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Kultur Können Sie überhaupt romantisch sein?
Nachrichten Kultur Können Sie überhaupt romantisch sein?
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13:21 23.09.2016
Friedrich Mücke und Karoline Herfurth. Quelle: RND
Hannover

In dem Film, der auch ihre erste Regiearbeit ist, spielt Karoline Herfurth eine Kinderbuchautorin, die sich in den Journalist Mark (Friedrich Mücke) verliebt. Die Beiden kommen durch eine SMS zusammen, die gar nicht für ihn gedacht war. Mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sprachen sie über SMS, Handy-Detox und den Würgereiz nach drei Stunden Mirabellen-Marzipan.

Normalerweise heißt es ja bei Liebeskummer: Verbanne die Handynummer Deines Ex, damit Du ja keine SMS an ihn schickst, die Dir nachher peinlich ist. Clara macht genau das Gegenteil. Haben Sie schon einmal aus Liebeskummer etwas gemacht, was Sie heute bereuen?

Karoline Herfurth: Ich habe da eher eine fatalistische Einstellung. Clara hat ihren Freund ja außerdem durch den Tod verloren und hat sich nicht einfach getrennt. Von daher wäre das Handy wegzuschmeißen nicht der richtige Weg gewesen. Ich finde: Wenn man Liebeskummer hat und traurig ist, darf man alles machen, was einem gut tut – auch Nachrichten auf Mailboxen sprechen.

Friedrich Mücke: Auch gerade, wenn Schreiben nicht mehr möglich ist.

Wegen des Alkoholpegels?

Friedrich Mücke (lächelt): Ach, das ist wahnsinnig lange her, dass ich Liebeskummer hatte. Aber ich höre dann Musik, traurige Musik.

Karoline Herfurth: Ich gucke Liebesfilme.

Friedrich Mücke: Noch mehr als sonst?

Karoline Herfurth: Stimmt. Gute Frage. Ich gucke eh die ganze Zeit Liebesfilme.

Friedrich Mücke: Meinte ich. Ist doch immer so bei Dir.

Karoline Herfurth: Und ich gehe mehr aus. Also sonst gehe ich eigentlich nie aus. Aber dann gehe ich aus – mit der besten Freundin oder am liebsten gleich allen.


Können SMS überhaupt romantisch sein?

Karoline Herfurth: Ja, klar. Wenn man auf eine Nachricht wartet und die dann endlich kommt.

Friedrich Mücke: Ich finde schon, obwohl es ja eigentlich nicht dafür gedacht ist. Es heißt ja schließlich Short Message System. Aber man kann ja auch kurz romantisch sein.


Wie viele Zeichen sind da eigentlich möglich?

Karoline Herfurth: Sind die nicht unbegrenzt? Also, irgendwann wird es beim Schreiben langsamer.

Friedrich Mücke: Ja, weil Du langsamer wirst.

Karoline Herfurth: Nein! Dann merkt man: Die Nachricht muss ich jetzt erst einmal abschicken und dann eine zweite hinterherschicken.

Friedrich Mücke: Das wäre ja, wie wenn jemand bei der Post sagt: Sorry, jetzt müssen Sie leider einen zweiten Brief schreiben. Aber ich finde schon: SMS kann romantisch sein.


Haben Sie Ihr Handy eigentlich immer dabei?

Friedrich Mücke: Ja, nur beim Sport nicht.

Karoline Herfurth: Du hörst keine Musik übers Handy, wenn Du Sport machst?

Friedrich Mücke: Nein, beim Fußball zumindest nicht.


In Studien heißt es immer wieder: Das Handy zerstört Beziehungen. Wie wichtig ist das Smartphone für Beziehungen?

Karoline Herfurth: Ich finde es kann auch hilfreich sein. In diesen Studien ging es wahrscheinlich eher darum, dass man sich nur noch auf das Handy konzentriert und nicht mehr aufeinander.


Machen Sie das Handy auch mal aus?

Karoline Herfurth: Ja, eigentlich immer am Wochenende. Als ich ein Kind war, gab es noch geschlossenere Räume. Heute besteht durch das Internet und das Smartphone eine permanente Anbindung an die Welt. Ich versuche, mir geschlossene Räume heute künstlich zu schaffen. Dazu gehört es auch, dass es kein Handy am Tisch, abends oder am Wochenende gibt. Ich bin am Wochenende tatsächlich schwer zu erreichen.

Friedrich Mücke: Echt? Ich mache es erst ab zwölf Uhr mittags an – quasi für die zweite Tageshälfte. Wenn man das macht, hat man doppelt Kraft für den Tag. Wenn man es bewusst weglegt, ist das definitiv quality time.


Im Film rät Katja, die beste Freundin von Clara, ihrer Freundin, sie solle an ihre Dating-Behinderung denken und keine behämmerten Fragen stellen. Clara fragt Mark dann glatt, welches Tier er wäre. Ich finde die Frage gar nicht so doof, lässt ja schließlich tief blicken, welches Tier man gerne wäre, oder?

Friedrich Mücke: Also, ich finde, die Frage ist totaler Quatsch. Die funktioniert Null. Wenn ich viel Kontakt zu Katzen habe und Katzen mag, heißt das doch nicht, dass ich was von den Eigenschaften einer Katze haben muss. Ich mag Katzen, Hunde hingegen nicht so sehr.

Karoline Herfurth: Echt? Du magst keine Hunde?! Ich liebe Hunde und Katzen eher nicht so. Oder besser gesagt mögen die mich nicht. Ich werde per se von denen angefallen. Okay, das ist jetzt etwas übertrieben...


Aber Sie hatten mal ein Pferd ..?

Karoline Herfurt: Ja, ein Pflegepferd. Mittlerweile ist es leider gestorben.


Ich wollte Sie gerade fragen, wie das denn noch zeitlich schaffen. Sie haben ja erstmals auch Regie in dem Film geführt, in dem Sie die Hauptrolle spielen.

Karoline Herfurth: Ja, aber da habe ich auch nicht alles gleichzeitig gemacht. Und das war für mich natürlich auch ein Lernprozess. Aber ich hatte ja auch eine Vorbereitungszeit.

Friedrich Mücke: Hast Du das eigentlich vor dem Dreh geübt?

Karoline Herfurth: Ich finde, sich selbst beim Spielen zu beobachten gehört zum Beruf des Schauspielers in gewisser Weise auch dazu. Daher war das jetzt etwas, das mir am wenigsten neu war. In dem Fall war es aber so, dass ich mich nicht nur selbst beobachten musste, sondern das große Ganze. Das war die wirkliche Herausforderung. Neu war eher der ganze technische Bereich, die Postproduktion...


Samuel Finzi, der ebenfalls im Film mitspielt, sagte in einem Interview, dass es total angenehm für einen Schauspieler sei, wenn ein Schauspieler Regie führe. Wie haben Sie das empfunden, Herr Mücke?

Friedrich Mücke: Also, das kann ich total unterschreiben. Aber ehrlich? Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Wahrscheinlich, weil es gar keine Hürde darstellte, dass Karoline mitspielt und gleichzeitig Regie führt.


Gab es eine Szene, die wirklich schwierig oder extrem lustig war?

Karoline Herfurth: Also, in einer Szene sollten wir im Film Kirschen essen. Leider gab es im Oktober keine Kirschen. Dann wollten wir Mirabellen nehmen. Die gab es leider auch nicht. Also haben wir welche aus Marzipan formen lassen. Sie hatten einen Mandelkern zum Ausspucken. Wir haben die Szene drei Stunden gedreht. Und ich mag Marzipan, aber nach drei Stunden bin selbst ich an meine Würgegrenze gekommen. Und Du magst doch gar kein Marzipan, oder?

Friedrich Mücke: Nein, mag ich echt nicht.

Karoline Herfurth: Und wenn man dem anderen dann in die Augen schaut und das sieht...

Friedrich Mücke: So war es auch beim ersten Date zwischen Clara und Mark. Wir konnten uns nicht halten vor Lachen.

Karoline Herfurth: Kennt Ihr das, wenn man nicht mehr weiß ob man gerade heult oder lacht? So war das.

Friedrich Mücke: Und alle am Set wollten einfach weitermachen.

Karoline Herfurth: ...und dann kam tatsächlich die Regisseurin durch, die den Zeitplan im Auge behalten musste. Wir haben dann einen Tennisball als Anspielpartner benutzt, weil wir uns gegenseitig immer wieder aus dem Konzept gebracht haben.


A propos Zuschauer: Haben die an Stellen gelacht, an denen Sie es nicht erwartet haben?

Karoline Herfurth: Ich wusste schon, dass wir sehr lustige Momente haben, aber dass so gelacht wird, hab ich nicht erwartet. Nach dem ersten Mal dachte ich: Wow! Du hast ja eine Komödie gedreht. Es ist schwer, die Reaktion des Publikums vorauszusagen und wenn es dann so ausgeht, ist das natürlich toll.


Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Karoline Herfurth: Ich möchte jetzt erstmal diesen Film zu Ende begleiten. Und dann werde ich als nächstes „Die kleine Hexe“ drehen.

Friedrich Mücke: Zu Ende begleiten finde ich gut. Ich werde mich auf jeden Fall ins Kino schleichen und heimlich mitgucken.

Von Heike Schmidt

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