Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Justice League“ – Immer diese Heldenverbünde!
Nachrichten Kultur „Justice League“ – Immer diese Heldenverbünde!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 15.11.2017
Die Kraft des Kollektivs versagt: Aquaman (Jason Momoa), Wonder Woman (Gal Gadot), The Flash (Ezra Miller) und Cyborg (Ray Fisher). Quelle: Foto:
Anzeige
Hannover

Im Genre der Superhelden-Filme konkurrieren die Comic-Häuser Marvel und DC um Marktanteile. Dabei hinken die DC-Kollegen, was die Vernetzung ihrer Werke angeht, immer ein wenig hinterher. Marvel hat in den vergangenen Jahren seine kreativen Ressourcen in einer kunstvollen Franchise-Choreografie mit maximalem Profit abgemolken. Das gilt besonders für die „Avengers“-Filme, in denen das stetig wachsende Arsenal firmeneigener Superhelden im Kollektiv zum Geldscheffeln antritt.

Gal Gadots Soloauftritt als Superheldin weckte Erwartungen

Das Konzept versucht DC mit „Justice League“ zu kopieren. Schon in „Batman vs Superman: Dawn of Justice“ hatte man im Vorjahr die Personal-zusammenlegung erprobt – und war mit einem inspirationslosen Additionsverfahren baden gegangen. Die Erwartungen an die zu Gerechtigkeitsliga wären also bescheiden – wäre da nicht im Sommer noch die DC-Heroine „Wonder Woman“ aufgetaucht, die dem Superhelden-Gewerbe endlich den notwendigen femininen Input injizierte. Aber nun macht Regisseur Zack Snyder da weiter, wo er mit „Batman vs Superman“ aufgehört hat.

Zu Beginn des Filmes trauert die Welt um Superman (Henry Cavill), der im Zuge des Hahnenkampfes mit seinen Konkurrenten Batman ums Leben gekommen ist. Natürlich wittert das Böse nach dem Abgang des Universalretters seine Chance. Der missgelaunte Steppenwolf – ein großer Mann mit Wasserbüffelgeweih, Feueraxt, Akneproblemen und postödipalen Störungsmustern – tritt mit einer Heerschar von blutrünstigen Riesen-Moskitos auf, um zu tun, was Männer seines Formats eben tun: die Welt vernichten. Dafür braucht er aber noch mehr Superkräfte, die in drei magischen Würfeln einlagern, welche es zu finden und miteinander zu verschmelzen gilt.

Null Gruppendynamik im Heldenkollektiv

Batman leidet derweil unter Schuldkomplexen wegen des Ablebens von Superman. Dennoch stellt er ein Team zusammen, das tun soll, was Helden eben tun: die Vernichtung der Welt verhindern. Mit von der Partie sind neben Wonder Woman (Gal Gadot), der Hochgeschwindigkeits-Bubi Flash (Ezra Miller), Meeresgott Aquaman (Jason Momoa) sowie der mit kryptonscher Hochtechnologie aufgepeppte Cyborg (Ray Fisher).

Eine gefühlte Ewigkeit hält sich Snyder mit der Rekrutierungsphase auf und kann dann mit seiner Vollversammlung nichts anfangen. Null Gruppendynamik im Heldenkollektiv, was logisch ist, weil man dafür schlüssige Figurencharakterisierung bräuchte. Nach ein paar zerdehnten Scharmützeln ist klar, dass auch die Kraft des Kollektivs dem Steppenwolf nicht beikommt. Da passt es gut, dass tote Superhelden nie mausetot sind und Henry Cavill sich auch in Zukunft auf regelmäßige Studiohonorare freuen kann.

„Wonder Woman“ wird zur Psychotante herunter gedimmt

Strohdummes Drehbuch, humorlose Dialoge, die für ein Team unproduktive Fixierung auf einen Obersuperheld, das Kinn von Ben Affleck, das unvorteilhaft unter der Batman-Maske hervorlugt – „Justice League“ hat viele Probleme, aber das größte heißt Zack Snyder. Der Mann kann nur Macho und Digital-Krawall. Das ist sogar im Superhelden-Gewerbe zu wenig. Symptomatisch, dass „Wonder Woman“ nach ihrem furiosen Solo-Start unter der Regie von Patty Jenkins zur Psychotante herunter gedimmt wird.

Während die Amazone darüber sinnieren muss, dass sie zwar zur Kämpferin aber nicht zur Anführerin geboren ist, wird wenig später der kühlschrankgroße Brustkorb des führungswilligen Erlösers (Name der Redaktion bekannt) leuchtend ins Bild gesetzt.

Von Martin Schwickert / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Flüchtlinge und das Kino: Ai Weiweis monumentales Projekt „Human Flow“ (Kinostart am 16. November) sucht den Einzelnen im großen Menschenstrom. Ein schwieriges Unterfangen, in dem sich der Künstler zu oft in den Mittelpunkt stellt.

15.11.2017

Ein junger Mann, der Frauen für Freiwild hält, besucht seinen Vater in Berlin, um „Jagdtechniken“ zu erlernen. Jan Henrik Stahlberg entlarvt in „Fikkefuchs“ (Kinostart am 16. November) eine gestrige, fehlgeleitete Männlichkeit.

15.11.2017

Maxim hat seinem Konzert auf dem Faust-Gelände in Hannover einen besonderen Namen gegeben: Spinatkonzert. Wahrscheinlich, weil es viele traurige Lieder gibt. Sein Auftritt war gut, wirklich gut.

Uwe Janssen 17.11.2017
Anzeige