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Zerstörung ausstellen: "Palmyra. Was bleibt?"

Kestner-Museum Zerstörung ausstellen: "Palmyra. Was bleibt?"

Palmyra, das war einst eine blühende Oasenstadt. Palmyra, das ist heute, nach dem Wüten von IS-Terroristen, weithin eine Trümerwüste. Dieser Metropole von einst und ihrer Zerstörung in unserer Zeit widmet sich die Ausstellung "Palmyra. Was bleibt?" im Kestner-Museum.

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„Pulverisiert“: Joseph Eids Foto von 2014 zeigt noch den Bel-Tempel - der 2016 schon dem Erdboden gleichgemacht ist.

Quelle: Eid

Info

Hannover. „Palmyra. Was bleibt? Syriens zerstörtes Erbe“: Bis 9. Juli im Kestner-Museum, Trammplatz 3.

Palmyra, das war einst eine Metropole, deren Glanz sich bis ins Syrien der Gegenwart an Tempeln und Prachtstraßen, Thermen und Theater erkennen ließ. Doch Palmyra, das ist heute eine Stätte der Zerstörung, teils sogar „pulverisiert“. 

„Sehr, sehr starker Schmerz“

In dieses Wort fasst Dieter Cöllen seinen Eindruck vom Zustand des Welterbes, das der auf die Antike spezialisierte Modellbauer mehrfach besucht hat. Er empfinde angesichts der Zerstörungen „sehr, sehr starken Schmerz“, sagte Cöllen jetzt im Kestner-Museum bei der Präsentation der neuen Ausstellung, für die er ein Modell des berühmten Bel-Tempels gebaut hat, wie er sagt, auch, um diesen Schmerz zu verarbeiten. „Palmyra. Was bleibt? Syriens zerstörtes Erbe“, heißt die Sonderausstellung.

Leicht zu beklagen, schwer auszustellen: Das Kestner-Museum zeigt Syriens zerstörtes Erbe in der Ausstellung "Palmyra. Was bleibt?"

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Die im Titel enthaltene Zwei-Wort-Frage lässt sich auch mit zwei Worten beantworten: erschütternd wenig. Welche Pracht es in Palmyra einst gab, das lassen die Zeichnungen ahnen, die Louis-François Cassas um 1785 von Palmyra anfertigte. 40 davon waren schon 2016 unter demselben Ausstellungstitel im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu sehen, knapp zwei Dutzend Zeichnungen zeigt jetzt das Kestner-Museum. Zu sehen sind dort noch Stellwände mit Landkarten, anderthalb Dutzend teils palmyrenische Münzen sowie sechs Steinarbeiten desselben Ursprungs. Hinzu kommen Klangschalen und Keramiken, Schmuckstücke und das Fragment einer Schale. Artefakte, die teils aus antiker, teils aus islamischer Zeit stammen, die durchweg aus Syrien sind - aber nur zum kleineren Teil aus Palmyra. So schwer ist eben etwas zu dokumentieren, das es nicht mehr gibt.

Impulsgeber der Zivilisation

Am suggestivsten tritt die Zerstörung noch in den Vorher-Hinterher-Aufnahmen des libanesischen Fotografen Joseph Eid hervor, der Palmyra 2014 und 2016 besucht hat. Sieben dieser Fotos sind in der Ausstellung zu sehen, darunter auch das der zwei Säulen, hinter denen sich einst der Bel-Tempel erhob.

Es sei die besondere Pflicht eines Kurators, solche Zerstörungen anzuprangern, sagte Anne Viola Siebert, die „Was bleibt?“ kuratiert hat. Und Museumschef Thomas Schwark hob hervor, dass Palmyra ein Impulsgeber der griechisch-römischen Zivilisation sei, die unsere Kultur „bis auf den heutigen Tag“ präge. Wohl wahr. Doch wie groß die Kluft zwischen einstiger Größe und dem heutigen Zustand Palmyras ist - das führt diese Ausstellung allenfalls ansatzweise vor Augen.

Von Thomas Kaestle

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