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Die Künstlerin, die sprüht

Kunstprofessorin an der Dose Die Künstlerin, die sprüht

Sie liebt die große Geste – die Kunst, die aus dem Arm kommt, nicht aus dem Handgelenk. Deshalb hat Kalin Lindena, die in Hannover geboren wurde, an der HBK-Braunschweig Kunst studiert hat und nun selbst als Kunstprofessorin in Karlsruhe lehrt, immer wieder Graffiti angefertigt. Und sie tut es immer noch.

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Kalin Lindena.

Quelle: HAZ

Hannover. Mit Graffiti ist das natürlich so eine Sache: Hausbesitzer schätzen sie nicht besonders. Und Versicherer von Hausbesitzern schon gar nicht. Dieses komplizierte Verhältnis erwähnte Frank Müller, Vorstandsmitglied der VGH-Versicherungen, kurz in seiner Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung von Kalin Lindena in der VGH-Galerie am Schiffgraben.

Er tat die Graffiti-Geschichte als eine irgendwie überwundene Station auf dem Lebensweg der Künstlerin ab und lobte ansonsten sich und sein Haus für die Toleranz. Was er nicht erwähnte: Die Künstlerin sprüht immer noch. Und zwar nicht nur vor Schaffenskraft und Ideen, sondern ganz real mit Farbe an Wände. „Natürlich ganz legal“, sagt sie später auf Nachfrage, aber sie sagt es etwas zu schnell und etwas zu laut.

Graffiti sind im VGH-Foyer (einer Art Warteraum, durch dessen Fehlen das Gesamtgebäude womöglich noch gewinnen würde) nicht zu sehen. Stattdessen: Tüllarbeiten. Und: Metallobjekte. Und: Tuschebilder. Kalin Lindena (die 2010 mit dem Sprengel-Preis für Bildende Kunst ausgezeichnet wurde) schätzt den Materialwechsel. Morgens arbeitet sie in Tüll, abends biegt sie Stahl. Warum auch nicht? Die Werke – aus Stahl, Tüll und Tusche – stehen hier in schöner Eintracht und entwickeln manch interessante Korrespondenz.

Elegant geschwungene Linien überkreuzen sich und setzen einander fort. Flächen ergeben sich, Räume tun sich auf – das ergibt eine sehr schöne Raumkalligrafie. Das VGH-Foyer wirkt wie eine sorgfältig gestaltete Bühne, auf der gleich etwas ganz Einfaches und sehr Berührendes geschehen wird.

Überraschend zurückhaltend ist die Künstlerin in der Farbgebung ihrer schriftartigen Tuschearbeiten: schlammartige Grün- und Brauntöne dominieren. Doch das passt schon: Hier werden schließlich keine Graffiti gezeigt.

Noch bis 31. Oktober in der VGH-Galerie, Schiffgraben 4 (Eingang Warmbüchenkamp), geöffnet täglich von 11 bis 17 Uhr.

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