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Nachrichten Kultur Katja Lembke neue Leiterin des Landesmuseums Hannover
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20:15 11.01.2011
Von Simon Benne
Die Richtung ist vorgegeben: Nach oben. Kulturministerin Johanna Wanka, Ministerpräsident David McAllister und Katja Lembke (von links) im Landesmuseum. Quelle: Martin Steiner
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In der Stellenausschreibung hatte die Landesregierung vorzugsweise nach Kunsthistorikern gesucht, doch jetzt hat eine promovierte Archäologin den Zuschlag bekommen: Am 1. Mai tritt Katja Lembke, die bisherige Leiterin des Roemer- und Pelizaeus-Museums (RPM) in Hildesheim, ihren neuen Posten als Direktorin des hannoverschen Landesmuseums an. Dies hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. „Katja Lembke hat bewiesen, dass sie ein Mehrspartenhaus führen kann“, sagt Kulturministerin ­Johanna Wanka.

Tatsächlich gilt Lembke, die auch am Ägyptischen Museum Berlin und bei mehreren Ausgrabungsprojekten in Ägypten tätig war, in der Museumsbranche als hervorragende Managerin. Als sie 2005 ihr Amt in Hildesheim übernahm, kamen nur noch 35.000 Besucher pro Jahr in das altehrwürdige Museum. Unter ihrer Ägide hat sich die Zahl fast verdoppelt. Allein die aktuelle Ausstellung „Duckomenta“, die mit Disney-­Figuren verfremdete Kunstwerke zeigt, empfängt in diesen Tagen ihren 25.000. Besucher. Für die Ausstellung „Giza – Am Fuß der großen Pyramiden“, die im April in Hildesheim eröffnet wird, ist es Lembke erstmals nach 20 Jahren gelungen, wieder hochkarätige Leihgaben aus dem Ägyptischen Museum Kairo für ein deutsches Museum zu bekommen – was für ihre guten internationalen Kontakte, ihr diplomatisches Geschick und ihre Hartnäckigkeit spricht.

In Hildesheim hat Lembke ihr Museum 2007 mit dem Stadtmuseum zusammengeführt. Die interne Organisation und die verstaubte Dauerausstellung des RPM hat sie komplett umgekrempelt. Im Februar wird der dritte und letzte Teil fertiggestellt, kurz vor der großen Giza-Ausstellung, mit der das Haus sein 100-jähriges Bestehen feiert – terminlich ist Lembkes Abgang eine Punktlandung. Obwohl das RPM praktisch keinen eigenen Etat für Sonderausstellungen hat, gelang es Lembke immer wieder, Geldgeber für originell gestaltete Präsen­tationen über die Maya, die Südsee oder Zypern zu finden und diese phantasievoll zu vermarkten – inklusive „Themen­buffett“ auf der mondänen Dachterrasse des Hauses und eigenen Schokoladenkreationen.

In Hannover tritt Lembke die Nachfolge des glücklosen Niederländers Jaap Brakke an, der sein Amt im September nach nur zwei Jahren aufgegeben hatte. „Die Sammlungen des Landesmuseums bieten ein ungeheures Potenzial“, sagt sie. „Mir geht es darum, das Profil zu stärken und das Museum zu einem Flaggschiff in Niedersachsen zu machen.“

Dabei setzt sie auf interdisziplinäre Zusammenarbeit der Museumsabteilungen: Für den Herbst hat sie bereits eine Ausstellung über Marco Polo geplant, in der neben Leihgaben aus Venedig auch Exponate aus der Ethnologie und der Gemäldegalerie des Landesmuseums zu sehen sein sollen. Neue Besuchergruppen will Lembke erschließen, indem sie die Kooperation mit Schulen ausbaut. „Wir müssen außerdem Menschen aus kulturfernen Bereichen ansprechen, die sonst nicht ins Museum gehen würden“, sagt die 45-jährige Mutter von drei Kindern, die neben ihrer Tätigkeit weiter die Erforschung einer griechisch-römischen Nekropole in Mittelägypten leiten will.

Nicht nur Ministerpräsident David McAllister attestierte der agilen Museumsmacherin, deren Nachfolge in Hildesheim noch offen ist, am Dienstag „frische Ideen“ und „hervorragende fächerübergreifende Arbeit“. Auch die Opposition hatte an der Personalie wenig auszusetzen: „Gut, dass die Stelle so zügig neu besetzt wurde“, sagt Daniela Behrens, kulturpolitische Sprecherin der SPD im Landtag. „Lembke ist eine sehr kompetente Frau – doch dass es jetzt zu einer niedersächsischen Lösung gekommen ist, deutet auch darauf hin, dass die Museen des Landes nach vielen politischen Querelen bundesweit nicht mehr für Führungskräfte attraktiv sind“, sagt ­Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne).

Tatsächlich warten auf Lembke im größten der sechs Landesmuseen große Aufgaben. Sie soll dessen Kooperation mit den Universitäten vorantreiben, sie soll die Schätze des Hauses in einer ansprechenden Dauerausstellung neu präsentieren, und sie soll bis 2014 eine große Landesausstellung zum 300-jährigen ­Jubiläum der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien auf die Beine stellen, obwohl Exponate und Know-how dazu eher im (städtischen) Historischen Museum Hannover zu finden sind. „Diese Ausstellung ist für mich das Wichtigste“, bekräftige Ministerpräsident McAllister am Dienstag noch einmal.

Dazu droht jedem Direktor im Landesmuseum ein Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Abteilungen des Hauses, die auf ihre Eigenständigkeit pochen, sowie innerhalb der Führungsspitze: Der Betriebswirtschaftliche Direktor Steffen Färber, der für die Finanzen zuständig ist, amtiert auf ­Augenhöhe mit dem eigentlichen Direktor – stimmt die Chemie innerhalb dieser Doppelspitze nicht, kann das Museum schnell handlungsunfähig werden.
Nach dem überraschenden Rücktritt von Lembkes Vorgänger Brakke fällt die bisherige Planung des Hauses für 2011 ausgesprochen dünn aus. Für den Mai ist eine Ausstellung mit Landschaftsmalerei aus den eigenen Beständen angedacht. Das war’s. Dabei musste das einst besucherstärkste Museum Niedersachsens im vergangenen Jahr mit nur noch 101.000 Besuchern einen neuen Tiefststand verzeichnen. Noch vor vier Jahren waren es 148.000 Gäste gewesen. Katja Lembke tritt in Hannover kein leichtes Erbe an.

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