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Mit Christo über das Wasser wandeln

"Floating Piers" Mit Christo über das Wasser wandeln

"Verpackungskünstler" Christo hat der Welt wieder eine faszinierende Großinstallation beschert: Bei seinem Projekt "Floating Piers" können Menschen auf orangenen Stoffbahnen über das Wasser eines Sees in Norditalien wandeln. Hunderttausende werden dazu erwartet.

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Zu Christos neuem Projekt "Floating Piers" werden Hunderttausende erwartet, die auf orangenen Stoffbahnen über den Lago di Iseo wandeln können.

Quelle: dpa

Sulzano. Bei Gewitter hört der Spaß auf. Die „Floating Piers“ des Verhüllungskünstlers Christo im norditalienischen Iseosee sind am Sonnabend zeitweise wegen schlechten Wetters geräumt worden. Nachdem in der Region Donner zu hören war und starker Regen einsetzte, beschlossen die Organisatoren, die Besucher zum Verlassen der schwimmenden Stege aufzufordern. Das Kunstprojekt aus 220 000 Schwimmwürfeln, die mit gelb leuchtendem Stoff bezogen sind, war erst am Sonnabendmorgen eröffnet worden, also wenige Stunden zuvor.

Bei Christos neuem Projekt "Floating Piers" werden Hunderttausende erwartet, die auf orangenen Stoffbahnen auf einem See wandeln können.

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Der 81-jährige Künstler und sein Team hatten in den vergangenen Monaten Schwimmwürfel aus Kunststoff zusammengeschraubt und dann mit dem leuchtenden Polyamidgewebe überzogen, dessen Farbe je nach Lichteinfall changiert. Der Stoff wurde in der Nähe von Münster hergestellt und in Lübeck konfektioniert und vernäht. Insgesamt kostete das Projekt, das für jedermann rund um die Uhr gratis zugänglich ist, 15 Millionen Euro.

Viele Menschen harrten schon lange vor der offiziellen Öffnung am frühen Sonnabendmorgen ungeduldig vor den Stegen aus, die den See durchziehen. Den ganzen Tag über kamen unablässig neue Besucher mit Fähren, Bahnen und Bussen in den Ort Sulzano, um das einzigartige Kunstwerk zu bewundern und auf ihm zu wandern. Die Besucher sollten das Werk „mit allen Sinnen“ genießen und wie einen „Boulevard“ im Wasser betrachten, der zu ausgedehnten Spaziergängen einlade – am besten barfuß, schlug Christo vor.

Die Stege, die nicht schaukeln, sondern die Bewegung des Wassers gewissermaßen in sich aufsaugen und nachempfinden, wurden von Tauchern mit 190 tonnenschweren Ankern auf dem Grund des Sees befestigt. „Man spürt die Wellen im Gehen, ein ganz tolles Gefühl“, schwärmte eine deutsche Besucherin, die vom Chiemsee aus an den Iseosee gereist war. Besucher aus aller Welt waren gekommen, um am Eröffnungstag dabei zu sein, darunter viele Deutsche. Auch das Wetter spielte mit, nachdem Meteorologen zuvor noch vor möglichen Gewittern gewarnt hatten. Die meisten Hotels in der Region sind schon seit Wochen ausgebucht. Christo ist weltweit berühmt für spektakuläre Großprojekte und Verhüllungsaktionen, die er jahrzehntelang gemeinsam mit seiner 2009 gestorbenen Frau Jeanne-Claude verwirklicht hat. Zu den bekanntesten Werken gehören „Der Verhüllte Reichstag“ (Berlin 1995), „Surrounded Islands“ (Florida 1983) und „The Gates“ (New York 2005). In Italien hatten Christo und Jeanne-Claude zuletzt 1974 ein Großprojekt durchgeführt. Damals verpackten sie einen Teil der Aurelianischen Mauer. Christo finanziert seine kurzlebigen Werke mit dem Verkauf von Skizzen und Bildern seiner Projekte.

Der Andrang am ersten Tag war riesig; italienische Medien berichteten von mehreren Zehntausend Schaulustigen. Die drei Kilometer langen Stege, die das Festland mit zwei vorgelagerten Inseln verbinden, sind jeweils für 11.000 Menschen gleichzeitig zugänglich. Die Installation ist bis zum 3. Juli zu betreten und zu bestaunen.

dpa

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