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Großer Humbug – und trotzdem ein Genuss

„Independence Day 2“ Großer Humbug – und trotzdem ein Genuss

In „Independence Day 2: Wiederkehr“ wird die Zerstörungsorgie von vor 20 Jahren noch einmal mit aller Macht übertrumpft. Das ist natürlich alles großer Humbug, und dennoch ist der Film einer zum Genießen geworden.

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Vergesst die Schwerkraft: Der Burj Khalifa knallt in die Themse. 

Quelle: Fox

Hannover. Satellitentechniker David Levinson (Jeff Goldblum) wundert sich. Er blickt auf Riesen-Raumschiffe, Riesen-Aliens oder irgendetwas anderes Riesenhaftes und bemerkt schließlich ungläubig: „Noch größer als beim ersten Mal.“ Wir erinnern uns: Bereits im ersten „Independence Day“-Film verdunkelten die Angreifer aus dem All den Himmel über New York. In „Independence Day 2: Wiederkehr“ wird die Zerstörungsorgie von vor 20 Jahren noch einmal mit aller Macht übertrumpft..

„Ein Film muss mit einem Erdbeben beginnen und sich dann langsam steigern“, dieser treffliche Satz wird Studiochef Samuel Goldwyn zugeschrieben. Was aber soll dann erst im zweiten oder gar dritten Film passieren? Der Fluch Hollywoods besteht darin, die pompösen Vernichtungsspektakel immer weiter überbieten zu müssen.

Ein bisschen "Star Wars"-Feeling

Roland Emmerich hat beim ersten Fortsetzungsfilm seiner imposanten Hollywood-Karriere dieses Risiko auf sich genommen - und er ist inzwischen durch „The Day After Tomorrow“ (2004) und „2012“ (2009) schon ein paar Weltuntergänge weiter. Nun muss er sich gewissermaßen selbst noch einmal in den Schatten stellen.

Um Glaubwürdigkeit ging’s in Hollywood noch nie, aber die Geschehnisse hier wirken einfach nur irre: Es regnet architektonische Wahrzeichen, denn die Aliens haben die Schwerkraft aufgehoben und lassen beispielsweise den welthöchsten Hochhausturm Burj Khalifa in die Themse stürzen. Dazu mischt Emmerich ein bisschen „Star Wars“-Feeling.

Mittendrin ergreifen versprengte Menschenhäuflein die Überlebenschance, die sie nicht haben. Einige Veteranen aus dem ersten Film melden sich zurück (darunter Bill Pullman als Ex-US-Präsident, ebenso Goldblum), einer erwacht punktgenau aus dem Koma auf und tritt im Krankenhaushemdchen seinen Dienst an (Brent Spiner). Emmerich bedient die Nostalgie älterer Kinozuschauer, angereichert mit Humor, aber auch mit dem schon aus dem ersten Film schwer erträglichen bekannten Pathos.

Ebenso übernimmt die nächste Generation die Stafette - Jessie Usher steigt als Filmsohn von Will Smith in den Kampfjet. Superstar Smith war zu teuer. Neu im Cockpit: Hollywoods Allzweckwaffe Liam Hemsworth. Befremdlich ist allerdings, mit welcher Leidenschaft Emmerich dafür wirbt, dass der Einzelne bereit sein muss, sich für die anderen zu opfern. Heroismus wird zur ersten Bürgerpflicht: Eltern wollen für ihre Kinder, Kinder für ihre Eltern, Ehemänner für ihre Ehefrauen und umgekehrt in den Tod gehen.

Ein hoffnungsvoller Weltuntergang

Sympathisch bleibt die tiefe Sehnsucht des Regisseurs nach Frieden auf Erden oder wenigstens in den USA. Emmerich ist davon beseelt, die Menschheit daran zu erinnern, dass etwas Gutes in ihr steckt. Man muss es nur aus ihr herauskitzeln. Was böte sich da besser an als eine Bedrohung von außen? Hier ist die US-Präsidentin (sieht kein bisschen wie Hillary Clinton aus) zu Beginn dabei, an ihrer Rede zum Unabhängigkeitstag 2016 zu feilen. Von einer zwanzigjährigen Friedenszeit ist die Rede. Die Völker haben sich nach dem Alienangriff 1996 zusammengeschlossen, um für eine zweite Angriffswelle gewappnet zu sein.

Da wundert man sich schon wieder: Was ist mit dem Krieg gegen den Terror? Mit Mauern gegen Flüchtlinge? Mit Umweltzerstörung und Klimaerwärmung? Mit dem tiefen Graben, der durch die US-Gesellschaft verläuft? Die vereinten Nationen haben zumindest in diesem Film Besseres zu tun gehabt, als daran zu arbeiten, ihren Planeten unbewohnbar zu machen.

Es geht also um eine gute Sache, mehr kann man nicht verlangen. Genießen wir diesen hoffnungsvollen Weltuntergang.

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