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Kultur Kalin Lindena erhält Sprengel-Preis
Nachrichten Kultur Kalin Lindena erhält Sprengel-Preis
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09:35 24.11.2010
Von Johanna Di Blasi
Kalin Lindena in ihrer raumgreifenden Installation im Sprengel Museum. Quelle: Christian Burkert

Es ist eine Erfolgsstory. Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, aber fast. Kalin Lindena, 1977 in Hannover geboren, in Braunschweig an der Hochschule für Bildende Künste bei Hartmut Neumann, Johannes Brus und Walter Dahn ausgebildet, hat als Kind in den Kreativgruppen im Sprengel Museum ihre Leidenschaft für das Zeichnen, Malen und Experimentieren entdeckt („Ich bin hier aufgewachsen“). Jetzt prangt ihr Name auf der Museumsfront.

Lindena hat den gepflasterten Museumsplatz in ein neodadaistisches En­vironment und eine Hommage an Kurt Schwitters verwandelt. Ihre Installation wirkt wie eine moderne Erweiterung des Merz-Baus. Neben architektonischen Eingriffen hat sie auch einen Videofilm (mit jungen Ausdruckstänzern am Strand) und Sound (von Hip-Hop bis ­Indie-Pop) einbezogen. Einen zentralen Pfeiler hat Lindena in buntes Seiden­papier gewickelt. Und sogar ein Faschingslampion baumelt in der spielerischen und luftigen Installation.

Wie ein surreales Filmset oder die Kulisse eines sonderbaren Tanzstücks muss man die Arbeit wohl sehen – in der Nachfolge avantgardistischer Tanzstücke etwa von Oskar Schlemmer. Die Protagonisten sind Lumpenpuppen auf fahrbaren Gestellen, die sogenannten „Statisten“. Sie heißen nach dem französischen Modeschöpfer „Dior“ oder auch – wahrscheinlich ein Selbstporträt Lindenas – „Schöpfer als junge Frau“.

Komplettiert wird das Arrangement durch drei abstrakte Skulpturen von Schwitters und ein Bild von Max Ernst („Maske“ von 1961). Die Künstlerin spricht unumwunden von „Gesamtkunstwerk“. Was ist der Sinn des Ganzen? Hat es überhaupt einen Sinn, hier nach Sinn zu fragen? Oder geht es – dadaistisch – um die Demonstration der Abwesenheit von Sinn? Auf jeden Fall kann man sagen, dass die Künstlerin aus einer nachmodernen Sicht heraus leidenschaftlich auf die frühe Moderne und ihre Mythen blickt. Ironie spielt eine Rolle, aber auch echte Bewunderung.

Entsprechend mischen sich in Lindenas Werk verschiedene Zeitebenen: Moderne, Modernerevival, Rückschau auf die Moderne existieren parallel. Dieses künstlerische Verfahren lässt sich bei einer Reihe von Generationsgenossen Lindenas beobachten. So spielt auch die Polin Paulina Olowska (Jahrgang 1976) erfolgreich mit Avantgardebezügen, und der Serbe Bojan Sarcevic (Jahrgang 1974) hat sich mit eigenwilligen Skulpturen zwischen gestern und heute einen Namen gemacht. Sie alle versuchen, die Vergangenheit kreativ weiterzudenken.

Kalin Lindena, inzwischen Wahlberlinerin, gehörte vor drei Jahren auf der Art Cologne zu den Entdeckungen – sie erhielt damals den Preis für junge Kunst. Bereits 2002 hatte sie der Galerist Christian Nagel (Köln, Berlin) unter seine Fittiche genommen, einer der einflussreichsten Galeristen Deutschlands.

Mit dem Sprengel-Preis ist diese vielversprechende Künstlerin nun auch im Bewusstsein der Hannoveraner angekommen. Ulrich Krempel, der Direktor des Museums, sagte gestern mit Blick auf die internationale Ausrichtung seines Hauses: „Man stellt hier aus, obwohl man aus Hannover kommt, weil man mit Qualität überzeugt.“

Noch bis zum 06. Februar im Sprengel Museum.

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