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Klangbrücken-Festival in Hannover gestartet

Auftakt am Operplatz Klangbrücken-Festival in Hannover gestartet

Das Klangbrücken-Festival für den Komponisten Mauricio Kagel ist am Sonntag in Hannover gestartet – mit 111 Radfahrern auf dem Opernplatz.

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Dichter und Lenker: Steve Karier neben der Goethe-Statue auf dem Balkon der Oper.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Die Bühne ist bereitet. Für das bestzahlende Publikum stehen vorne bequeme Sofas auf dem Opernplatz bereit, dahinter reihen sich die Zuhörer auf Bierbänken. Gleich mehrere Kameraleute haben ihr schweres Gerät in Position gebracht, und auf der Suche nach dem besten Blickwinkel laufen Fotografen kurz vor Beginn geduckt über den Platz, als gäbe es schon etwas, das man stören könnte. Nicht immer wird mit so großem Aufwand über Neue Musik berichtet.

Doch was hier zum Auftakt des hannoverschen Klangbrücken-Festivals erwartet wird, ist schließlich ein echtes Spektakel: Ein Ensemble aus 111 musikbegeisterten Fahrradfahrern wird hier gleich Mauricio Kagels Stück „Eine Brise“ aufführen. Dem Komponisten, der 1931 im argentinischen Buenos Aires geboren wurde und 2008 in seiner langjährigen Wahlheimatstadt Köln starb, widmen Hannovers Musikinstitutionen die ganze Woche lang zahlreiche Konzerte. Und der ungewöhnliche Auftakt weckt breites Interesse.

Umso erstaunter kann man sein, wenn die 111 Radfahrer zu Beginn klingelnd und summend einmal kurz die Georgstraße im Rücken des Publikums entlangfahren. Sicher nur auf dem Weg zum großen Auftritt. Inzwischen lauscht man dem Schauspieler Steve Karier, der vom Balkon des Opernhauses den Part des „Politischen Redners“ in Kagels Stück „Der Tribun“ übernimmt und dabei allerhand sprachliche Versatzstücke ad absurdum führt, die bei der Komposition des Stücks vor fast 40 Jahren manchen noch an kernige Reden aus dem Volksempfänger erinnert haben mögen, heute aber eher wie die fade Karikatur der Karikatur wirken. Und auch Kagels „Märsche, um den Sieg zu verfehlen“, die das Neue Ensemble und das Ensemble S unter Leitung von Stephan Meier dazu beisteuern, wollen in ihrer subversiven Holperigkeit nicht recht zünden.

Aber ohnehin ist man ja wegen der Fahrräder gekommen. Die setzen sich jetzt endlich noch einmal in Bewegung - und treten den Rückweg klingelnd und summend auf der gleichen Route wie zuvor an. Ehe man es recht bemerkt, ist alles vorüber. „Flüchtige Aktion“ hat Kagel sein Spätwerk von 1996 im Untertitel genannt. Enttäuscht muss man davon nicht sein: Anders als in dem wenig überraschenden „Tribun“ hat der Musikclown und Klangdramatiker Kagel hier lässig alle großen Erwartungen unterlaufen. Und schön klingt diese flüchtig-ferne Klingelmusik auch noch. Ein federleichter, starker Festivalbeginn.

Am Montag um 19.30 Uhr sind Kagel-Werke beim Sinfoniekonzert im Opernhaus zu hören, morgen um 19.30 Uhr in der Musikhochschule. Das Festival dauert bis Sonntag.

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