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Kunstfestspiele Herrenhausen trotz guter Konzerte nur mäßig besucht

Konzerte Kunstfestspiele Herrenhausen trotz guter Konzerte nur mäßig besucht

Wo die schönen Trompeten blasen: Romina Basso, das Venice Baroque Orchestra und die Musicbanda Franui gehen bei den Kunstfestspielen Herrenhausen mit voller Leidenschaft zu Werke. Trotzdem bleiben viele Sitzplätze leer.

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Mehr als Ersatz: Romina Basso.

Quelle: Mahramzadeh

Hannover. Würde die NDR Radiophilharmonie in der Galerie Herrenhausen ein Konzert mit der derzeit allerorten gefragten Sopranistin Patricia Petibon veranstalten, wäre der Saal rappelvoll. Wenn die Kunstfestspiele Herrenhausen, wie jetzt der Fall, genau dieses Konzert in ihrem Programm haben, bleibt der Saal halb leer. Warum? Zum einen sicher, weil die Sängerin wegen einer Erkrankung kurzfristig abgesagt hat. Doch wahrscheinlich hat das nur wenige Besucher abgeschreckt, zumal viele erst vor Ort davon erfuhren. Vor allem muss es wohl daran liegen, dass man in Hannover (noch) nicht zu den Kunstfestspielen geht. Warum? Das ist ein Rätsel.

Am Programm jedenfalls, das zeigt der Blick aufs Wochenende, kann es nicht liegen. Schließlich hatten die Festspiele für ihr Barockkonzert neben der Solistin noch ein attraktives Orchester im Angebot: Das Venice Baroque Orchestra wäre wohl auch allein Attraktion genug. Und der Ersatz, den man für die erkrankte Französin gefunden hatte, entschädigte reichlich für die erste Enttäuschung. Patricia Petibon ist eine Sensation? Romina Basso ist es auch.

Elegante Verzierungen

Bei der italienischen Mezzosopranistin mit dem dunklen Timbre klingen die Stücke von Händel und Vivaldi denkbar fern vor der Formelhaftigkeit der Da-capo-Arien. Selbst bald atemlos, folgt man Bassos weit gespannten Bögen, ihren wunderbar eleganten, einfallsreichen Verzierungen und wünscht, es würde eine weitere Wiederholung folgen und dann noch eine. Kein Wunder, dass der Applaus in der Galerie danach so klingt, als seien alle Reihen gefüllt. Das Orchester trägt seinen Teil dazu bei. Auch wenn die Venezianer mit einem starken Solisten oder Dirigenten (wie unlängst bei Soli Deo Gloria in Braunschweig zu hören war) noch mehr vermögen, überzeugen Händels Concerto grosso und vor allem die Corelli-Bearbeitung von Francesco Geminiani mit einem eigenen, angenehm flächigen Barockklang.

Einen ganz anderen Blick als die auf möglichst authentische Musizierweise bedachten Barockspezialisten warfen die Musiker der Musicbanda Franui auf die Tradition. In der Orangerie waren sie gleich in zwei (ebenfalls nicht sehr gut besuchten) Konzerten zu hören: Mit ihren Versionen von Mahler-, Brahms- und Schubert-Liedern sowie mit einem Vorgeschmack auf die kommenden Kunstfestspiele: 2012 wird mit einer vom Festival in Auftrag gegebenen Schumann-Bearbeitung eröffnet.

Die Besetzung ist Nebensache

Eine Banda ist eigentlich eine Bläserbesetzung, die Opernhits spielt. Bei den Österreichern, die fast alle aus einem kleinen Dorf in Osttirol stammen, gibt es neben den Bläsern auch Geige, Bass, Harfe und sogar ein Hackbrett. Doch die Besetzung ist Nebensache. Vor allem hat Franui die Bearbeitung zur Kunst erhoben: Was sie aus der Musik der Komponisten machen, ist viel mehr als eine pragmatische Aneignung des Repertoires. Wenn diese Banda Stücke wie Mahlers „Wo die schönen Trompeten blasen“ oder Schumanns „Vogel als Prophet“ spielt, dann entsteht eine ganz neue Musik, ein Resonanzraum, in dem die alten Kompositionen in die Gegenwart hinüberklingen. Das ist lustig oder traurig und immer wunderschön. Manchmal werden die Stücke entkernt und mit einem Jazzrhythmus unterlegt, dann wieder werden sie neu zusammengebaut, von fremden Klängen überlagert oder ganz auf die Melodie reduziert.

Mit welcher Leidenschaft die Musiker zu Werke gehen, lässt sich dabei nicht nur hören, sondern auch sehen: Wenn Andreas Schett, musikalischer Leiter und lakonischer Conférencier der Truppe, in seine Trompete bläst, scheint er mit dem Instrument zu verschmelzen, so weit, wie er den Oberkörper zurücklehnt und den Kopf beim Spielen nach hinten neigt. Ab und an hebt er einen Fuß vom Boden ab, als mache Trompeteblasen schwerelos. So zu musizieren, muss wohl glücklich machen. Das Zuhören jedenfalls tut es.

Kunstfestspiele Dienstag und Mittwoch: Um jeweils 20 Uhr zeigt der Regisseur David Marton seine Version von Wagners „Rheingold“ in der Orangerie.

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