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Kultur Der harte Weg zum Kindheitstraum
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00:15 17.05.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
„Und bitte: ...“ Wer Schauspieler werden will, muss zuerst mal vor den Mitgliedern der Prüfungskommission alles geben. Quelle: Börres Weiffenbach
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Hannover

Viele wollen es, nur wenige schaffen es. Der Beruf des Schauspielers ist äußerst begehrt, der Bedarf an Schauspielern ist jedoch überschaubar. Eine große Hürde steht schon ganz am Beginn des Berufslebens: die Aufnahmeprüfung an einer Schauspielschule.

Das ist in der Regel ein ziemlich geheimes Verfahren, dessen Ablauf nur wenige Eingeweihte und Betroffene kennen. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover hat jedoch vor drei Jahren ihre Türen geöffnet und einem Dokumentarfilmer die Möglichkeit gegeben, bei der mehrtägigen Aufnahmeprüfung dabei zu sein. Nun kommt „Die Prüfung“ von Till Harms in die Kinos.

687 Bewerber gab es im Jahr 2013, nur zehn Plätze waren zu vergeben. Die Prüfung dauert mehrere Tage, in immer neuen Gruppen und Konstellationen wird immer wieder neu ausgesiebt. Wer es am Ende geschafft hat, darf sich glücklich schätzen. Das zeigt die erste Szene des Films: Schauspielprofessor Titus Georgi ruft eine der Bewerberinnen an, um ihr zu sagen, dass sie an der Schauspielschule aufgenommen ist. Die junge Frau kann es gar nicht fassen. Sie fragt mehrfach nach, und dann ist zu hören, dass sie weint.

Andere Bewerber mussten sich, nachdem sie auf der Bühne des Studiengangs Schauspiel an der Expo-Plaza alles gegeben hatten, mit einem schmallippigen „Danke, bis dahin“ und einem „Ich hoffe, es klappt woanders“ zufriedengeben. Die Ablehnung von Schauspielern ist nichts Ungewöhnliches, sie kann aber tiefe Wunden hinterlassen, schließlich geht es hier ja immer auch um die Identität des Kandidaten.

Wie die Abgewiesenen mit dem Urteil der Kommission umgehen, schildert der Film nicht. Regisseur Till Harms lässt die abgelehnten und auch die angenommenen Schauspielschüler kaum zu Wort kommen. Ihn interessieren eher diejenigen, die nicht im Scheinwerferlicht stehen; sein Fokus liegt auf den Lehrenden der Schauspielschule, die hier die Prüfungskommission geben.

Am Ende, in der Finalrunde, diskutieren die neun Jurymitglieder - sichtlich erschöpft - über die verbliebenen Kandidaten. Jeder hat so seine Favoriten. Erstaunlicherweise herrscht an den Rändern des Spektrums immer schnell Einigkeit. Man weiß ziemlich genau, wer besser nicht auf der Bühne oder vor der Kamera stehen sollte. Und man weiß genau so sicher, wer da unbedingt hingehört. Bei einigen Kandidaten war die Sache sofort klar: Die müssen spielen. Leider hatten einige von denen, für die sich die Prüfer mit großer Mehrheit entschieden hatten, am Ende doch andere Pläne: Mancher entschied sich für Leipzig. So hatten dann die Nachrücker eine Chance.

Die Zuschauer im Kino können in dem Film Schauspieler kennenlernen, die womöglich eine große Zukunft haben. Meist weiß man gleich, wer das ist. Moritz Leu zum Beispiel. Der junge Mann ist ein Charakterkopf, ein bisschen verhuscht, ein bisschen rotzig-jungenhaft und dabei ganz merkwürdig sanft. 2013 hat er sich in Hannover beworben. Die Prüfungskommission hat sich - aus Gründen, die im Film nicht recht klar werden - gegen ihn entschieden. Peinlich wäre es, wenn der bald ganz groß herauskommen würde.

Insofern ist der Mut der Lehrenden zu bewundern, dem Dokumentarfilmer Einblick in ihre Arbeit zu geben und öffentlich zu machen, was vielleicht besser im Geheimen und Ungefähren bleiben sollte. Auch, weil es sich so schwer in Worte fassen lässt.

Wonach suchen Sie eigentlich? Lernbereitschaft, Offenheit, Beweglichkeit, Team- und Kritikfähigkeit - das alles ist ja klar. Aber der Rest, was ist das? Was macht einen guten Schauspieler aus? Charisma? Aura? Magie? Die Kraft, jemanden über Distanz zu berühren? Die Gabe, einen Raum zu beherrschen? Die besondere Stimme? Durchlässigkeit? Wandelbarkeit? Risikobereitschaft?

Den Prüfern fällt es schwer, das, was sie suchen, in Worte zu fassen. Von „Präsenz“ ist oft die Rede und vom „Strahlen“. Einmal spricht der Bewegungslehrer von „Haltepunkten“. An solchen „Haltepunkten“, an denen die Bewegung abbricht, sagt er, sei es möglich, dem Schauspieler „in die Seele zu schauen“. Das muss man glauben. Jedenfalls müssen es die angehenden Schauspieler glauben.

Wenn nicht, heißt es schnell „Ich hoffe, es klappt woanders“.

Am Donnerstag, 19. Mai, kommt „Die Prüfung“ in die Kinos. Am Dienstag, 17. Mai, wird um 20.15 Uhr die Filmpremiere im Hochhaus-Kino in Hannover gefeiert. Dabei sind viele der Protagonisten des Films sowie Regisseur Till Harms und Titus Georgi von der Schauspielschule Hannover. Moderiert wird die Premiere von Schauspielintendant Lars-Ole Walburg.

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