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Jennifer Lawrence hat den Bogen raus

Filmkritik zu „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ Jennifer Lawrence hat den Bogen raus

Aus der Welle der Franchise-Unternehmen, die Jugendbuch-Bestseller ihrer lukrativen Zweitverwertung im Kino zuführen, ragen „Die Tribute von Panem“ heraus. Hier geht es nicht um Zaubertricks, Zeitreiseprobleme oder die Qual der Wahl zwischen Vampir und Werwolf, sondern um ein düsteres Zukunftsszenario, in dem unsere Gegenwart weitergedacht wird.

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Gereifte Rebellin: Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence).

Quelle: StudioCanal

Berlin. In dem faschistoiden Staat spiegelt sich das zunehmende ökonomische Gefälle in der globalisierten Gesellschaft – jedenfalls lassen sich die Werke so interpretieren. Die „Hungerspiele“, bei denen sich 24 Jugendliche als Tribute zur Belustigung und Einschüchterung des zugeschalteten Fernsehpublikums einen Kampf auf Leben und Tod liefern, sind in ihrer voyeuristischen Dekadenz eine Weiterentwicklung des Reality-TV à la „Big Brother“. In diesem interessant verfremdeten Setting steht eine Heldin, die zunächst nur ums eigene Überleben, später jedoch um sehr viel mehr kämpft.

Jennifer Lawrence spielt diese Identifikationsfigur Katniss Everdeen kraftvoll. Als der erste „Panem“-Film herauskam, galt sie noch als Newcomerin, heute ist die 23-Jährige eine Oscar-Preisträgerin. Gewissermaßen nimmt ihre Figur in „Catching Fire“ eine ähnliche Entwicklung zum Star: Als Überlebende der Hungerspiele sind Katniss und ihr Weggefährte Peeta (Josh Hutcherson) zu Berühmtheiten im Capitol, aber auch zu Symbolfiguren des Widerstandes in den zwölf Distrikten aufgestiegen.

Das Traumpaar wird durchs ganze Land gekarrt, aber dem Präsidenten Snow (Donald Sutherland) reichen die Demutsgebärden der beiden aufmüpfigen Tribute nicht aus – zumal sich im ganzen Land Widerstand regt. Deshalb schickt Snow die Sieger zum 75. Geburtstag der Hungerspiele noch einmal in die Arena. Er will zusammen mit Spielleiter Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) an den rebellischen Vorbildfiguren ein Exempel statuieren.

War der erste Teil damit beschäftigt, die Funktionsweise des totalitären Panem-Regimes zu erklären, konzentriert sich der zweite Teil auf die innere Reifung der Heldin. Katniss erkennt, dass das System, in dem sie lebt, ihr den ersehnten Frieden nie geben wird. Was mit dem erneuten Eintritt in die Arena wie ein typischer Wiederholungszwang eines Sequels erscheint, entwickelt sich zwischen den zahlreichen Actioneinlagen zu der interessanten Charakterstudie einer traumatisierten Heldin.

Laie, Filmfan oder Kenner? Testen Sie hier Ihr Kinowissen. Unter dem Foto eines Schauspielers steht ein Zitat, das dieser in einem seiner Filme gesagt hat. Aber in welchem? Die Auflösung finden Sie jeweils unter dem nächsten Bild.

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Jennifer Lawrence erweist sich wiederum als Idealbesetzung. Glaubwürdig balanciert sie Fragilität und Kämpfernatur aus. Auch die Bedrohungsszenarien vom Giftgasnebel bis hin zur Rotation des Bodens unter den Füßen dienen auf metaphorische Weise der Traumabewältigung. In der Arena muss die Einzelkämpferin Allianzen eingehen, ihr tiefes Misstrauen überwinden und sich zu einer teamfähigen Persönlichkeit entwickeln.

Innerhalb der Romantrilogie ist „Catching Fire“ als dramatische Schleuse angelegt. Regisseur Francis Lawrence hat die keineswegs einfache Aufgabe, die Spannung zu halten und den bekannten Charakteren neue Facetten abzuringen, souverän gemeistert, ohne sich dem üblichen Größer-schneller-lauter-Zwang zu ergeben. Auf seine Adaption des letzten Romans von Suzanne Collins, der in finanziell einträglicher Harry-Potter-Twilight-Manier in zwei Filmfolgen aufgeteilt werden soll, darf man gespannt sein.

Heldin mit hoher Identifikationskraft: Souveräne Fortsetzung. Seit 21. November im Kino.

dpa

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