt nach der Pause in Schostakowitschs 7. Sinfonie zum Einsatz kamen) befinden sich aber auch etablierte Musiker aus Berufsorchestern. Dem Dirigenten Andreas Schüller, Chefdirigent der Staatsoperette Dresden sowie Leiter des JPON seit 2008, kann das nur recht sein. Und dem Publikum auch. Bestes Beispiel für diese Professionalität war das von der kleinen Trommel perfekt durchgehaltene zweitaktige Rhythmusschema, das Schostakowitsch im Marschthema des 1. Satzes seiner „Leningrader Sinfonie“ als musikalisches Agitationsmittel für eine riesige Klangsteigerung einsetzt.

Nie erlahmende Kondition, das Setzen bestens austarierter Klangfarben und viel Energie bei insistierenden Themenkomplexen wurden schließlich zum Nährboden für die finale Meisterleistung des Orchesters: die souverän bewältigte Schlussapotheose. Umso bemerkenswerter war, dass danach Mendelssohns vor der Pause von Tobias Feldmann gespieltes Violinkonzert e-Moll keineswegs in der Erinnerung verblasste.

Dessen Interpretation war Romantik pur – technisch immer bravourös, mit Schmelz und oft auf der Spur des Besonderen. Gerade weil dies eines der meistgespielten Violinkonzerte ist, zeigte der dritte Preisträger des letzten Joseph Joachim Violinwettbewerbes, dass er sich immer mehr zum Hochkaräter entwickelt: Selten lässt man sich von Mendelssohns Brillanz und schwärmerischer Melodik so einfangen – ein weiteres Meisterstück dieses mit Ovationen bedachten Abends.

Von Günther Helms

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