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Phillip Boa bringt den Punk ins Capitol

Phillip Boa and the Voodooclub Phillip Boa bringt den Punk ins Capitol

Der Zukunft steht Phillip Boa offenbar eher kritisch gegenüber. In seinem Song "Kill The Future" aus dem Jahr 2014 ruft er dazu auf, Gebautes zu dekonstruieren und einzureißen. Am Freitag war Boa mit Band und Avantgarde-Punk im Capitol.

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Zu Gast im Capitol: Phillip Boa and the Voodooclub.

Quelle: Petrow

Hannover. Es ist gleich der erste, den er nach einem Intro im Capitol spielt, um auf 30 Jahre Bandgeschichte mit seinem Voodooclub zurückzublicken. Das scheint programmatisch für die düster-skeptische Melancholie eines der international einflussreichsten deutschen Indie-Musiker aller Zeiten. Mit "Kill Your Ideals" von 1987 als letzter Zugabe beendet der Dortmunder schließlich ein Konzert, in dem er seine großen Hymnen geschickt mit neuen Songs mischt. Die desillusionistische Klammer schließt sich mit Zeilen wie: "I just wanna smash the mirrors." Phillip Boa hat seinen vom britischen Punk der Siebzigerjahre inspirierten Sound immer weiter gedacht, hat ihn behutsam um aktuelle Klänge angereichert und zwischen Indie-Rock, Wave und geschliffenem Pop etabliert. Dennoch ist er seiner Haltung immer treu geblieben - im Zweifel lieber unbequem und bei aller Eingängigkeit seiner Melodien sperrig zu bleiben.

Phillip Boa and the Voodooclub stehen für avantgardistische Sounds. Am Freitag war die Band im Capitol zu Gast.

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Die jüngst erschienene Single-Collection "Blank Expression" dokumentiert dies eindrucksvoll mit 19 Songs aus insgesamt 17 Studioalben. Als in die Jahre gekommener musikalischer Vordenker lässt Boa es sich jedoch nicht nehmen, noch das Album "Fresco" mit zwölf aktuellen Songs draufzulegen. Für ein reines Best-of-Konzert ist die Zeit noch lange nicht reif. Ein Teil des neuen Materials klingt zwar routiniert. Aber Songs wie das treibende "Twisted Star" zeigen erneut Boas Talent, Sprödes mit großen Gesten zu vereinen, zugleich detailreich und ungestüm zu komponieren. Und sie erinnern daran, dass er in der europäischen alternativen Musikszene nicht umsonst in einem Atemzug mit Bands wie Bauhaus oder den Einstürzenden Neubauten genannt wird. Allerdings fehlt dem Voodooclub von heute der charismatische Sopran von Boas langjähriger Partnerin Pia Lund, der bis vor einigen Jahren für reizvolle Harmonien in der Düsternis sorgte. Sängerin Katharina, die die Band auf der aktuellen Tour begleitet, klingt tiefer und bleibt wenig präsent.

Dennoch ist mit Phillip Boa und seinem Voodooclub noch zu rechnen, das zeigt auch die Begeisterung der Fans. Gerade live überzeugen die Musiker mit dichter Atmosphäre. Die einzelnen Instrumentalisten spielen sich immer wieder eindringlich in den Vordergrund, vom Bühnenlicht herausgehoben. Boa selbst ruht jedoch meist als dunkle Gestalt inmitten all dessen, als Mastermind im Zwielicht. Er hat sein Image in all den Jahren nie zu dem eines Popstars aufpoliert. Er suchte seinen konstanten Antrieb lieber in einem realistischen, aber nie ganz zufriedenen Blick auf seine Kunst und die Welt. Im Song "Fine Art In Silver" klingt das so: "I have a goldmine in my heart, but there's only - fine art in silver." Damit vermag er zu glänzen.

Am Mittwoch, 9. November, um 20 Uhr spielt Seven Funk und Soul im Capitol.

Von Thomas Kaestle

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