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Petrenko wird Chef der Philharmoniker

Nachfolger von Sir Simon Rattle Petrenko wird Chef der Philharmoniker

Überraschungscoup nach Wahldebakel: Die Berliner Philharmoniker haben sich überraschend auf einen Nachfolger für Simon Rattle geeinigt. Der Russe Kirill Petrenko wird neuer Chefdirigent. Er hat die Wahl bereits angenommen.

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Soll Nachfolger von Simon Rattle werden: Kirill Petrenko.

Quelle: dpa

Berlin. Die Berliner Philharmoniker haben einen neuen Chefdirigenten. Am Montag gaben sie bekannt, dass der russische Dirigent Kirill Petrenko die Nachfolge von Sir Simon Rattle antreten soll. Dem Orchester ist damit nach dem Wahldebakel von Anfang Mai, als die Musiker sich auch nach elfstündigen Beratungen nicht auf einen neuen Chef einigen konnten, eine Überraschung gelungen. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hatten sich die Musiker am Sonntag zu einer weiteren Vollversammlung getroffen – und ein Ergebnis erzielt: diesmal nach nur dreistündiger Beratung und mit großer Mehrheit.

Bei den Berliner Philharmonikern bestimmen – und das ist weltweit einmalig – allein die Orchestermitglieder in einer geheimen Wahl über ihren neuen Chef. Selbst Intendant Martin Hoffmann und Chefdirigent Simon Rattle waren von der Wahl ausgeschlossen. Nach dem gescheiterten Wahlmarathon im Mai hieß es vonseiten des Orchestervorstandes noch, man werde sich Zeit mit einer neuen Wahl lassen.

Nun kam die Entscheidung doch viel schneller als erwartet. Auf der Pressekonferenz am Montag wurden die Verantwortlichen nicht müde zu betonen, wie begeistert sie von ihrem neuen Chef sind. Kirill Petrenko sei ein Musiker, der das Werk, die Partitur, statt der eigenen Person in den Vordergrund stelle und dennoch jeden Abend den Konzertsaal auf faszinierende Art in etwas Magisches verwandele, lobte Orchestervorstand Peter Riegelbauer. Sein Kollege Ulrich Knörzer hob hervor, bereits nach dem ersten gemeinsamen Konzert im Jahr 2006 habe man gewusst, dass eine besondere Beziehung zwischen Petrenko und den Berlinern bestehe.

Beginn der Zusammenarbeit ungewiss

Der 43-jährige Russe ist einer der weltbesten Dirigenten. Zudem gilt er als Experte für das bei den Berlinern von Rattle nicht an erster Stelle gepflegte, hochromantische Repertoire. Petrenko gehörte schon im Mai zum erweiterten Favoritenkreis für die Nachfolge Rattles. Angeblich katapultierte er sich damals ins Aus, nachdem er, weil er kränkelte, vor einem Konzert kommentarlos aus Berlin abreiste.

Nach Stationen in Meiningen, wo er schon 2001 einen „Ring“ stemmte, und an der Komischen Oper in Berlin wurde Petrenko 2013 Chef an der Bayerischen Staatsoper. Ebenfalls seit 2013 tat er sich als Wagner-Dirigent in Bayreuth hervor. Pikant: Anfang Juni machte er von sich reden, als er sich über ein „Hügelverbot“ der Bayreuther Festspiele für ihre künstlerische Leiterin Eva Wagner-Pasquier empörte. Man konnte das als Angriff auf Christian Thielemann verstehen. Der hatte angeblich gefordert, Wagner-Pasquier dürfe in Bayreuth nicht einmal mehr die Generalprobe seines „Tristan“ besuchen. Jetzt wird Petrenko statt des einstigen Favoriten Thielemann in Berlin Chef.
Die Berliner Philharmoniker dirigierte der im sibirischen Omsk geborene Petrenko aber bislang erst dreimal: 2006, 2009 und 2012. Er war also viel seltener zu Gast als die beiden bisherigen Favoriten Thielemann und Andris Nelsons. Beide sollen nach der gescheiterten Wahl im Mai nicht mehr zur Verfügung gestanden haben.

Das Programm der Konzerte Petrenkos mit den Berlinern enthielt mit Bartok, Rachmaninow, Beethoven oder Elgar Komponisten, die nicht zum sinfonischen Kernrepertoire gehören. Man traue sich aber zu, von den wenigen gemeinsamen Auftritten auf das Grundsätzliche, Musikalische, zu schließen, sagte Knörzer am Montag. Man schaue mit Petrenko „mit großer Hoffnung und großer Zuversicht“ in die Zukunft. Wann diese beginnt, ist aber ungewiss. „Die Welt“ meldete am Montag, Petrenko könne erst 2020 nach Berlin kommen. Er sei bis 2018 an die Bayerische Staatsoper in München gebunden, hieß es vonseiten des Berliner Orchestervorstandes. Rattle verlässt die Philharmoniker 2018.

Offen ist auch, wie die Berliner Philharmoniker sich mit Petrenko künftig mit CD-Produktionen behaupten wollen. Der als extrem selbstkritisch geltende Russe hat schon lange keine Aufnahme mehr produziert. Er gilt zudem als schweigsam, öffentlichkeitsscheu, hat seit Jahren kein Interview mehr gegeben. Kein Wunder also, dass Kirill Petrenko am Montag bei der Pressekonferenz nicht anwesend war, sondern nur eine Erklärung verlesen ließ. Die lässt allerdings keine Zweifel offen: „Ich empfinde Euphorie, große Freude, Ehrfurcht und Zweifel angesichts meiner Wahl“, ließ der Pultstar ausrichten.

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Kein Kandidat findet eine Mehrheit
Foto: Intendant Martin Hoffmann (l-r), Medienvorstand Stanley Dodds, die Orchestersprecher der Berliner Philharmoniker, Peter Riegelbauer und Ulrich Knörzer und Medienvorstand Olaf Maninger verkünden nach einer elfstündigen Sitzung der Orchesterversammlung, dass sich die Musiker der Berliner Philharmoniker auf keinen neuen Chefdirigenten einigen konnten.

Das Warten erinnerte an die Papstwahl, doch am Montag stieg kein weißer Rauch auf: Die Berliner Philharmoniker haben sich am Montag nicht auf einen neuen Chefdirigenten einigen können. Per Twitter teilten die Musiker am Abend das vorläufige Scheitern mit.

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