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„Feiert das Leben“

Kultursommer „Feiert das Leben“

Verse gegen Rassismus und Unterdrückung singt Iyeoka - Themen, die momentan aktueller nicht sein könnten. Zusammen mit dem Trio Favo eröffnete die Nigerianerin den Kultursommer im Von-Alten-Garten in Linden. Rund 800 Menschen tanzten vor der Bühne zur Musik.

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Sängerin Iyeoka eröffnete den Kultursommer.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Bedächtig schreitet Iyeoka zum Bühnenrand, schaut in den Sonnenuntergang und öffnet ihr Versbüchlein. Worum es in den Texten der Sängerin geht, wird schnell klar: Um Liebe, Frieden, Hoffnung, gegen Rassismus und Unterdrückung; um Werte, die in bewegter Zeit nicht mehr selbstverständlich erscheinen. Mit starker, intensiver Stimme trägt die US-Nigerianerin ihre Gedichte vor. Dann gesellt sich ein Gitarrist zu ihr, wenig später ihre ganze Band, die sie liebevoll Orchester nennt, obwohl es nur vier Musiker sind.

Auf Gedicht folgt Ballade, auf Ballade ein erstes zum Tanz anregendes Reggae-Stück, auf den Reggae-Aperitiv mit „Black Coffee“ die endgültige Einladung an die 800 Besucher, die Sitzplätze zu verlassen und vor der Bühne zu tanzen; eine flotte Uptempo-Nummer, die Pop, Funk und Afrobeat vereint.

Die nigerianische Sängerin Iyeoka und das Trio Favo eröffneten den Kultursommer im Lindener Von-Alten-Garten.

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Mittlerweile ist die Sonne hinter den Wipfeln der farbig illuminierten Bäume des Von-Alten-Gartens in Linden verschwunden. Iyeoka spielt den Soundtrack zu einem lauschigen, warmen Sommerabend in der beeindruckender Kulisse des ehemaligen Barockgartens. Es ist, als wäre die Auswahl ihrer Stücke genau auf den Sonnenuntergang abgestimmt. Schöner und atmosphärischer hätte die Eröffnung des Kultursommers kaum ausfallen können.

Was auch ein wenig an dem Trio Favo liegt, das den Abend eingeleitet hat. Eine große Bühne in einem weiträumigen Open-Air-Areal mit feinsinniger Musik kammermusikalischen Zuschnitts zu bespielen, ist große Kunst. Mit einem transparenten, bis ins Detail ausgeloteten Sound und eindringlicher improvisatorischer Zwiesprache ziehen Sopransaxofonisten Volker Schlott, Bassklarinettist Falk Breitkreuz und der belgische Sänger Sander de Winne die Hörer sofort in ihren Bann. Es ist Musik an der Schnittstelle zwischen Pop, Jazz, Weltmusik und Klassik. Zu hören sind Werke von Piazzolla, Sting, den Beatles, Metheny, Bach und sogar altdeutsches Kinderliedgut – alles ist akkurat und mit lässigen Mustern verfugt. Vieles steckt in der Musik von Favo, nur tanzen lässt es sich dazu nicht.

So geht es weiter

Der Kultursommer geht am 4. August mit einem Workshop-Konzert im Schloss Landestrost in Neustadt weiter. 

Weitere Termine: 6. August: Mokoomba auf der Bergbühne Empelde,

6. August: Orchesterkonzert in der Liebfrauenkirche,

Neustadt, 7. August: Kammermusik-Matinee auf Schloss Landestrost in Neustadt.

Aber dafür gibt es ja Iyeoka. „Celebrate Life“, „Feiert das Leben“, ist die Botschaft der Sängerin, die vor ihrer Musikkarriere zehn Jahre als Apothekerin arbeitete. Diese Botschaft ist sie nicht müde, immer wieder im Laufe ihres Konzertes zu verkünden. Eine Botschaft, der die 800 Besucher im Von-Alten-Garten gerne nachkommen. Iyeoka tiefe Stimme ist nah an der von Nina Simone, der großen Diva des Soul, die ebenso wie Iyeoka Rassismus und soziale Ungerechtigkeit thematisierte. Besonders beeindruckend ist ihr Song „Akomen Of Udomi“, gewidmet den von der Terrorgruppe Boko Haram entführten Schülerinnen in Nigeria. Ihre Musik ist weniger Afrobeat, als Soul, Funk, R&B und Pop der modernen Gangart. Doch sie schafft es, auch die mehrheitlich anwesende U-50-Generation zum Tanzen zu bringen. Das Leben kann so schön sein. Wenn die Musik stimmt. Wenn der Rahmen stimmt. Und das Wetter mitspielt.

Von Bernd Schwope

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