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Kunstverein präsentiert Ausstellungsprogramm

Multimedial und gesellschaftlich engagiert Kunstverein präsentiert Ausstellungsprogramm

Ziemlich multimedial und gesellschaftlich engagiert: Die Pläne des Kunstvereins Hannover für 2016 sind vielfältig und thematisch zugespitzt. Direktorin Kathleen Rahn und Kuratorin Ute Stuffer präsentierten die Ausstellungspläne für das kommende Jahr.

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Die Direktorin des Kunstvereins, Kathleen Rahn (r.), und Kuratorin Ute Stuffer präsentierten die Ausstellungspläne für 2016.

Quelle: Michael Wallmüller/Archiv

Hannover. "Kunst", sagt Mimi Aschemann, „gefällt mir gut.“ Und fügt in den aufbrandenden Applaus hinzu: „Sogar sehr gut.“ Die junge Kunstliebhaberin ist die erste von der Kunstvereinsvorsitzenden Ellen Lorenz vorgestellte Rednerin - und sie ist mit Abstand die jüngste: Die Neunjährige hat für ihren kleinen Auftritt vor Kunstvereinsförderern eigens ihre Taucherbrille mitgebracht, denn sie ist Fan der „Kunsttauchkurse“, die, ebenso wie „Kunst-Stoff“ und der „Kunstsalon“, zu den Vermittlungsformaten des Kunstvereins zählen.

Dessen Direktorin Kathleen Rahn legt an diesem Abend gemeinsam mit Kuratorin Ute Stuffer die Ausstellungsspläne für 2016 vor - und stellt dieser Präsentation auch ein paar Worte zum beiden gemeinsamen Kunstverständnis voran. „Kunst“, sagt Kathleen Rahn, „interessiert uns als Medium einer radikalen Haltung, die zweckfrei um eine Sache kreist.“ Ein klares Bekenntnis zu einem engagierten Kunstverständnis - wobei die Sache, der man sich mit dieser Haltung widmen will, im nächsten Jahr so sinnliche Erfahrungen wie Klang und Körper und so technische Details wie Datenserver oder Statistiken, die Geschichte des Kunstvereins oder die Zukunft der Digitalisierung umfassen soll:

„Preis des Kunstvereins. 30. Januar bis 28. Februar 2016“ : In dieser Schau der drei Kunstvereinspreisträger setzt sich Arno Auer mit der Ausstellung „Volk und Rasse“ auseinander, die 1935, vor 80 Jahren also, im Kunstverein stattfand. Außerdem soll dabei, möglichst mit Schauspielern vom Schauspielhaus Hannover, ein Theaterstück Arno Auers aufgeführt werden. Von Toulu Hassani wird deren nichtfiguratives zeichnerisches Werk und von Ingo Mittelstaedt seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Martel Schwichtenberg gezeigt, die einst Werbegrafiken für Bahlsen entworfen hat.

„Digital Archives. 12. März bis 22. Mai“ : Parallel zur Cebit fragen hier, wie schon in diesem Jahr mit der Ausstellung „Digital Minds“, Künstler nach dem Einfluss des Digitalen auf unsere (Kunst-)Wahrnehmung. Yann Minngards Fotografien von Server-Farmen sollen dabei ebenso zu sehen sein, wie jene Globen, auf denen Ingo Günther Daten zur globalen Vernetzung visualisiert, oder eine Zehn-Kanal-Videoprojektion des japanischen Künstlers Ryoji Ikeda.

„Stages of Staging. 4. Juni bis 14. August“ : Parallel zum Tanzkongress der Kulturstiftung des Bundes, der im Juni in Hannover stattfindet will der Kunstverein Fragen nach zeitgenössischen Körperinszenierungen aufwerfen und dem medialen Einfluss auf Körperbilder nachspüren. Von Alexandra Bachzetsis werden Tanzperformance- und Hip-Hop-Videoclips zu sehen sein. Das in Los Angeles lebende Künstlerduo Shahryar Nashat und Adam Linder soll auch Live-Auftritte beisteuern. Und von Vaginal Davis, der in Berlin lebende, mit transsexuellen Identitätswechseln spielende US-Amerikaner, sollen erstmals in Deutschland frühe filmische und installative Arbeiten zu sehen sein.

„Alexandra Bircken. September/Oktober“ : Dass diese Künstlerin Modedesign studiert hat, ist einigen Arbeiten anzusehen, bei denen sie mit Stricktechniken und Modeattributen spielt. Die femininen Rollenklischees sind dabei aber nicht selten ironisch gebrochen - wie bei „Püppi auf Abwegen“, einer halbierten Schaufensterpuppe mit Stofftier vor der Scham.

„Susan Phillipsz. 19. November 2016 bis 15. Januar 2017“ : Die in Berlin lebende Schottin ist für ihre Klanginstallationen bereits mit dem hochdotierten Turner-Preis ausgezeichnet worden. Sie erkundet skulpturale Dimensionen von Klang und deren emotionale Auswirkungen. So hat sie an Kassels altem, stillgelegten Bahnhof, von wo einst jüdische Familien deportiert wurden, Elemente einer Komposition von Pavel Haas erklingen lassen, die dieser im Konzentrationslager Theresienstadt komponiert hat. „Ich bin gespannt“, sagt Kathleen Rahn, „wie Susan Phillipsz die Akustik unserer Räume nutzen wird.“

Performance und Klang, Fotografie und Video, Zeichnung und Installation - die Kunstvereinsdirektorin holt große mediale Vielfalt ins Künstlerhaus. Doch wichtiger als die Formen der Kunst scheinen ihr deren Inhalte zu sein. „Entscheidend ist, welche gesellschaftlich relevanten Themen da verhandelt werden.“

Eine Frage, die sich nicht zuletzt an die gesellschaftlichen Eliten richtet, zu denen hier Brücken geschlagen werden: Mit Unterstützung der Messe findet derzeit eine digitale Herbstausstellung von Schülern im Flughafen Hannover statt, mit dem Schauspiel wird bei der Preisträgerausstellung kooperiert, und die Cebit-Eröffnungspressekonferenz wird diesmal in den Räumen des Kunstvereins stattfinden. Kathleen Rahn stellt den Kunstverein also ziemlich breit auf. In Hannover und darüber hinaus.

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