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Kultur Volles Haus, voller Klang
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00:15 16.02.2016
Von Stefan Arndt
Die neuen Schallsegel über der Bühne im Kuppelsaal Quelle: Dröse
Hannover

Was für ein Durcheinander! In Shakespeares „Sommernachtstraum“ jagen die Figuren in wilder Hast Träumen und Trugbildern hinterher. Die dazugehörige Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy stand nun neben dessen erster Sinfonie auf dem Programm beim Pro-Musica-Konzert zur Wiedereröffnung des Kuppelsaals. Das Interesse war gewaltig: 3400 Besucher brachten den Saal mancherorts an seine Kapazitätsgrenze. Nur gut, dass Dirigent John Eliot Gardiner mit dem London Symphony Orchestra vorbildliche Übersicht in dieser tönenden Verwirrung der Gefühle bewahrte.

Jetzt stimmt die Akustik: Das Londoner Symphonie Orchester gab das Eröffnungskonzert im frisch umgebauten Kuppelsaal im HCC.

Mendelssohn Bartholdys Musik besteht nämlich keineswegs nur aus Elfentänzen und Feenstaub. Jederzeit kann die Stimmung umschlagen, unbeschwerte Heiterkeit verdunkelt sich binnen Sekunden zu tiefer Verzweiflung, die wieder in hektische Aktivität umschlägt. Sensibel wie ein Seismograf zeichnet die Musik all die Ungewissheiten, Hoffnungen und Enttäuschungen der Figuren nach. Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“ ist bei aller klanglichen Opulenz, die sich das Stück ja auch leistet, ein denkbar feines, hochempfindliches Tongespinst.

28 Wochen hat es gedauert und 7 Millionen Euro gekostet. Nun ist er fertig: der renovierte Kuppelsaal. Es hat sich einiges verändert: Neben diversen Designänderungen gibt es neue Bühnentechnik, neue Stühle und neue Beleuchtung.

Das abzubilden ist eine Herausforderung für alle Musiker – und für jeden Saal, in dem diese Musik erklingt. Doch der Kuppelsaal, der fast anderthalb Jahre renoviert wurde und sich jetzt besser ausgeleuchtet und akustisch optimiert präsentiert, besteht sie souverän: In dem riesigen Konzertraum können sich nun auch feingliedrige Klänge wunderbar entfalten. Die Zeit, in der die Musik hier stumpf, entfernt und kaum detailscharf tönte, ist vorbei.

Wie groß die Verbesserung ist, ist am deutlichsten bei den fabelhaften Sängerinnen des Monteverdi Choirs zu hören: Ihre Stimmen klingen warm und frei und können Ohren und Herzen der Hörer erreichen. Bislang waren hier gerade Sänger hoffnungslos verloren. Nun scheint der Kuppelsaal ein idealer Ort für sie.

Für Orchestermusiker bleibt die Bühne aber ein schwieriges Terrain – auch wenn Gardiner sich nach seinem Auftritt sehr zufrieden geäußert hat. Ein echter Mischklang, wie man ihn aus den besten Konzerthäusern kennt, stellt sich nicht ein. Vor allem zwischen Bläsern und Streichern herrscht weiter erhebliche akustische Distanz. Dass damit nicht ganz leicht umzugehen ist, ahnt man, wenn selbst ein hochkarätiger Profi wie der Soloflötist des englischen Vorzeigeorchesters konsequent zu tief spielt.
Für die meisten Zuhörer dürfte das allerdings eher nebensächlich sein. Sie profitieren eher von der guten Resonanz des Saals in den tiefen Lagen: Der Streicherklang wird viel stärker als früher von den Bässen getragen und erhält eine neue Geschlossenheit und Fülle.

Trotzdem gelang beim am Ende minutenlang bejubelten Konzert nicht alles. Etwas verunglückt wirkte der Auftritt von Bruno Ganz als Sprecher: Man konnte auf vielen Plätzen eher den Klang seiner Stimme als die einzelnen Worte verstehen. Schade um seine feinsinnig orchestrierte Interpretation!

Am 28. Februar kommen Thomas Hengelbrock und sein NDR Sinfonieorchester in den Kuppelsaal, Solist ist der Pianist Igor Levit, Kartentelefon: (05 11) 36 38 17.

Problematische Anreise

Verspäteter Konzertbeginn: Rund um den Kuppelsaal war die Parkplatzsituation ähnlich chaotisch wie die Seelenlage der „Sommernachtstraum“-Figuren. Weil viele Besucher ihre Sitze nicht rechtzeitig einnehmen konnten, musste das Konzert zehn Minuten später beginnen.

Laut Kuppelsaal-Chef Joachim König lässt sich an der Lage wenig ändern: Es habe keine Pannen oder technischen Probleme gegeben, im Parkhaus seien sogar 500 Plätze frei geblieben. Engpässe habe es auch bei der Mantelabgabe an manchen Garderoben gegeben. Hier will König künftig nachbessern. Grundsätzlich empfiehlt er den Besuchern, sich früher auf den Weg in den Kuppelsaal zu machen, um die Stoßzeit unmittelbar vor Konzertbeginn zu vermeiden.

Es könnte sich lohnen, diesen Rat zu befolgen: Pro-Musica-Geschäftsführer Burkhardt Glashoff glaubt, dass es wegen der neuen Attraktivität des Kuppelsaals öfter eng werden könnte. Er konstatiert eine „wieder stärkere gesellschaftliche Relevanz“ von Klassikkonzerten und rechnet mit vier bis fünf ähnlich stark nachgefragten Veranstaltungen pro Saison.

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