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Kunstfest Zinnober startet am Wochenende

20. Jubiläum Kunstfest Zinnober startet am Wochenende

Einblicke in eine sich verjüngende Szene: Am Wochenende findet das hannoversche Kunstfest Zinnober zum zwanzigsten Mal statt. In diesem Jahr bildet sich ab, dass in Hannover eine Kunstszene nachwächst, die sich unter anderem aus der Kunsthochschule in Braunschweig speist.

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Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Früher war Zinnober sportlicher. „Kunstvolkslauf“ war lange Zeit der Untertitel des jährlichen Türenöffnens hannoverscher Kunstorte am ersten Septemberwochenende. Zum zwanzigsten Jubiläum tritt die Veranstaltung nicht nur in einem neuen Design auf, sondern auch mit geschärftem Selbstverständnis: weniger Wettrennen, mehr Kunstfest. Sowohl die klare, flächige Grafik als auch die Betonung des Feierns erinnern bewusst an Kurt Schwitters, der mit seinen Festen schon vor fast hundert Jahren den Namen Zinnober prägte. Im Schatten des großen Namens versuchte das zeitgenössische Zinnober von Beginn an, einen umfassenden Blick auf die heterogene Kunstszene der Landeshauptstadt zu ermöglichen.

Austausch und Vernetzung

Im Jubiläumsjahr zeigt und feiert sich diese nun mehr denn je: 59 Ateliers, Projekträume, Galerien, Verbände und Kunstinstitutionen beteiligen sich, der Freitag ist als Öffnungstag hinzugekommen. Zudem finden nicht nur Aktionen, Künstlergespräche und Führungen statt, sondern auch ein Sonder- und Abendprogramm. Der Schwerpunkt liegt zunehmend auf Austausch und Vernetzung. „In den jüngeren Künstlergenerationen entwickelt sich eine andere Form von Miteinander“, sagt Anne Prenzler, im städtischen Kulturbüro verantwortlich für die Bildende Kunst. Kooperation sei gerade auch an den Hochschulen zunehmend wichtiger als Konkurrenz.

Bei Zinnober 2017 bildet sich ab, dass in Hannover eine Kunstszene nachwächst, die sich unter anderem aus der Kunsthochschule in Braunschweig speist. Prenzler, die lange dort im Veranstaltungsmanagement arbeitete, freut sich über den Erfolg: „Junge Künstler gehen dahin, wo sie sich verwirklichen können – wir reagieren darauf mit schneller, gezielter Förderung.“ Tatsächlich lassen sich etliche der neuen Zinnober-Orte auf die Atelier- und Projektraumförderung des Kulturbüros zurückführen. „Künstler sollen Hannover als Ort erleben, an dem es Spaß macht und sich lohnt, Kunst zu machen“, ergänzt Prenzler. Sie hofft langfristig auf eine Belebung durch kleine, sich professionalisiernde, Produzentengalerien.

Akzente im Sonderprogramm

Galerist Robert Drees würde sich über eine dynamischere Szene nur freuen. Er beteiligt sich erstmals wieder an Zinnober, nachdem er zuletzt das Niveau der Veranstaltung beklagt hatte. Prenzler ist sich sicher: „Wir werden das Niveau nicht verändern, indem wir Akteure ausschließen, sondern nur, indem wir solche einbeziehen, die wir für wichtig halten.“ Mit einem Sonderprogramm setzt sie Akzente, zum Beispiel auf das Atelierhaus in der Spichernstraße, das mit einer Ausstellung ein weiteres Jubiläum feiert: Marcel Duchamps wegweisendes Readymade „Fountain“ entstand vor 100 Jahren (Eröffnung morgen, 18 Uhr, Spichernstraße 24). Auch das Platzprojekt ist mit jungen Residenzkünstlern vertreten. „Ich möchte zeigen, dass es auch dort Qualität gibt, wo sie nicht für alle sichtbar ist“, sagt Prenzler. Beim Publikum möchte sie Neugierde wecken. Und der Kunstszene mit Selbstbewusssein und Wertschätzung vorangehen.     

Das Auftaktprogramm

Hier finden Sie eine Auswahl an Veranstaltungen. Das komplette Zinnober-Programm gibt es hier.

Eröffnungen:

Mittwoch, 30.08., 18 Uhr: Eröffnung „The Fountain Mémoire“ im Atelierhaus, Spichernstraße 24

Donnerstag, 31.08., 19 Uhr: Eröffnung „konsens – kein konsens – 20 Jahre Atelier Bettfedernfabrik“ im KUBUS, danach Zinnober-Jubiläumsparty

Donnerstag, 31.08., 20.30 Uhr: Einweihung „Naherholung“ von Lindner & Steinbrenner, Friedrichswall, ehemalige Rathaus-Unterführung

Allgemeine Öffnungszeiten aller Standorte Freitag, 01.09., und Sonnabend, 02.09., je 16 bis 21 Uhr, Sonntag, 03.09., 12 bis 18 Uhr

Ortsempfehlungen:

Platzprojekt, Fössestraße 103: Residenzprojekt mit Muerbe & Droege aus Kroatien und Babalwa Tom aus Südafrika (Projektentwicklung vor Ort)

Stadtraum zwischen Goseriede und Klagesmarkt: „Alles öffentlich!“ mit Studierenden aus dem Seminar von Barbara Hindahl, Studiengang Experimentelles Gestalten, Hochschule Hannover (Kunst im öffentlichen Raum)

Ad/Ad Project Space, Deisterstraße 13: “Klasse Nadine Fecht” mit Studierenden der HBK Braunschweig (erweiterter Zeichnungsbegriff)

Atelier Quellengrund, Quellengrund 4: Vera Burmester u.a. (verstiegen Poetisches)

Ateliers Wörthstraße, Wörthstraße 15: Alexander Kühn u.a. (Malerei analog/digital)

Goethe Exil, Goetheplatz 3a: „Goethe Exil“ (junge Fotografie)

Keller III, Weidendamm 28: „Mal gucken!“ (Work in Progress)

Kik Kunst in kontakt, Am Großen Garten 5a: Helmut Hennig u.a. (Kurzurlaub mit Licht und Ton)

Trafolab Lichtkunstlabor, Nackenberger Straße 2: Franz Betz u.a. (bildgebende Verfahren)

Abendveranstaltungen:

Freitag, 01.09., ab 18 Uhr: Hoffest im Atelierhaus, Spichernstraße 24

Sonnabend, 02.09., ab 14 Uhr: Sommerfest in der Eisfabrik, Seilerstraße 15

Sonnabend, 02.09., ab 19 Uhr: deutsch-arabisches Künstlerfest in den Ateliers 150, Schulenburger Landstraße 150

Sonntag, 03.09., ab 19 Uhr: Avantgarde Jazz mit „In Side Slow“ aus Polen, Galerie Bohai, Schwarzer Bär 6

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