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Anders als die anderen Hip-Hopper

K. I. Z. in der Swiss Life Hall Anders als die anderen Hip-Hopper

Die Hip-Hopper von K.I.Z. waren am Donnerstagabend in der Swiss Life Hall in Hannover. Bei ihrem Auftritt wandeln sie auf dem feinen Grat zwischen Ironie und Tabu. Denn im deutschsprachigen Hip-Hop sind sie ein einzigartiges Phänomen fernab von den Fantastischen Vier oder Aggro Berlin. 

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K. I. Z. in der Swiss Life Hall

Quelle: Christian Behrens

Hannover. Ein Einhorn treibt durch die Halle, ein Heliumballon, der zunächst sicher an den Händen der Besitzerin vertäut ist. Aber noch bevor K.I.Z. die Bühne in der ausverkauften Swiss Life Hall betreten, reißt er sich los. Das Einhorn fliegt ins Beleuchtungsgestänge, bleibt erst einmal dort, K.I.Z. beginnen ihre Show, das Einhorn berührt einen der heißen Scheinwerfer. Die Außenhaut des Ballons schmilzt, und er trudelt ins Publikum hinab. Da allerdings haben K.I.Z. die Menschen in der Halle schon dazu gebracht, ihnen für den Refrain eines Liedes rhytmisch „Adolf Hitler“ entgegenzuschreien, von daher sind zu dem Zeitpunkt auch schon ganz andere Sachen wichtig.

K.I.Z. sind im deutschsprachigen Hip-Hop ein eigenartiges, sperriges Phänomen: Die familienfreundlichen Texte im Stil der Fantastischen Vier haben sie weit hinter sich gelassen. Wenn man nicht genau hinhört, könnte man sie problemlos in die Ich-hab-mit-meinem-großen-Penis-deine-Mudda-gefickt-Textschublade der Aggro Berlin-Schule des Rappens stecken. Nur - das zeigt auch der Auftritt in der Swiss Life Hall – dass es so einfach nicht ist.

Bevor die vier die Bühne betreten, wird ein kurzer Film gezeigt, in Live-Anmutung aus dem Backstage Raum, wo ein riesiger Haufen Kokain auf einem Tisch liegt, den zwei Bandmitglieder eifrig schnupfen, so lange, bis ein zitternder Praktikant sie an den Auftritt erinnert. Einige halbnackte Frauen hüpfen im Hintergrund herum, die nach einem Kommentar über die Ticketpreise für die Show der Hip-Hopper mit Geldscheinen beworfen werden. Das Bühnenbild des Konzertes besteht hauptsächlich aus vier riesigen Statuen der Bandmitglieder im nordkoreanischen Stil. Es gibt Textzeilen wie „Ich bin kein Großkotz / Ich bin bloß Gott“ und sie reimen „pädophil“ auf „Batmobil“.

Mit all dem bedienen K.I.Z. zum einen auf Tabubruch angelegte Hip-Hop-Posen, zum anderen überdrehen sie sie aber auch, und ironisieren sie damit. Jedes Lied, jede Textzeile ist darauf angelegt, Rap-Klischees zu bedienen, möglichst hart mit irgendeinem Nazi-, Inzest-, Rassismus- oder Sexismustabu aufzuwarten. Gleichzeitig sind diese Tabubrüche so übertrieben, dass sie gar nicht ernst gemeint sein können. Aus dieser Überaffirmation ergibt sich eine schimmernde, strahlende Ambivalenz, die in ihren stumpfesten Momenten einfach nur verschmitzte, pubertäre Lust am Spiel mit Tabus ist, und in ihren besten Momenten mit rasiermesserscharfer Kritik an Hip-Hop-Kollegen wie Sido oder Fler wird, die mit brachialem Rassismus oder Sexismus versuchen, eine möglichst hohe Medienpräsenz zu erreichen.

Die nächsten Konzerte in der Swiss Life Hall

Eisbrecher, 19.3.2016

The BossHoss, 15.4. 2016

Tickets unter: 0 511-12 12 33 33

Genau deshalb, weil K.I.Z. ambivalent mit diesen Posen spielen, weil die Texte gleichzeitig Rap-Klischees erfüllen aber auch durch in fein ziselierter Übertreibung ironisieren, ist es in Ordnung, wenn eine ganze Halle „Adolf Hitler“ brüllt, während ein Einhorn in der Beleuchtung verendet: Bei K.I.Z. kann das Hand in Hand gehen. Und genau deshalb liegen sich am Ende auch 5000 Menschen einträchtig schwankend in den Armen, und singen „Du Hurensohn! Ihr Hurensöhne!“ auf die Melodie von „We are the world“ mit, während tausende von Feuerzeugen in der Halle leuchten, und das verstorbene Einhorn längst vergessen ist.

Von Jan Fischer

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