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So war das Kettcar-Konzert im Capitol

Hamburger Band So war das Kettcar-Konzert im Capitol

Kettcar ist wieder zurück auf den Konzertbühnen der Republik: Am Donnerstagabend waren sie im Capitol und haben sturköpfien Optimismus mit Tote-Hosen-Feeling an den Tag gelegt. 

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Die Band Kettcar spielt im ausverkauften Capitol.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover.   Die Haare werden langsam grau, die Wut ist nicht mehr die gleiche und die fünf Hamburger von Kettcar fragen sich: „Gibt es noch was, was die Leute von uns hören wollen?“ Denn der große Erfolg ist lange her: Kettcar, die 2005 mit dem Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ den Durchbruch feierten, entschieden die Frage positiv und kamen im vergangenen Jahr nach vierjähriger Auszeit mit ihrem fünften Album „Ich vs. Wir“ zurück. 

Und schon die erste Single schien direkt einen Nerv zu treffen: 120 000-mal wurde der DDR-Flucht-Song „Sommer 89“ in den ersten 24 Stunden nach der Veröffentlichung geklickt. „Wir sind wieder zurück, und ihr seid auch wieder zurück“, begrüßt Wiebusch die 1400 Fans im Capitol und die Menge jubelt. 

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Nach ihrer Pause seit dem Jahr 2013 sind Kettcar zurück: Die Band spielte im ausverkauften Capitol.

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Denn nicht nur die Musiker sind längst über 40 Jahre alt, auch die Fans sind mitgewachsen – oder neu dazugekommen: Dicht gedrängt stehen Mittvierziger neben Mittzwanzigern vor der Bühne, nicken synchron mit Knie und Kinn und singen lauthals mit. Analog bleibt es trotzdem: Die Smartphones bleiben in der Tasche, kaum jemand filmt oder fotografiert die Band. Auf der Bühne stehen Bierflaschen, und Wiebusch singt nostalgische Lieder übers Jung-Sein („Benzin und Kartoffelchips“) ohne, dass es zu gewollt wirkt. Erzählt zu einprägsamen Hooks davon, wie er seine betrunkene Freundin huckepack ins Bett bringt („Rettung“) und, dass Liebe das ist, was man tut – nicht immer, was man empfindet. Aber: „Wir wollen, dass man irgendwann keinen Unterschied mehr merkt zwischen Liebesliedern und politischen Liedern – aber das ist ein weiter Weg“, sagt Wiebusch.

Denn Politik ist ihnen wichtig: BRD, Patriotismus und Homophobie – Kettcar kritisieren in ihren Lieder wortgewandt Schwulenfeindlichkeit im Fußball („Der Tag wird kommen“) oder das pegidaeske Mob-Wir („Wagenburg“). Und so nationskritisch die Mittvierziger sind, so deutsch klingen ihre Lieder: Der Sound ist verwaschen, die Gitarren rockig - ein bisschen Tote-Hosen-Feeling. Dazu singt Wiebusch mit unaufgeregt-sonorer Stimme über Alltagsbeobachtungen („Trostbrücke Süd“) und Politisches. „Menschen durch Zäune zu helfen, ist etwas zutiefst Menschliches“, betont er, bevor er „Sommer 89“ spielt. 

Dabei transportiert Kettcar auch immer etwas sturköpfigen Optimismus. „Wir wollen Musik machen für alle, die noch was wollen – nicht nur über Leute, die scheiße sind“, erzählt Wiebusch über den Empathie-Song „Den Revolver entsichern“. Und: „Das ist ein Song, der zeigt, wofür wir stehen“. Die Songtexte sind so empathisch und klug, dass man den Geschichten, die Wiebusch erzählt, auch noch gerne länger als die knapp eindreiviertel Stunden dieses Konzertes zugehört hätte. 

Von Kira von der Brelie

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