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Das ist die Höhe!

„The Walk“ Das ist die Höhe!

Robert Zemeckis erzählt in „The Walk“ die wahre Geschichte eines furchtlosen Seiltänzers und macht sein Publikum mit 3-D schwindelig.

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Bleibt bei der Stange: Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt).

Quelle: Sony Pictures

Erst setzt nur ein Fuß auf dem Seil auf, ein behagliches Knarren ist zu hören, so, als begrüße dieses Nichts von einem Draht den Körper des Artisten, als fühle es sich erst wohl mit dem Fliegengewicht des Körpers auf sich. Eine ganze Weile später erst folgt der zweite Fuß, und jetzt, als Philippe Petit sich ganz von dem Gebäude gelöst hat, dem höchsten der Welt im Jahr 1974, wischt der Nebel weg und offenbart den Schlund. 412 Meter sind die kühnen Türme des noch unfertigen World Trade Centers hoch, 42 Meter sind sie voneinander entfernt.

Meist ist Dariusz Wolskis Kamera bei Petit, schwebt über ihm, blickt auf seine Füße, die Schritt für Schritt dem Nordturm zustreben. Wie kann ein Mensch so etwas wagen? Man mag in seinem Kinositz kaum durch die 3-D-Brille sehen und tut’s natürlich doch. Es wird einem auch prompt schwindelig (toller Effekt!), und man ist froh, als Petit drüben ist. Zehn unerträglich spannende Minuten waren das, die Robert Zemeckis in seinem Film „The Walk“ mit 90 Minuten allerdings auch arg großzügig vorbereitet hat.

Damit ist es aber noch nicht vorüber: Petit, der Wahnsinnige, dreht um. Weil seine Seele hört, dass ihn der Südturm ruft - wie Berge Bergsteiger zu rufen pflegen. Und so beschließt er, an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Dort tauchen zwei Polizisten auf, die ihre markigen NYPD-Verhaftungslitaneien bellen, und Petit macht erneut kehrt zum Nordturm, wo aber inzwischen ebenfalls Sicherheitskräfte auf Zugriff aus sind. Wieder wendet er, wieder geht es gen Südturm.

Aber nicht einfach so: Zwischendurch kniet Petit auf dem Seil, um diesem, den Türmen, der Stadt New York und seinem Publikum unten am Ground Zero die Ehrerbietung zu erweisen. Ja er legt sich sogar auf den Draht und hängt seinen Gedanken nach, so als befinde er sich auf einer Blumenwiese. „The Walk“ ist anfangs Spaziergang, dann wird er zu Tanz, und Zemeckis, der die Cartoonfigur Roger Rabbit schwerelos mit menschlichen Darstellern spielen ließ, und der seinen glücklichen Toren Forrest Gump schwerelos in historische Momente des 20. Jahrhunderts gleiten ließ, ist hier schwereloser denn je.

Zuvor erzählt er von einem jugendlichen Träumer, der in tödlichen Höhen seiltanzen will. Erst Notre-Dame, dann die Twin Towers. Joseph Gordon-Levitt sieht sehr französisch aus und „schprischt acksong“. Und lässt den Film, als man schon bereit ist, sich zu langweilen, richtig swingen.

Alles ist wirklich passiert. Der französische Akrobat verlieh den arroganten Türmen damals Poesie. Nur zwei Jahre später, 1976, vertiefte der große Affe King Kong diese Romantik mit einem Tower-zu-Tower-Sprung, und stürzte hinab. Freilich - das war nur Kino.

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Von Redakteur Matthias Halbig

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