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Kunstvolkslauf Zinnober zieht 10.000 Besucher an

Kunstspektakel Kunstvolkslauf Zinnober zieht 10.000 Besucher an

Kunst muss "bennen" - 170 Künstler präsentieren sich zum 125. Geburtstag von Kurt Schwitters - nicht wenige präsentieren sich als Merzbauer.

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Performance von Jeanne Hamilton-Bick im Feinkunstraum von Hannes Malte Mahler.

Quelle: Herzog

Hannover. Da steht er, der „Merzbau“, den Bohrmaschinen und Hammer erprobte Kunstfreunde am Wochenende errichtet haben. Noch einige Tage kann das Unikum betrachten werden: vor dem Kubus, der Städtischen Galerie, wo am Sonnabend Vormittag der 15. Zinnober Kunstvolkslauf gestartet wurde und das Kunstspektakel am Sonntagabend mit einem Merzfest endete.

Die ersten Merzbauer waren schon am Vorabend gekommen - um das Baumaterial anzuliefern: Alles, was der Holzwurm liebt, war die Devise. Unter der Ägide von a7.außeneinsatz, einem erstmals bei Zinnober in Erscheinung tretenden Kollektiv aus Künstlern und Kunstvermittlern, sägten, hämmerten und nagelten einige Kunstfreunde, während andere viele gute Ratschläge gaben - auf dass dieser Merzbau eine phantastische Konstruktion werde.

Hannover im Merzfieber? Beim Kunstvolkslauf zum 125. Geburtstag von Kurt Schwitters, den das städtische Kulturbüro organisierte, waren an den 36 Kunstorten 170 Künstler beteiligt (die vielen Merzbaubauer dabei nicht mitgerechnet). Gekommen waren etwa 10000 Besucher, genauso viele wie im vergangenen Jahr. Alles anzuschauen war bei diesem Kunstvolkslauf (den viele auch mit dem Fahrrad absolvierten) nicht möglich, zu viele Anregungen und Inspirationen boten die einzelnen Stationen.

Am südwestlichsten Zipfel der Stadt, am Rand von Badenstedt, luden acht Künstler in die Ateliers der Fuchswerke ein. Dort gab’s zur bildenden und fotografischen Kunst noch Jazz neben dem üppig tragenden Apfelbaum. Am östlichsten Ende von Zinnober-Stadt, am Kantplatz in Kleefeld, bat die Galerie per-seh zum Kennenlernen. Sie gehörte zu den Debütanten unter den Zinnober-Teilnehmern. Ein stählerner Engel (von Ulrich Krämer) über dem gepflegten Vorgarten fungierte als Schutzpatron.

Oldie unter den Teilnehmern ist selbstverständlich der Kubus, aber auch Gedok, block 16, Gruppe 7 und Quellengrund gehören seit Anfang an zu den Zinnober-Aktivisten. Aus diesem Grund erhielt, wer gestern pünktlich um 5 Uhr nachmittags im Lindener Quellengrund vorstellig wurde, ein Autogramm von Kater Moritz - eine nicht ganz ernst zu nehmende Aktion der Malerin und Keramikerin Harriet Sablatnig. Moritz musste dabei nicht in den Farbtopf steigen, die Katzenhalterin hatte das Foto unterschrieben, das sie von ihm gemacht hatte.

In den Ateliers der Bettfedernfabrik auf dem Faust-Gelände hatten sich Luzia Lippert und Michael Kiener eine Schwitters-Hommage einfallen lassen, bei der es außer einer Karte mit dem Aufdruck „bennen“ nichts zum Sehen gab. Doch umso mehr zum Philosophieren. Vor einer ihrer vergänglichen Skulpturen, einem „Brautkleid“ aus Gummihandschuhen, das Luzia Lippert auch schon im Bonner Frauenmuseum zeigen durfte, erläuterte sie, dass das Wort „bennen“ so sinnfrei sei wie Schwitters’ merzen; mentales Material, das zum Fragen auffordere.

Das schwittersche Collageprinzip wurde auch drei Straßen weiter praktiziert, bei Konnektor, zwei ambitionierten Künstlergaleristen, die auch zum ersten Mal bei Zinnober mitmachten. Die Konnektoren hatten 36 Künstler um „Mitbringsel“ gebeten, die in wilder Folge vor den Augen der Gäste ausgepackt aufgestellt und aufgehängt wurden.

Malen mit verbundenen Augen zu Panflötenmusik, eine Dopingbar im Atelierhaus Seestraße, eine Aktion der New Yorker Performancekünstlerin Jeanne Hamilton-Bick in Hannes Malte Mahlers Feinkunstraum, eine Tanzperformance im Fössebad - und noch mehr zusätzliche Aktionen und viele anregende Gespräche bot der 15. Zinnober-Kunstvolkslaufs.

Na dann, bis zur 16. Ausgabe.

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