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Seltsames Spiel

Kunstfesstspiele Herrenhausen Seltsames Spiel

Fast immer geht es in der Oper um die Liebe. Von Sex aber singt kaum jemand. Oder nur so verklausuliert, dass es der ans Unverblümte gewohnte moderne Zuschauer kaum wahrnimmt. Nicht so in Pierre Alferis Version der Barockoper "La Coquette trompée" bei den Kunstfestspielen Herrenhausen.

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Grelle Gesten, zarte Gefühle: „La Double Coquette“ in der Orangerie.

Quelle: Helge Krückeberg

Hannover. Es ist eigentlich ein Wunder, dass nicht schon viel mehr Komponisten und Librettisten auf die Idee gekommen sind, die Gérard Pesson und Pierre Alferi nun bei den Kunstfestspielen Herrenhausen in der Orangerie präsentiert haben: Der französische Autor Alferi hat den Text der Barockoper „La Coquette trompée“, die Antoine Dauvergne 1753 komponiert hat, behutsam erweitert, ergänzt und aus heutiger Sichtweise ohne falsche Scham zu Ende geführt.

Die Geschichte einer betrogenen Verlobten, die die neue Geliebte ihres Freundes als Mann verkleidet verführt und diese Beziehung so auseinanderbringt, bekommt dabei einen Schluss, der vor 300 Jahren in dieser Deutlichkeit nicht auf die Bühne zu bringen gewesen wäre. Wenn sich das Maskenspiel aufklärt, bleibt das neue Paar einfach zusammen: Die alte Geliebte liebt die neue Geliebte - und der Mann guckt in die Röhre.

Zu diesen neuen Textpassagen hat der Komponist Gérard Pesson eine neue Musik geschrieben, die, wie er selbst sagt, sich in dem Werk des 18. Jahrhunderts „häuslich eingerichtet“ hat. Es gibt also keine drastischen Schnitte in dem so entstandenen Stück „La Double Coquette“. Die moderne Musik schwebt manchmal sanft über der alten oder löst sie für meist kurze Passagen vorsichtig ab. Es passt perfekt zur Verwirrung der Gefühle auf der Bühne, wenn auch die Musik die Klarheit verliert, die das Barockstück auszeichnet, und mit Pessons Klängen ins Gleiten gerät.

Die Alte-Musik-Spezialisten vom Ensemble Amarillis wirken mit ihren historischen Instrumenten auch in der Neuen Musik ganz zu Hause, und den Sängern Isabelle Poulenard, Maïlys de Villoetreys und Robert Getchell gelingt der musikalische Spagat ebenfalls mühelos. Fanny de Cahillé hat alles angemessen luftig in Szene gesetzt, die auch von den grellbunten Kostümen von Annette Messager entscheidend geprägt wird.

Nur ganz am Ende kippt die Leichtigkeit doch noch ins Didaktische. Die (lesbische) Liebe wird auf politisch korrekte Weise gefeiert. Von der Selbstverständlichkeit, die „La Double Coquette“ behauptet, ist dabei doch etwas wenig zu spüren.

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