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Der bewegte Mann

Konzert von Mark Knopfler Der bewegte Mann

Wenn Mark Knopfler spielt, fangen gestandene Herren in der TUI Arena das Wippen an.

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Begeistert in der Tui-Arena: Mark Knopfler.

Quelle: Heusel

Hannover. Da steht er nun also. Weites Hemd. Runder Kopf. Kurz geschnittener, grauer Haarkranz. Und gefühlt immer eine Cordhose, auch wenn er Jeans trägt wie an diesem Abend.

Auf der Straße würde er einem als gemütlicher älterer Herr auffallen – oder nicht einmal das. Aber da ist eben diese Gitarre vor dem moderat, aber stetig gewachsenen Altherrenbauch, die diesen gemütlichen älteren Herrn von allen anderen gemütlichen älteren Herren unterscheidet. Und von allen Gitarristen auch. Am meisten von denen, für die schneller, höher, weiter auch schöner, besser und geiler ist.

Als genialer Gitarrist, Sänger und Songschreiber von Dire Straits ist Mark Knopfler berühmt geworden. Am Dienstag hat er in der Tui-Arena in Hannover gespielt.

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Nein, Mark Knopfler ist kein geiler Typ. Er ist Musiker. Und macht einfach nur Musik. 8500 Menschen in der TUI Arena hören ihn. Am Anfang dieses Abends, der pünktlich zur Tagesschau-Zeit beginnt, noch nicht so gut, die Stimme ist zu leise. Aber sofort sind mobile Soundoptimierer mit ihren Tablets in der Halle unterwegs und schrauben am Sound. Sehen können die Zuschauer ihren Helden auch. Die hinten nur in klein.

Denn Knopfler benutzt anders als die meisten Kollegen in dieser Größenordnung keine Leinwände. Das kann man als fehlende Serviceleistung werten. Das kann einem aber auch egal sein. Knopfler, 65, hat sich in seinem siebten Lebensjahrzehnt aller optischen Gimmicks entledigt, die er als Dire-Straits-Rockstar für angemessen hielt. Kaum vorstellbar, dass dieser Mann, der sich nicht mehr bewegt als nötig, einmal neonfarbene Stirnbänder getragen hat.

Im Jahr 2015 steht er auf einer Bühne, die karger nicht sein könnte. Menschen, Instrumente, ein wenig Lichtimpressionen auf der Leinwand, fertig. Er sagt nicht viel, anfangs spricht er ein bisschen über seinen Auftritt hier mit seinem Vorbild Bob Dylan. Knopfler ist zum Mannschaftsspieler geworden. Er ist einer von acht Künstlern auf der Bühne, das ist seine Botschaft. Auch wenn die anderen ohne ihn nicht hier wären. Sein neues Album „Tracker” knüpft an die folkigen Vorgänger an, nur selten geht es mal zur Sache. Aber wozu? Mark Knopfler ist in Handymusikzeiten mehr denn je der Mann für den guten Ton.

Die Qualität von Tönen ist für diesen Mann keine Frage des Wieviel, sondern des Wie und des Wann und des Überhaupt. Manchmal spielt er ganz bedächtig die Akkorde des Songs, beim schönen „Privateering“, dem Titelstück des vorletzten Albums, sogar auf der Akustischen. Doch selbst Youtube-Gucker können nur erahnen, wie viele Hobbyklampfer sich beim Versuch, diesen Fingerpick-Stil nachzuahmen, die Finger brechen.

Und auf der E-Gitarre, egal ob sein rot leuchtendes Paradeinstrument, die Fender Stratocaster, oder eine Dobro oder eine Les Paul oder was auch immer, spielt er mit den wenigen Tönen, die er als Solo über ein Akkordschema legt, alles hochklassige Personal neben und hinter ihm an die Wand. Diese Töne steigen aus dem Song auf, schweben über ihm, lassen ihn strahlen.

Man wartet geradezu sehnsüchtig auf diese großen Momente. Das ist seine Kunst. Das kann so kein anderer. Immer noch nicht. In „Hill Farmer’s Blues“, einem eigentlich ganz einfachen Stück mit simpler Gitarrenmelodie, ist das erstmals wunderbar zu genießen. Männer, die sonst beharrlich die Füße stillhalten, wippen mit den Zehen. Es folgen viele solcher Momente, ob in „Romeo and Juliet“, diesem nie alten Erzählstück aus alten Zeiten, ob im treibenden „Speedway to Nazareth“, „Telegraph Road“, dieser elegischen Siedlergeschichte.

Und natürlich in „Brothers in Arms“. Das Sehnsuchtsmonument schlechthin, einer der größten Rocksongs aller Zeiten, wallend, eruptierend und dann wieder erhaben in sich zusammensinkend. Knopfler beendet dieses Meisterstück mit ein paar letzten aufbegehrenden Tönen. Alle stehen in der TUI-Arena. All die Männer, die vorher euphorisch gewippt haben, sind aufgesprungen, jubeln und pfeifen. Sie feiern einen Großen. Rockmusik kann so einfach sein.

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