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Kultur Death Metal auf der Nasenflöte
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00:17 29.03.2015
Kleinkünstler mit Band: Marc-Uwe Kling, Michael Krebs und Julius Fischer im Capitol. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Egal, was an diesem Abend im Capitol schief läuft, die Band ist nicht daran schuld, sondern Tontechniker Kevin. Wenn Marc-Uwe Kling schon wieder seinen Text vergisst und Michael Krebs am Keyboard die falschen Töne spielt, dann beschweren sich die Musiker über Kevin. 

Die Drei haben sich außerdem „Die Pommesgabeln des Teufels“ ins Boot geholt: Bassist Boris „the Beast“ und Schlagzeuger „Onkel“, der seinen echten Namen nicht verraten will. Obwohl die Lieder witzig sind, haben viele einen ernsten Kern. Sie handeln zum Beispiel von der Selbstausbeutung im Berufsleben oder der heutigen Schnelllebigkeit. „Für immer mehr brauchen wir immer weniger Zeit!“, singen die Musiker erst in Zeitlupe, dann im Zeitraffer und spielen gegen die Beschleunigung des Lebens an. Man kann ihnen ansehen, dass sie richtig Bock auf dieses Konzert und Spaß dabei haben. Nur Marc-Uwe Kling guckt, passend zu seinen Texten, niedergeschlagen bis leicht übergeschnappt. „Ich hätte auch so gern ein Hobby“, jammert er. „Hobbys stiften Sinn.“ Egal, ob Bingo, Sudoku, Drogen, Autos tunen oder anzünden. Gequält fügt er hinzu: „Ich hätte auch so gern ein Hobby. Das Leben ist so lang.“

Mit seinem Programm „Viel Schönes dabei“ und seinen Musiker-Kollegen Michael Krebs und Julius Fischer gastierte Kleinkünstler Marc-Uwe Kling im Capitol.

Marc-Uwe Kling musste sich so lange als Kleinkünstler betiteln lassen, bis er sich den Traum eines jeden Kleinkünstlers erfüllte und mit kapitalismuskritischen Texten Geld verdiente. Das gibt der Autor, Musiker und Kabarettist selbstironisch zu. Julius Fischer, den seine Eltern eigentlich – so sagt er – Adolf Susanne Darth Vader nannten, hat ebenfalls viele Talente: Er kann nicht nur wunderbar singen und Gitarre spielen, sondern beherrscht auch die besonders komplexen Instrumente Triangel und Klangschale. Außerdem ist er ein begnadeter Nasenflötist. Weil die Band damit angibt, dass Fischer auf der Nasenflöte jedes Genre spielen kann, darf sich das Publikum eines wünschen. So kommt es dazu, dass Fischer mit der Nasenflöte Death Metal spielen soll. Das klingt ein bisschen seltsam, funktioniert mit Unterstützung von Keyboard, E-Gitarre, Schlagzeug und Bass glücklicherweise doch. Die Band kann aber auch anders: Liebeslieder, wie zum Beispiel „Schneeflocke“. Oder Hip Hop: Pianist und Sänger Michael Krebs rappt über den NSA-Skandal und versucht sich auch an Freestyle.

Das klatschwütige, jubelnde Publikum hört auch nicht auf, als die Musiker nach einer Zugabe längst von der Bühne gegangen sind. Die Band kommt doch noch einmal zurück. Wer schon an der Garderobe steht, eilt wieder richtung Bühne. Marc-Uwe Kling kann den Text zu seinem berühmtesten Lied nicht mehr ganz auswendig. Das macht aber nichts, denn das Publikum hilft gerne nach: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Die haben uns verraten und die haben uns auch verkauft!“ Eine dritte Zugabe gibt es nur deshalb nicht, weil die Band nichts mehr vorbereitet hat und schon die zweite Zugabe improvisiert war. Bevor er als Letzter von der Bühne geht, sagt Marc-Uwe Kling noch: „Danke, dass ihr den Text konntet.“

Von Mirjam Kay Kruecken

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