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Aus der kleinen SDP-Welt

Konzert Aus der kleinen SDP-Welt

Die Welt ist manchmal sehr klein. Am Montagabend ist sie knapp 2000 Quadratmeter groß und beherbergt 5200 Bewohner. Plus zwei Sänger. Die Sänger sind Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin, ein Duo, das sich früher „Stonedeafproduction“ nannte und heute nur noch SDP heißt. Und die Welt ist die Swiss-Life-Hall.

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SDP beim Konzert in der Swiss-Life-Hall.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover . Alles außerhalb des Saals – Schule und Globalisierung und Zukunft und sonstige Probleme sowie der eine oder andere Liebeskummer – existiert von kurz nach sieben bis kurz vor zehn einfach nicht.

Das Berliner Duo erobert mit seinem aktuellen Album "Zurück in die Zukunst" nicht nur die Album-Charts sondern auch die Fans in Hannover. Das Konzert musste sogar extra in eine größere Location verlegt werden.

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Nicht mal so was wie ein Demografieproblem gibt es in der kleinen Welt. Die Fraktion der 15- bis 19-Jährigen bildet die übergroße Mehrheit, jeder über 40 kann nichts anderes als ein versprengter Erziehungsberechtigter sein. Ein paar Exemplare werden gesichtet: In einer Ecke versucht eine Mutter, ihren 16-Jährigen mit Döner zu füttern, was dem Jungen erkennbar peinlich ist. Anderswo fehlen Erziehungsberechtigte: Vor der Bühne sitzen Mädels auf den Schultern ihre Freunde. Früher hatte man Väter für so was, aber Väter sind heute aus der Welt.

2010 (da gab es das Duo schon elf Jahre lang) landete SDP mit dem Stück „Ne Leiche“ einen Hit: 28 Millionen Youtube-Klicks bis heute. Seitdem geht es aufwärts. In Schubladen passt die Musik nicht. Rap, Hip-Hop, Rock, Pop – alles dabei. Stein und Kopplin können nicht wirklich singen, aber das verlangt auch niemand. Sie haben eine Band mitgebracht. Der Schlagzeuger sitzt nicht da, wo er sonst meist sitzt, in der Mitte – da sitzt der DJ. Wumm. Wumm. Es ist laut, rhythmisch, fröhlich. So soll es sein.

In den Texten geht es ums Feiern („Ich will noch nicht nach Haus“, „Die Nacht von Freitag auf Montag“), um den kleinen großen Unterschied („Männer und Frauen“) und um all die Idioten, die hinter dem Rücken über einen herziehen (der Titel fängt mit „F“ an und kann hier nicht zitiert werden). Und dann bricht doch einmal was ein in die kleine Welt, der Liebeskummer in Gestalt des Songs „Ich muss immer an dich denken“. Da heißt es: „Ich werd‘ verrückt bei dem Gedanken, wo du heute Abend schläfst“ – und das kennen offenbar alle 15-Jährigen, gemessen an dem einmütigen Aufseufzen im Saal. Ganz hinten stehen drei Mädchen und schwenken synchron und melancholisch die weißen Fahnen einer Mineralwasserfirma.

Aber sonst wird den Abend über (mit)gesungen, gehopst, gekreischt, geklatscht. Die Handydisplays haben die Feuerzeuge von einst abgelöst. Und als dann doch das Licht angeht, fällt es schwer, dieses seltsame Außen wieder wahrzunehmen. „Morgen?“, fragt ein Junge seine Freundin. „Klausur“, antwortet sie. Es klingt müde. Es klingt aber, Gott sei Dank, auch so, als sei morgen noch sehr weit weg.

Von Bert Strebe

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