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Kirill Petrenkos erster Auftritt als Chef

Berliner Philharmoniker Kirill Petrenkos erster Auftritt als Chef

Kirill Petrenko bekommt den wichtigsten Posten des deutschen Musiklebens: 2019 wird er Chef der Berliner Philharmoniker, mit denen er nun erstmals nach seiner Wahl aufgetreten ist.

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Dirigent Petrenko und die Berliner Philharmoniker.

Quelle: Ritterhaus

Man könnte, denken, Kirill Petrenko sei ein wenig abergläubisch. Bei seinem ersten Auftritt als gewählter Chefdirigent bei den Berliner Philharmonikern sieht es fast so aus, als würde er die letzten Akkorde eines Stücks nicht wie üblich abwinken. Als solle hier bloß nichts zu Ende gehen, ehe es überhaupt begonnen hat. Schließlich tritt der russische Dirigent sein Amt offiziell erst in zwei Jahren an. Nur wenn man ganz genau hinschaut, kann man vage eine Bewegung mit der Fingerkuppe erkennen, die anzeigt, wann der Akkord verklingen soll. Den Musikern dieses imposanten Kollektivs scheint das aber ohnehin klar zu sein. Und auf überflüssige Bewegungen verwendet Petrenko keine Energie.

Die verschwendet der Dirigent an anderer Stelle umso reichlicher. In Peter Tschaikowskys emotionale „Pathétique“-Sinfonie etwa geht Petrenko mit so hohem Einsatz hinein, dass man fast Angst um den klein gewachsenen Mann bekommen könnte. Einmal, als die düsteren Akkorde immer lauter drängen, werden seine Bewegungen immer kleiner, sodass es aussieht, als würde er die ganze Gewalt dieser Musik in sich aufsaugen. Dann wieder feuert er die Philharmoniker, die ohnehin stets mit größtem Einsatz bei der Sache sind, mit großen Gesten zu noch größerem Engagement an. Am Schluss des effektvollen dritten Satzes kann so selbst das abgeklärte Berliner Publikum nicht an sich halten und jubelt mitten in der Sinfonie.

Man ahnt also, was das Orchester bewegt haben mag, Petrenko vor zwei Jahren zum Nachfolger von Simon Rattle zu küren. Überraschend war seine Wahl trotzdem. Erst in einer zweiten Abstimmung konnten die Musiker sich auf den Russen einigen, der damit die hoch gehandelten Favoriten Christian Thielemann und Andris Nelsons leer ausgehen ließ. Anders als diese beiden Dirigenten, die häufig in Berlin zu Gast waren, ist Petrenko dem Orchester nicht einmal besonders gut bekannt. Gerade drei Auftritte haben offenbar genügt, um die anspruchsvollen Philharmoniker zu überzeugen.

Dabei ist Petrenko weit entfernt von der selbstbewussten Souveränität eines Thielemann oder der scheinbar mühelosen Natürlichkeit von Nelsons. Bei ihm spürt man ein Risiko in seinem konzentrierten Musizieren. Dazu passt, dass er anders als weithin üblich sämtliche Werke seines Berliner Auftritts - neben Tschaikowsky Mozarts „Haffner“-Sinfonie und „The Wound-Dreser“ von John Adams – vorsichtshalber aus den Partituren dirigiert, deren Seiten er noch dazu oft lautstark umblättert.

Petrenko strahlt nicht die Sicherheit anderer Stardirigenten aus, deren pure Anwesenheit Publikum und Musikern oft schon Großes zu versprechen scheint. Er stürzt sich im Konzert mit Herz und Haut und Haaren in die Musik. Und es erscheint ungewiss, ob der immer heil wieder herauskommen wird. In der Philharmonie wurde der Neue dafür diesmal enthusiastisch gefeiert. Den Berliner Philharmonikern stehen aufregende Zeiten bevor. 

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